Jörg Frauenstein leitete die zweitägigen PFC-Fachgespräche im Bühler Friedrichsbau. Dabei wurde intensiv über die Entwicklung geeigneter Sanierungskonzepte gesprochen.
Jörg Frauenstein leitete die zweitägigen PFC-Fachgespräche im Bühler Friedrichsbau. Dabei wurde intensiv über die Entwicklung geeigneter Sanierungskonzepte gesprochen. | Foto: Klatt

Zweitägiges Fachgespräch

Mehr als 100 PFC-Experten aus ganz Deutschland suchen in Bühl nach Lösungen

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Mehr als 100 Experten haben sich bei einem zweitägigen PFC-Fachgespräch im Bühler Friedrichsbau über die Entwicklung geeigneter Sanierungskonzepte ausgetauscht. Das sei eine große Herausforderung – gerade auch für flächenhafte Belastungen wie hier in Mittelbaden, betonte Oberbürgermeister Hubert Schnurr bei der offiziellen Begrüßung.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

Die Organisation des Fachgesprächs lag in den Händen von Jörg Frauenstein vom Umweltbundesamt (UBA) und von Thomas Held und Michael Reinhard von der Arcadis Germany GmbH. Ihrer Einladung waren PFC-Experten aus dem ganzen Bundesgebiet gefolgt.

Mitarbeiter des UBA waren ebenso vor Ort wie die des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR), man traf auf Vertreter aus PFC-Gebieten in Bayern und Nordrhein-Westfalen (NRW) und sogar aus den Niederlanden. Die Behördenvertreter der Region waren selbstredend anwesend, aber auch die Vertreter der betroffenen Kieswerke, aus der Industrie oder der Bundeswehr.

Vorläufersubstanzen im Boden sind großes Problem

Alle konnten hier die Problematik real vor Ort erleben, man müsse nur zwei Kilometer weitergehen, um direkt in einem PFC-Hotspot zu stehen, so Reiner Söhlmann von der PFC-Geschäftsstelle in Rastatt. Detailliert erläuterte er die Belastungen vor Ort. Beim Blick auf den „PFC-Flickenteppich“ der mittlerweile ungefähr 780 Hektar belasteter Fläche ging ein leichtes Raunen durch den Saal.

Mehr zum Thema: Experten erzählen beim PFC-Forum vom „aktiven Weggucken“ mancher Bundesländer

Und die PFC-Vorläufer-Substanzen, die man hier in den Böden finde, erleichterten die Situation nicht gerade, betonte Söhlmann. Auch für das Vorernte-Monitoring seien diese Vorläufer eine große Unbekannte, denn der Abbau dieser großen Moleküle zu den kurzkettigen PFC seien für den Transfer Boden- Pflanze ein wesentlicher Prozess, so Jörn Breuer vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg.

Jörg Frauenstein vom Umweltbundesamt beim zweiten PFC-Workshop in Bühl.
Jörg Frauenstein vom Umweltbundesamt beim zweiten PFC-Workshop in Bühl. | Foto: Klatt

Böden sind weltweit bereits belastet

Mittlerweile ist es unter den Fachleuten unbestritten, dass man von einer globalen Hintergrundbelastung der Böden mit PFC ausgehen muss. Die Fluorchemie habe hier in den vergangenen 70 Jahren ganze Arbeit geleistet, so ein Teilnehmer. An den beiden Tagen ging es auch um die Analytik der Chemikalien, um die neu entwickelten Nachweis- Möglichkeiten des Gesamtfluorgehaltes, um Bewertung und Einstufung von PFC-Belastungen, deren Immobilisierung im Boden und um die generelle Frage der Sanierungsziel- Vorgaben.

Bislang haben sich im Wesentlichen Nordrhein- Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg mit PFC-Belastungen auseinandergesetzt; eine bundesweite Erfassung liegt noch nicht vor. Alle drei Länder haben Blutuntersuchungen durchgeführt, in NRW bereits 2006 bei Bekanntwerden der dortigen PFC-Belastung.

Drei Workshops suchen nach Lösungen

Aber erst 2017 ist die PFC-Blutbelastung dort deutlich zurück gegangen, elf Jahre nach Beginn der Messungen. In zwei Workshops diskutierten die Teilnehmer intensiv über Sanierungsoptionen bei flächendeckenden Belastungen sowie der möglichen Nachnutzung kontaminierter Flächen, ein dritter beschäftigte sich mit der Frage, wie man Produktion und Einsatz von PFC auf die wirklich notwendigen Sachen beschränken kann.

„Braucht man PFC-beschichtete Zahnseide, und wieso können Outdoorjacken nicht grundsätzlich PFC-frei sein?“ Auch sollten Verbraucher erkennen können, in welchen Produkten überhaupt PFC enthalten sind, um bewusst auswählen zu können.

Bundesweite PFC-Arbeitshilfe geplant

Die vielen Aspekte dieses Bühler PFC-Fachgesprächs, die letztendlich in eine bundesweite PFC-Arbeitshilfe mit einfließen sollen, zeigten deutlich den enormen Aufwand, den man auf ganz verschiedenen Ebenen überall betreiben muss, „um als Resultat die richtigen Weichenstellungen für pragmatische Lösungsansätze zu bekommen“, wie es Markus Benkeser, der PFC-Beauftragte der Stadt Bühl formulierte. Er hoffe auf neue Ansätze oder Regelungen zum Umgang mit problematischen Stoffen, damit Böden und Grundwasser in der Zukunft besser geschützt werden.

PFC-Arbeitshilfe
Im Auftrag des Umweltbundesamts wird aktuell eine PFC-Arbeitshilfe erstellt, mit dem Ziel, „die zuständigen Behörden bei der Auswahl, Bewertung und Entscheidungsfindung zu geeigneten und verhältnismäßigen Sanierungslösungen und Managementkonzepten zu unterstützen und relevante Rahmenbedingungen aufzuzeigen“. Dazu sollen die Ergebnisse des PFC-Fachgesprächs beitragen.