Völlig offen ist die Zukunft des Mutterhauses Neusatzeck, das die Dominikanerinnen an einen Projektentwickler verkaufen wollen, der dort ein Seniorenzentrum einrichten will. | Foto: Bernhard Margull

Ortschaftsrat tagt am Dienstag

Mehrheit für Seniorenzentrum in Neusatz ist fraglich

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Die Entscheidung des Ortschaftsrates Neusatz wird mit Spannung erwartet. An diesem Dienstag um 20 Uhr beschäftigt sich das Gremium in seiner Sitzung im Vereinsraum der Schlossberghalle mit dem umstrittenen Seniorenzentrum im Mutterhaus Neusatzeck (wir berichteten). Wegen der Brisanz war die ursprünglich für den 12. Februar angesetzte öffentliche Sitzung verschoben worden.

Hinter verschlossenen Türen

Das Ortsparlament beriet stattdessen hinter verschlossenen Türen über die Umnutzung des riesigen Klostergebäudes, das in drei Bauabschnitten zwischen 1928 und 1981 entstanden ist, und den ergänzenden Neubau. Bereits vor einem Jahr hat der Bühler Gemeinderat die Stadtverwaltung bei sieben Enthaltungen beauftragt, einen Vorvertrag mit den Projektentwicklern abzuschließen und ebenfalls einen Bebauungsplanentwurf für das zu überplanende Gelände beschlossen.

Seit 2010 zum Verkauf angeboten

Die Projektentwickler beschäftigen sich bereits seit September 2017 mit dem Gebäude, das vom Orden seit 2010 zum Verkauf angeboten wurde. Sie haben inzwischen viel Zeit und noch mehr Geld investiert und mussten im Sommer 2018 komplett umplanen, weil im Dachstuhl des Mutterhauses artengeschützte Fledermäuse entdeckt wurden. Jetzt soll das ursprünglich zum Abriss vorgesehene Mutterhaus erhalten und umgebaut werden, dafür wird das Ökonomiegebäude abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt.

Wünsche der Neusatzer berücksichtigt

Insgesamt haben die Projektentwickler ihre Pläne in diesem Zusammenhang um 15 Prozent Nutzfläche reduziert. Auch ansonsten wollen sie den Vorstellungen der Neusatzer entgegenkommen. Statt des ursprünglich geplanten Flachdaches sind sie bereit, auf den Neubau ein Satteldach zu setzen, obwohl sie die zusätzlichen Quadratmeter, die sich dadurch ergeben, nicht benötigen. Auch wäre ein Flachdach wegen der möglichen Begrünung nach Einschätzung der Projektentwickler ökologischer.

„Wir stehen in den Startlöchern“

Bernd Matthias, einer der beiden Projektentwickler, wirkt nach den permanenten Verzögerungen und Querschüssen genervt. „Wir stehen in den Startlöchern und können sofort unseren Bauantrag im Rathaus einreichen“, berichtet er auf Anfrage dieser Zeitung. Das Votum des Ortschaftsrates erwartet er mit Spannung. „Bereits in der nichtöffentlichen Ortschaftsratssitzung vom 19. Februar hat OB Hubert Schnurr festgestellt, dass sich die Bedenken der Ortschaftsräte weg von den städtebaulichen Aspekten und hin zu wirtschaftlichen Risiken bewegt haben“, sagt Matthias. „Auch haben sich weitere Mitglieder des Ortschaftsrates klar zum Seniorenzentrum bekannt, aber noch nicht die Mehrheit.“

Rechtsstreit und Schadensersatz drohen

Matthias weist im Vorfeld der Ortschaftsratssitzung am Dienstagabend darauf hin, dass dieses Gremium laut Gemeindeordnung nur ein Anhörungs- und kein Entscheidungsrecht habe. Das letzte Wort habe der Gemeinderat. Eine Ablehnung will Matthias nach der Zustimmung vor Jahresfrist wegen seiner beachtlichen Investitionen nicht hinnehmen. Der Stadt droht in diesem Fall ein unter Umständen teurer Rechtsstreit mit hohen Schadensersatzforderungen. Der gelernte Jurist Matthias spricht von „Treu und Glauben“.
Der Z-förmige Grundriss des Neubaus in Neusatzeck entspricht nach Darstellungen von Matthias weitgehend dem für das geplante Pflegeheim in Steinbach. Dort sei diesem Konzept von dem bekanntermaßen strengen Gestaltungsbeirat der Stadt Baden-Baden zugestimmt worden.

Schweigende Mehrheit ?

„Offensichtlich befürwortet die schweigende Mehrheit in Neusatz das Projekt“, vermutet Matthias. „Die Gegnerschaft von 20 Prozent argumentiert leider am Thema vorbei mit persönlichen Erfahrungen mit der Stadtverwaltung oder pauschal mit Betonklotz.“

Erfahrener Betreiber

Die wirtschaftlichen Bedenken gegen das Seniorenzentrum versucht Matthias zu zerstreuen. „Die Plätze werden dringend benötigt“, konstatiert er. „Wir haben einen erfahrenen Betreiber gefunden.“ Matthias will sein Büro nach der Fertigstellung von Baden-Baden nach Neusatzeck verlegen und dort die Hausverwaltung übernehmen.

Im Zusammenhang mit der Umnutzung des Mutterhauses Neusatzeck zu einem Seniorenzentrum wird alternativ ein Neubaugebiet diskutiert. Diese Variante schließt der Projektentwickler Bernd Matthias aus. „Alleine der Abriss der beiden Bestandsgebäude kostet mehr als eine halbe Million Euro“, berichtet er. „Das Baufenster ist rund 12 600 Quadratmeter groß. Ich gehe von Erschließungskosten von 120 Euro pro Quadratmeter aus. Insgesamt würde sich deshalb ein Quadratmeterpreis von 500 Euro ergeben. Das ist in dieser Lage nicht darstellbar, zumal die nur in Terrassenlage möglichen Häuser keinen schönen Talblick ermöglichen.“ Für die Wohnungen im Mutterhaus, wo betreutes Wohnen angeboten werden soll, kündigt Matthias „moderate Quadratmeterpreise“ in der Größenordnung zwischen 2 500 und 3 700 Euro an.