Der Rückgabekasten der Mediathek: Wer Medien zu spät zurückgibt, zahlt Mahngebühren. Deren Höhe will die Stadtverwaltung überdenken. | Foto: Bernhard Margull

Mediathek in Bühl

Mahngebühren auf dem Prüfstand

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Die Mahngebühren in der Bühler Mediathek führen bei den Nutzern regelmäßig zu Verärgerung. Der Grund ist nicht die Mahngebühr als solche, es ist ihre Höhe: Im Dezember 2015 hat der Gemeinderat eine drastische Erhöhung beschlossen, die seit März 2016 gültig ist. Nun will die Stadtverwaltung dem Gemeinderat eine Änderung vorschlagen. „Wir sind mit der Situation nicht glücklich“, räumt Klaus Dürk ein. Der städtische Fachbereichsleiter Bildung – Kultur – Generationen weiß, dass die Erhöhung zu viel Ärger und Frust bei den Kunden geführt hat, und zu spüren bekämen das die Mitarbeiterinnen der Mediathek: „Darunter leidet auch der sehr gute Kundenservice.“

„Absurd hoch“

Beschwerden gibt es immer wieder. Im jüngsten Fall berichtet eine Mutter aus Eisental, dass ihrer neunjährigen Tochter für die Bücher „Suse Sausewind“ und „Wilde Kinder: Giraffen“ 6,50 Euro berechnet worden seien – die Bücher seien zwei Tage zu spät abgegeben worden. „Meine Tochter ist aus allen Wolken gefallen“, berichtet die Mutter. „Sie hatte auf die Bücher extrem gut aufgepasst, und ich, trotz eines Smartphones, war diesmal nicht ,smart‘ genug, um eine Erinnerung in mein Telefon zu machen.“ Die 6,50 Euro („für meine Tochter 3,25 Wochen Taschengeld“) seien absurd hoch. „Wir werden sie auch bezahlen, aber wir werden nie wieder in die Mediathek kommen. Nicht mal zum Stöbern. Stattdessen werden wir den kostenlosen und fristfreien Büchertreff in Eisental aufsuchen.“

Kein Einzelfall

Das sei kein Einzelfall, wie Dürk einräumt: „Wir haben sicher den einen oder anderen verärgerten Kunden verloren.“ Unzufriedene Kunden aber sollten vermieden werden: „Es geht hier auch um den Bürgerservice.“ Dürk erinnert daran, dass der Gemeinderat bei seinem Beschluss weit über den Vorschlag der Verwaltung hinausgegangen sei. 2016 wurde eine Bearbeitungsgebühr eingeführt, den vorgeschlagenen Betrag von einem Euro erhöhte der Gemeinderat nach einem Antrag der CDU auf 2,50 Euro; bei der Mahngebühr, die nach dem Willen der Verwaltung in der ersten Woche einen Euro pro Medium betragen sollte, wurden es nach einem Antrag der GAL zwei Euro. Mahnende Stimmen von Dürk und der Mediathek-Leiterin Sonja Kropp fanden kein Gehör. Sie hatten darauf hingewiesen, dass die Verdoppelung der Mahngebühren vor allem Familien treffen werde; auch könnten Einnahmen durch die Mahngebühren wegfallen. Der Gemeinderat habe eine lenkende Wirkung erzielen wollen, damit ausgeliehene Medien rechtzeitig zurückkommen, sagt Dürk.

„Ergebnis stimmt nicht zufrieden“

Das sei wohl auch gelungen, die Zahl der Mahnungen sei zurückgegangen. Was dies für die Summe der Mahngebühren bedeutet, könne er nicht sagen, da diese nicht separat aufgeführt würden. Das Ergebnis stimme aber mit dem Blick auf verärgerte Kunden nicht zufrieden: „Wir sehen deshalb die Notwendigkeit, das Thema noch einmal im Kultur- und Sozialausschuss zu beraten.“ Dürk verhehlt nicht, dass er am Ende gerne eine Änderung sähe. Derzeit werde, wie vor drei Jahren auch angekündigt, evaluiert; wenn im Herbst die Ergebnisse vorliegen, sollen sie dem Ausschuss vorgelegt werden.

Die Eisentaler Mutter macht den Mitarbeiterinnen der Mediathek keinerlei Vorwürfe: „Sie können ja nichts dafür und waren sehr freundlich.“ Sie verweist aber auf die Aufgabe, die in ihren Augen eine Bücherei habe: „Sollen die Menschen die Lust am Lesen behalten und immer wieder einen Grund suchen, um vorbeizuschneien, oder sollen sie mit der Angst vor unangemessenen Mahngebühren ferngehalten werden?“ Gerade Kinder sollten erst freundlich daran erinnert werden, dass ihre Bücher fällig sind, heißt es in dem Schreiben an die Mediathek: „Dafür hätte eine Mahngebühr von einem Euro mehr als gereicht, um meiner Tochter eine wertvolle Lektion über die Wichtigkeit von Pünktlichkeit zu erteilen. Mit einer Mahngebühr von 6,50 Euro habt Ihr dafür gesorgt, dass sie um einiges ärmer ist und dass sie noch mehr Angst vor dieser Art von Fehler hat. Wir können getrost ohne diese Angst leben und werden künftig nicht mehr zu Euch kommen.“