Unter der Villa Walchner in Bühl befindet sich ein gewaltiger Gewölbekeller. | Foto: Ulrich Coenen

Lörch-Gelände in Bühl

Bagger rückt spätestens im Frühjahr an

Spätestens im Frühjahr 2018 sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Pläne für das Lörch-Gelände haben in den vergangenen drei Jahren polarisiert wie kaum ein anderes Projekt in der Stadt. Obwohl der Abriss der spätklassizistischen Villa Walchner durch einen umstrittenen Schweizer Investor seit dem Erlass der „Erhaltungssatzung westliche Eisenbahnstraße“ im Spätjahr 2015 vom Tisch ist, gingen die Diskussionen um dieses letzte Filetstück in der Innenstadt weiter.

Schwieriger Vorbesitzer

Ende 2016 ist es den beiden Bühler Geschäftsleuten Tilo Trautmann und Peter A. Lehnhoff gelungen, die 3420 Quadratmeter große Brachfläche zwischen der Eisenbahnstraße und dem Platz Vilafranca aus dem bekanntermaßen schwierigen Schweizer Privatbesitz zu kaufen. Die Bühler Architekten Planum (Thomas Velten und Michael Schönle) erhielten den Planungsauftrag für eine Wohnbebauung, die die vom früheren Eigentümer vor zweieinhalb Jahren abgerissenen vier Firmengebäude ersetzen soll (wir berichteten).

Normenkontrollverfahren droht

Der Gemeinderat hat die dafür notwendige Änderung des „Bebauungsplans Herbert-Odenheimer-Straße/Bahnhof“ inzwischen genehmigt. Zwar erwägen die Eigentümer des Grundstücks Eisenbahnstraße 32 die Einleitung eines Normenkontrollverfahrens vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim gegen den Bebauungsplan, zumindest aber mit der benachbarten Realschule haben sich Stadt und Bauherrschaft nach längerer Diskussion geeinigt.

Plan für die Neubauung des Lörch-Geländes in Bühl. | Foto: Planum Architekten

Am städtebaulichen Konzept der Architekten für das Lörch-Gelände hat sich seit der Vorstellung der Pläne im Frühjahr nichts geändert. Im rückwärtigen Bereich entstehen parallel zum Schulhof drei viergeschossige Punkthäuser mit jeweils elf Wohnungen zwischen 60 und 145 Quadratmetern. Die Gebäude, die analog gestaltet sind, haben die Außenmaße 16 mal 21 Meter und orientieren sich mit rund zwölf Metern Höhe an der Traufe des Modehauses Pfeifer und der Mediathek.

Entwürfe liegen vor

Inzwischen gibt es auch Fassadenaufrisse für die großen Kuben. Die Architekten spielen mit dem Konzept der klassischen Lochfassade. Rechteckige raumhohe Fensteröffnungen und Wandflächen in den unterschiedlichsten Formaten wechseln in jedem Geschoss. Es gibt keine Axialität. Die Fassaden sind eine Weiterentwicklung des Wohngebäudes, das 2014 nach Plänen von Velten und Schönle in der Gartenstraße (Konkordia-Gelände) entstanden ist.

Thomas Velten verspricht einen für den innerstädtischen Bereich großzügigen Anteil von Grünflächen mit Baumbepflanzung. Auch ein 130 Quadratmeter großer Spielplatz ist vorgesehen. Der Architekt rechnet mit einer Gesamtbauzeit von rund zwei Jahren. Die Ausschreibung für die Erarbeiten läuft bereits.

Blick auf das Lörch-Gelände. Im Vordergrund ist das Flachdach der Realschule zu sehen., rechts am Bildrand die Villa Walchner. | Foto: Ulrich Coenen

Erste Erhaltungssatzung

Die westliche Eisenbahnstraße wird durch Bühls erste Erhaltungssatzung geschützt. Deshalb haben die Sanierung der Villa Walchner und die Bebauung der beiden Grundstücke rechts und links des Bauwerks, das 1847 vermutlich nach Plänen von Jacob Paniani entstanden ist, besondere Bedeutung.

