LuK ist der größte Arbeitgeber in der Stadt Bühl. | Foto: Bernhard Margull

LuK in Bühl

Gewerkschafter dürfen nicht aufs Firmengelände

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Bei Bühls größtem Arbeitgeber LuK rumort es. Die IG Metall wirft dem Unternehmen Verstöße gegen geltendes Recht vor. Die LuK beschäftigt in Bühl, Sasbach und Kappelrodeck fast 5 500 Mitarbeiter.

„LuK behindert seit Ende November Gespräche zwischen IG Metall-Vertretern und LuK-Beschäftigten und verwehrt IG Metall-Vertretern ihr gesetzlich verankertes Zutrittsrecht“, erklärt Lea Marquardt, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall in Offenburg. „Davor konnte der Gewerkschaftssekretär Norbert Göbelsmann bei einer Reihe von Besuchen ohne Probleme mit den Beschäftigten sprechen.“

Umstrittenes Verbot

Von dem Verbot ausgenommen seien, so Marquardt, Gespräche mit Betriebsratsmitgliedern im Büro des Betriebsrats. In einem Fall habe das Unternehmen angeboten, dass der Gewerkschaftssekretär, begleitet von der stellvertretenden Personalleiterin, in einen Raum im Werk Sasbach gehen und dort darauf warten könne, dass Beschäftigte zu ihm kommen. Außerdem nehme die LuK Anstoß an Gesprächsrunden in Sitzungsräumen des Betriebsrats, zu denen Betriebsratsmitglieder in Zusammenarbeit mit IG Metall-Mitgliedern einladen. Ob das Unternehmen diese Gesprächsrunden wieder zulässt, sei noch ungeklärt.

Der LuK-Betriebsratsvorsitzende Jürgen Stolz bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung die Vorwürfe der IG Metall. „Der Arbeitgeber hat traditionell Probleme mit der Gewerkschaft“, berichtete er. „Die IG Metall versucht, etwas für die Arbeitnehmer zu erreichen. Der Arbeitgeber hält sich nicht an Absprachen und an das Betriebsverfassungsgesetz.“ Stolz wies darauf hin, dass für rund 85 Prozent der Mitarbeiter der Schaeffler-Gruppe, zu der LuK gehört, der Tarifvertrag gilt. „LuK wehrt sich gegen eine Tarifbindung“, sagte Stolz.

Gestaltung des Arbeitsplatzes

„Ein Gespräch zwischen Betriebsrat und Personalleitung am 6. Dezember ergab zunächst eine gute Lösung“, berichtete Lea Marquardt. „Allerdings hielt das Unternehmen die Vereinbarungen nicht ein. Den eigenen Arbeitsplatz mitzugestalten, auch gemeinsam mit Gewerkschaftsbeauftragten, ist das gute Recht aller Beschäftigten. Demokratie darf nicht am Werkstor enden.“

Nach Auskunft von Marquardt geht es bei den Gesprächen um die Bedingungen am Arbeitsplatz, die nicht immer optimal seien. Die IG-Metall-Funktionärin sprach von zum Teil mangelhafter Klimatisierung. „Die Kollegen formulieren ihre Ansprüche“, meinte sie. „Das ist man bei LuK nicht gewohnt.“

Ende November hat die IG Metall nach Mitteilung von Marquardt eine Initiative für Lösungen gestartet. „Genau zu dieser Zeit begannen die Einschränkungen des Zugangsrechts“, berichtete die Zweite Bevollmächtigte. Als Begründung seien „Störungen des Betriebsablaufs“ genannt worden.

Kein Tarifvertrag

Der fehlenden Tarifvertrag hat nach Aussagen von Marquardt für die 5 500 LuK-Mitarbeiter im Raum Bühl gravierende Nachteile. Sie nannte neben „massiven Unterschieden“ beim Einkommen auch Aspekte wie Altersteilzeit und Fortbildung.

Nur ein Missverständnis

Die LuK reagierte auf telefonische Anfrage dieser Zeitung nur mit einer kurzen schriftlichen Mitteilung: „Die Geschäftsleitung der LuK bedauert, dass es hier offenbar zu Missverständnissen mit der IG Metall gekommen ist. Bezüglich der Vorwürfe waren wir im Dialog und wir bleiben im Dialog mit Betriebsrat sowie Gewerkschaftsvertretern und wir entsprechen den gesetzlichen Regelungen bezüglich der Tätigkeit der Gewerkschaft innerhalb des Werkes.“