Blumen zum Abschied: Cordula Schaufler (links) und ihre Mitarbeiterin Romina Basal schließen den Dorfladen, zumindest vorerst. | Foto: pr

Aus im Schwarzwalddorf

Letzter Dorfladen im Bühler Stadtteil Neusatz schließt die Türen

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Es ist ein Schlag für die Infrastruktur. Der Bühler Stadtteil Neusatz mit seinen rund 2.500 Einwohnern verliert das letzte Lebensmittelgeschäft. Nach neun Jahren wurde „s’Lädle“ im Dorfzentrum geschlossen.

„Der Ortschaftsrat und ich bedauern dies sehr“, erklärt Ortsvorsteher Hans-Wilhelm Juchem gegenüber dieser Zeitung. Eine kleine Hoffnung bleibt aber. „Ich hoffe, dass für das Lädle bald ein neues Konzept gefunden wird, um es zum Wohle der Neusatzer Bevölkerung rentabel betreiben zu können.“

Die Chancen dafür sind durchaus realistisch. Cordula Schaufler, die Betreiberin des „s’Lädle“, arbeitet aktuell an einem neuen Konzept für die Wiedereröffnung. „Ob sich dies realisieren lässt, ist aber noch völlig offen“, sagt sie.

Metzger und Bäcker sind schon lange dicht

Neusatz hat in den vergangenen Jahrzehnten gleich eine ganze Reihe von Geschäften verloren. Das weiß der Ortsvorsteher, der vor mehr als zwei Jahrzehnten ins Schwarzwalddorf gezogen ist, aus seiner persönlichen Erfahrung. In dem Laden, in dem sich bisher „s’Lädle“ befand, gab es ursprünglich eine Bäckerei. Daneben verfügte Neusatz über zwei Metzgereien und sogar über ein Schuhgeschäft, das der Bäckerei schräg gegenüber lag. Die Geschäftsräume sind noch vorhanden und wären aus Sicht des Ortsvorstehers für einen Dorfladen geradezu prädestiniert.

„Natürlich haben wir im Ortschaftsrat bereits über die Schließung des s’Lädle diskutiert“, berichtet Juchem. „Solange aber die Chance auf eine neue private Initative besteht, werden wir kommunalpolitisch nicht tätig werden.“

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Dorv ist kein Rechtschreibfehler

Eine Alternative wäre ein Dorv-Laden nach dem Vorbild von Eisental. So etwas kann sich Juchem grundsätzlich auch für Neusatz vorstellen, wenn sich für Neusatz keine neue private Initative abzeichnen sollte. Wie die Eisentäler inzwischen längst wissen, ist „Dorv“ kein Rechtschreibfehler. Die Abkürzung steht für Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung.

Dahinter steht der Jülicher Stadtrat und Oberstudienrat Heinz Frey, der im Jülicher Stadtteil Barmen 2004 einen zeitgemäßen Tante-Emma-Laden initiiert hat. Die Dorfbewohner gründeten zu diesem Zweck einen Verein, der den Tante-Emma-Laden betreibt, der nicht nur Lebensmittel bietet, sondern ein modernes Dienstleistungszentrum ist. In Eisental und in einer ganzen Reihe von Dörfern in Deutschland wurde diese Idee mit Unterstützung aus Nordrhein-Westfalen dankbar aufgegriffen.

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Weit verstreute Siedlung ist ein Problem

„Wenn ein privater oder genossenschaftlicher Dorfladen überleben soll, müssen die Leute dort auch einkaufen“, konstatiert Ortsvorsteher Juchem. Neusatz mit seinen weit verstreuten Streusiedlungen, zu denen auch Waldmatt gehört, ist im Hinblick auf die Topografie schwierig. „Je nachdem, wo die Leute wohnen, sind sie schneller in Bühlertal, Lauf oder in der Kernstadt als im Ortszentrum“, meint Juchem. „Selbstverständlich kann weder ein privater noch ein genossenschaftlicher Dorfladen dieselben Preise bieten wie ein Discounter.“

Cordula Schaufler berichtet, dass es im „s’Lädle“ nicht nur wegen der hohen Betriebskosten Probleme gab. Es sei auch schwierig gewesen, geeignetes Personal für das kleine Lebensmittelgeschäft zu finden. Schaufler will dem Projekt „Dorfladen“ aber noch eine Chance geben und arbeitet gemeinsam mit ihrem Steuerberater intensiv an einem neuen Konzept. Dieses würde aber in jedem Fall zu einer Reduktion des Warenangebots führen.

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Gibt es noch eine rettende Idee?

Das neue „s’Lädle“ wird, wenn sich das Konzept umsetzen lässt, nur noch Dinge für den schnellen Einkauf anbieten, beispielsweise Backwaren. Ein Vollsortiment wird es keinesfalls geben. „Erfreulicherweise zieht auch der Vermieter mit“, sagt Schaufler. „Er kommt mir entgegen.“

Ein privater Dorfladen, der für die Infrastruktur eines Orts genauso wichtig sein kann wie ein genossenschaftlicher, muss allerdings ohne staatliche Zuschüsse auskommen. Dies betont Cordula Schaufler. Weitermachen will sie trotzdem, wenn es irgendwie geht.