Die 16-jährige Marie wohnt mit ihrer Familie in Eisental und besucht die zehnte Klasse des Windeck-Gymnasiums.
Die 16-jährige Marie wohnt mit ihrer Familie in Eisental und besucht die zehnte Klasse des Windeck-Gymnasiums. | Foto: König

16-Jährige liebt Mathematik

Marie Culava aus Moldawien ist seit September in Deutschland und hat schon Landeswettbewerb gewonnen

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Marie Culava (16) liebt Mathematik. Eigentlich schon immer. Jedenfalls bemerkte bereits ihre Grundschullehrerin in ihrer Heimat Moldawien ihre Begabung – und begann, sie zu fördern. Der Zusatzunterricht für das wissbegierige Mädchen setzte sich bis zur neunten Klasse fort, denn danach verließ die Familie die Heimat, um in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen.

Von unserer Mitarbeiterin Katrin König

Maries Mutter ist alleinerziehende Designerin; sie betrieb ein Geschäft für Brautkleider, doch mit der Wirtschaftskrise blieben die Aufträge aus, sie konnte die kleine Familie – dazu zählt auch Maries Bruder Stefan – nicht mehr ernähren.

Erster Platz im Landeswettbewerb Mathematik

Die Liebe zur Mathematik brachte Marie natürlich mit: Inzwischen Zehntklässlerin am Bühler Windeck-Gymnasium, nahm sie am Landeswettbewerb Mathematik teil und belegte den ersten Platz, wie Ende Dezember bekannt wurde.

Sie lächelt erstaunt auf die Frage, ob sie damit gerechnet habe. Und erklärt, die Aufgaben seien leicht gewesen. Ohnehin seien moldawische Schüler von früh an daran gewöhnt, sich anzustrengen und immer mehr Leistung zu erbringen, denn: „Nur so besteht die Chance, später ein Stipendium für eine Uni im Ausland zu bekommen.“ Das sei der Hauptgrund gewesen, weshalb sie in ihrer Heimat, übrigens ebenfalls erfolgreich, an Wettbewerben teilgenommen habe. „Ich dachte an meine Zukunft, nicht an die Preise.“

In Moldawien gibt es für alles ständig Wettbewerbe, ich bin daran gewöhnt.

Denn Marie, lobt ihre Mutter, „ist sehr verantwortungsvoll“. Nun, in Deutschland, darf die 16-Jährige zwar darauf vertrauen, dass ihr auch ohne Auszeichnungen eine berufliche Karriere möglich sein wird. „Aber in Moldawien gibt es irgendwie für alles ständig Wettbewerbe, ich bin daran gewöhnt. Nur ist es bei uns undenkbar, dass man die Aufgaben per Post einsendet wie hier. Mathewettbewerbe finden unter strenger Aufsicht an einer Schule statt.“

Für die kreativen Eltern – der Vater ist Künstler – kam das Talent Maries zunächst ein wenig überraschend; inzwischen ist es Alltag, „obwohl meine Mutter sich immer noch total freut, wenn ich einen Preis gewinne“. Dass manche Menschen Mathe als trocken oder schwierig empfinden, kann Marie nicht nachvollziehen. „Ich finde es spannend, eigene Lösungen zu suchen, denn es gibt fast immer viele Wege, um zum Ergebnis zu gelangen.“

Zuvor drei Jahre lang Deutschunterricht

Allerdings ist sie zugleich kontaktfreudig und möchte später „nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit Menschen“ umgehen. Vielleicht sei es daher sinnvoller, Lehrerin statt Wissenschaftlerin zu werden.

Das Studium ist ja noch weit entfernt. Zunächst gilt es, ihr Deutsch zu verbessern, eine Sprache, die sie an einer moldawischen Privatschule zwar drei Jahre lang lernte, jetzt aber erst richtig übt. „Ich lese viel und versuche, die Worte, die ich nicht kenne, aus dem Kontext heraus zu verstehen.“ Vielleicht eine Folge ihres literarischen Eifers ist, dass Marie sich zumeist auf einem erstaunlich gehobenen Sprachniveau bewegt, aber hier und da über umgangssprachliche Ausdrücke stolpert. Gut vorstellbar, dass das kluge Mädchen schon in wenigen Monaten ein geschliffenes Deutsch spricht.

Tanzen ist mein Hobby, Mathe meine Leidenschaft.

Zudem möchte sie wieder tanzen. „Tanzen ist mein Hobby, Mathe meine Leidenschaft.“ Letzterer widmet sie sich auch in den Ferien: Sie weist auf die Unterlagen für den Bundeswettbewerb Mathematik. „Ich habe erst eine Aufgabe gerechnet, die anderen aber schon angeschaut. Sie sind einfach.“ Marie sagt das freundlich, als sei es nichts Besonderes. Es gibt Teenager, die spielen Handball, schwimmen oder musizieren. Marie Culava rechnet.