ZUR TEILNAHME AM NEUEN FÖRDERPREIS RUFEN AUF: von links Claus Preiss, Corina Bergmaier, Lea Braun, Sebastian Böckeler, Lutz Jäckel und Hubert Schnurr. | Foto: pr

Neuer Förderpreis in Bühl

Mehr Aufmerksamkeit für das Handwerk

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Mit einem „Förderpreis Junges Handwerk“ möchte die Stadt Bühl das Handwerk stärker in den Mittelpunkt rücken. Der Anstoß dazu ist aus der FDP-Fraktion des Gemeinderats gekommen. Der Preis ist mit insgesamt 6000 Euro dotiert.

Viele Bühler Handwerksbetriebe genießen einen exzellenten Ruf, und sie sind gut ausgelastet. Doch ganz unabhängig von der Branche klagen ebenso viele Betriebe über immense Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen, und gerade Ausbildungsplätze können oft nicht besetzt werden. Das wissen Oberbürgermeister Hubert Schnurr und die städtische Wirtschaftsförderin Corina Bergmaier nur zu gut: Der Fachkräftemangel ist bei jedem Bühler Betriebsbesuch ein Thema. Mit einem „Förderpreis Junges Handwerk“ möchte die Stadt nun einen Anreiz setzen und gerade junge Menschen für eine handwerkliche Ausbildung begeistern. Schnurr wertete bei einem Pressegespräch den mit insgesamt 6 000 Euro dotierten Preis als „eine gute Sache, die in der Region eine gewisse Vorbildfunktion hat“. Bereits in seiner Neujahrsansprache hatte er diese Neuerung angekündigt und darauf hingewiesen, dass trotz zahlreicher aus Bühl stammender Innungsbester das Handwerk bedauerlicherweise ein Schattendasein friste. Deshalb habe man sich entschlossen, das Handwerk stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Lutz Jäckel gab Anstoß

Der Anstoß war aus der FDP-Gemeinderatsfraktion gekommen. Deren Vorsitzender Lutz Jäckel war 35 Jahre Zulieferer für Handwerksbetriebe und hatte so „immer das Ohr am Handwerk“; auch die Fraktion sei „zum Teil im Handwerk geerdet“. In Diskussionen sei es darum gegangen, wie die Lage verbessert werden könne. „Daraus ist die Idee des Förderpreises entstanden“, berichtete Jäckel. In einer sehr positiven Zusammenarbeit hätten sich junge Leute eingebracht, und gemeinsam sei die Idee weiterentwickelt worden; auch die städtische Wirtschaftsförderung habe sich mit ihrem Engagement ein Lob verdient. „Wir haben ein maßgeschneidertes Produkt entwickelt“, sagte Corina Bergmaier, die Leiterin der Wirtschaftsförderung. Der Preis soll nicht nur junge Handwerkerinnen und Handwerker fördern und besonders begabte unter ihnen auszeichnen, sondern auch die Berufsvielfalt des Handwerks präsentieren und den Bekanntheitsgrad der Ausbildungsberufe und -betriebe erhöhen. Daneben wird auch gesellschaftliches und soziales Engagement gewürdigt. „Wir setzen damit ein Zeichen für das Handwerk“, sagte Bergmaier. „In Bühl gibt es hervorragende Ausbildungsbetriebe und Auszubildende.“ Insgesamt sind in der Handwerksrolle 363 Betriebe aus Bühl eingetragen; wie viele Arbeitnehmer im Bühler Handwerk beschäftigt sind, ist nicht genau zu beziffern, weil auch in vielen Industriebetrieben handwerkliche Berufe ausgeübt werden.

363 Handwerksbetriebe in Bühl

Über die Qualität der Bühler Betriebe war sich die Runde beim Pressegespräch ebenso einig wie über die Probleme der Branche. Claus Preiss, der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Bühl, sagte, dass kaum ein Abiturient einen Handwerksberuf erlernen wolle. Dabei gebe es hier die größten Chancen. Sebastian Böckeler von der Böckeler Confiserie- und Kaffeehausbetriebe GmbH unterstrich diese Chancenvielfalt, das Handwerk sei „mehr als Mindestlohn und Knochenjob“. Der Ruf sei vielmals schlechter als die tatsächliche Situation. Deshalb freue er sich über den Förderpreis: „Schön ist auch, dass das Preisgeld so hoch ist.“ Auch Lea Braun von der Bühler Wirtschaftsförderung freut sich, „das Projekt unterstützen zu dürfen“. Sie habe selbst kaum Bekannte im Handwerk, merke aber, wie wichtig diese Branche sei.

Präsentation mittels Film

Die ersten Reaktionen der Betriebe auf die neue Initiative seien gut, berichtete Hubert Schnurr von entsprechenden Gesprächen. Auch Joachim Wohlfeil, der Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe, habe sich den Termin der Preisverleihung bereits notiert. Dafür wurde der Neujahrsempfang ausgewählt. Dann werden die Preisträger und ihre Ausbildungsbetrieb auch mittels eines Films vorgestellt, für den sich auch die Volksbank engagiert. Die Idee dazu geht auf Sebastian Böckeler zurück und ist in einem Brainstorming mit jungen Handwerkern entstanden.

Um den „Förderpreis Junges Handwerk“ können sich Handwerkerinnen und Handwerker bewerben, die zum Zeitpunkt der Gesellen- oder Abschlussprüfung das 30. Lebensjahr nicht überschritten haben. Sie müssen in Bühl gemeldet sein oder in einem Bühler Ausbildungs-/Handwerksbetrieb tätig sein. Die Bewerbungsfrist endet am 15. November dieses Jahres. Der erste Preis ist mit 3 000 Euro dotiert, der zweite mit 2 000 Euro und der dritte mit 1 000 Euro. Die Preisträger werden beim Neujahrsempfang im Januar 2020 geehrt. Die Entscheidung über die Preisträger trifft eine Jury. Dieser gehören an: OB Hubert Schnurr, Wirtschaftsförderin Corina Bergmaier, Stadtrat Lutz Jäckel, Steffen Faller, Schulleiter der Carl-Netter-Realschule, Hans-Jörg Meier, Vorstandsmitglied der Volksbank Bühl, Sandra Krieg von der Agentur für Arbeit und Peter Minrath von der Industrie- und Handelskammer. Bewerbungen sind online ab sofort unter der Internetadresse www.buehl-wifoe.de/foerderpreis.