Das im Auftrag des Arztes Franz Hermann Walchner errichtete Haus wurde nach der ungenehmigten Erneuerung des kriegsbeschädigten Dachstuhls 1993 aus der Denkmalliste gestrichen. Seit 2014 wurde es vom Landesamt für Denkmalpflege wieder als denkmalschutzrechtlicher Prüffall gewertet. Nach einer erneuten Besichtigung durch das Landesamt, die bereits am 25. September stattgefunden hat, ist der Denkmalschutz aber jetzt endgültig vom Tisch.

Das Treppenhaus der Villa Walchner gehört dem 19. Jahrhundert an, wurde aber im Detail verändert. | Foto: Ulrich Coenen

Kein Denkmalschutz

„Unter Würdigung des Bauzustandes und der Geschichte des Gebäudes kamen wir zu der Auffassung, dass es sich bei dem erhaltenen Wohnhaus um ein städtebaulich ansehnliches, in seiner Fassade ansprechendes und auch erhaltenswertes Gebäude handelt“, erklärt Désirée Bodesheim, Presserferentin des Regierungspräsidiums Stuttgart, zu der das Denkmalamt gehört. „Als Kulturdenkmal kann es jedoch nicht begründet werden. Die Innenräume der beiden Wohngeschosse sind in den Nachkriegsjahrzehnten bezüglich Ausstattung und Grundriss durchgreifend verändert beziehungsweise umgestaltet worden, wandfeste bauzeitliche Teile in den Wohnräumen fehlen. Einschneidende Eingriffe in Grundriss und Fassade betrafen den Nordwestteil des Gebäudes, wo neuere bauliche Erweiterungen angefügt worden sind. Aus dem 19. Jahrhundert hat sich lediglich das im Detail allerdings ebenfalls schon modifizierte Treppenhaus und ein großer Gewölbekeller überliefert.“

Villa Walcher wird saniert

Die Villa bleibt aber in jedem Fall erhalten und soll nach einer grundlegenden Sanierung gewerblich (Büros, Praxen) genutzt werden. Die gesamte Gebäudetechnik soll erneuert werden. Aktuell werden alle Deckenverkleidungen und Fußböden demontiert. Der hässliche Anbau an der Rückseite soll durch ein verglastes Treppenhaus mit Aufzug ersetzt werden. Die bestehende alte Holztreppe im Gebäude bleibt aber erhalten.

Nutzung für Gewölbekeller

Ein in der Öffentlichkeit bisher unbekannter Clou der Villa ist der gewaltige rund dreieineinhalb Meter hohe Gewölbekeller, der auf einem großen Mittelpfeiler ruht. Für ihn suchen Bauherrschaft und Architekt noch eine Nutzung.

Die schwierigste Aufgabe für das Büro Planum sind die beiden Neubauten rechts und links der Villa Walchner. Unmittelbar an den Brandgiebel der westlich gelegenen Villa Bernhard Wertheimer (heute Bella Musica) soll ein Wohnhaus in geschlossener Reihenbauweise mit den Abmessungen 12 mal 14 Meter anschließen. Im Osten der Villa Walchner entsteht ein Neubau in offener Reihenbauweise. Das Haus mit den Abmessungen zwölf mal zwölf Meter steht also völlig frei zwischen der Villa Walchner und der Villa Mittenmaier (heute Lerntreff).

Neubauten als Herausforderung

Für die analog gestalteten Fassaden der beiden Häuser mit jeweils drei Wohneinheiten gibt es inzwischen Entwürfe. Die beiden zweigeschossigen Neubauten tragen Satteldächer mit jeweils einem Zwerchhaus (also einer sehr großen Gaube) und orientieren sich mit ihrer Geschosseinteilung an der Nachbarbebauung. Die hochrechteckigen Fenster sind wie bei den Altbauten streng axialsymmetrisch angeordnet, haben eine sehr niedrige Brüstung und sind fast raumhoch. „Durch die schlichte und doch zeitgemäße Formensprache der beiden Neubauten stellen wir die Villa als Schmuckstück ins Zentrum“, erklärte Thomas Velten.