Mit den Folgen der Internetkriminalität ist die Bühler Polizei stark beschäftigt. In diesem Zusammenhang warnen die Beamten vor Leichtfertigkeit im Internet. | Foto: Monika Skolimowska

Bühler Kriminalstatistik 2017

Misstrauen kann sich lohnen

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Die Kriminalstatistik für 2017 weist im Bereich des Polizeireviers Bühl einen leichten Rückgang aus. Die Beamten registrierten insgesamt 2 545 Fälle gegenüber 2 680 Fällen im Jahr 2016. Entsprechend zufrieden zeigte sich Revierleiter Walter Kautz bei der Präsentation der Statistik.
Bühl, Bühlertal und Lichtenau blieben damit unter dem Mittelwert der vorangegangenen vier Jahre, Ottersweier und Rheinmünster lagen darüber (für das Baden-Badener Rebland liegt diese Zahl nicht vor). Dabei ist Rheinmünster mit statistischer Vorsicht zu betrachten: Dort wurden vor allem aufgrund des Flughafens fast 700 Fälle im Zusammenhang mit dem Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz registriert (diese sind in der Gesamtzahl des Reviers nicht ausgewiesen, nur auf der Ortsebene). Eine weitere Kennzahl zur Einordnung des Geschehens ist die Häufigkeitszahl, mit der die Zahl der Straftaten auf 100 000 Einwohner hochgerechnet wird. Im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg schneiden bei den Großen Kreisstädten nur Oberkirch und Gaggenau besser ab als Bühl; 2017 lag die Zahl bei 5456, im Vorjahr waren es noch 6 128 gewesen.

Diebstahlsdelikte an erster Stelle

Insgesamt machen Diebstahlsdelikte mit einem Drittel aller registrierten Fälle weiterhin den Hauptanteil aus, sie sind aber zurückgegangen (2017: 963, 2016: 1081). Die Vermögens- und Fälschungsdelikte sind dagegen zahlreicher geworden (528/440). Erfreulich nannte Kautz den deutlichen Rückgang bei den Körperverletzungsdelikten (185/264), nicht erfreulich den Anstieg der Gewaltkriminalität (96/84). Dass schließlich die Straßenkriminalität gesunken ist, hat laut dem Revierleiter mit der Strategie der Bühler Polizei zu tun: „Je mehr Polizeipräsenz wir haben, desto mehr gehen die Zahlen der Straßenkriminalität zurück“, sagte Kautz. „Dieser Zusammenhang ist erwiesen.“ Das Revier setze hier seine Kräfte gezielt ein.

1180 Tatverdächtige

Keine wesentlichen Verschiebungen gab es bei den Tatverdächtigen. Ihre Zahl liegt bei 1 180 (Vorjahr 1 131), von denen 248 (280) noch keine 21 Jahre alt waren. Ein „spezieller Kunde“ des Reviers hatte bereits 80 Straftaten verübt, ehe er 14 Jahre alt und damit bedingt strafmündig wurde. Der Anteil der nichtdeutschen Straftäter ist von 547 auf 478 zurückgegangen (nicht eingerechnet sind 1 120 Tatverdächtige mit ausländerrechtlichen Verstößen).
Nahezu gleich geblieben ist die Zahl der begonnenen Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (68/66). In der Rheinebene wurden per Polizeihubschrauberstaffel fünf Cannabisplantagen ermittelt. „Ein solcher Anbau in der Nähe des Standorts eines Polizeihubschraubers ist nicht besonders clever“, merkte Pressesprecher Patrick Bergmann vom Polizeipräsidium Offenburg an. Auch bei der häuslichen Gewalt sind die Zahlen konstant (54/52), in fünf Fällen wurde ein Platzverweisverfahren eingeleitet.

Leichtfertigkeit im Netz

Auch wenn die Zahlen bei der Internetkriminalität zuletzt von 190 auf 172 zurückgegangen sind, ist dieser Deliktbereich nach wie vor ein besonders intensives Arbeitsfeld für das Revier. Längst nicht alle hier bearbeiteten Fälle landen in der Statistik: Meldet sich ein Opfer auf dem Revier, beginnen Ermittlungen; ist ein Täter gefunden, der andernorts wohnt, wird der Fall an die dortige Behörde übergeben, und dort landet er auch in der Statistik. Die Polizei appelliert in diesem Zusammenhang ein weiteres Mal an die Internetnutzer, ein gesundes Misstrauen an den Tag zu legen. Der unverändert verbreitete leichtfertige Umgang mit Passwörtern erleichtere Betrügern ihr Geschäft, und auch die „Schnäppchenmentalität“ verführe zu fatalen Klicks. Das Bühler Revier setzt aber weiter auf Prävention und hat im vergangenen Jahr die entsprechenden Veranstaltungen in diesem Bereich verdoppelt (von sieben auf 15).

Gewalt gegen Polizeibeamte

Nicht verschont geblieben ist das Revier vom Thema Gewalt gegen Polizeibeamte: 2017 gab es im Revierbereich zehn Fälle, einen weniger als im Vorjahr. Im Vergleich mit anderen Revieren kommt Bühl damit „glimpflich davon“, präsidiumsweit waren es 254 Fälle (287), im Landkreis Rastatt 62.

 

Unterschiedliche Entwicklungen weist die Kriminalstatistik für die einzelnen Gemeinden im Bereich des Polizeireviers Bühl aus. Während Walter Kautz für Bühlertal „keine Auffälligkeiten“ zu vermelden hatte, sind die Fallzahlen in Ottersweier um rund ein Fünftel auf 178 gestiegen. Dabei ging es vor allem um Körperverletzungen, Gewaltdelikte, Diebstahl, Betrug und Sachbeschädigung.

Einbruchserie auf der Rheinschiene

Auf der Rheinschiene machte besonders eine Einbruchserie im letzten Vierteljahr zu schaffen. Das habe zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung geführt. Die Polizei habe mit einer verstärkten Präsenz und Präventionsarbeit reagiert, so Kautz. Nachdem im Ortenaukreis eine Tätergruppe festgenommen werden konnte, der auch Einbrüche in Moos und Greffern nachzuweisen waren, habe sich die Situation beruhigt. Während in Lichtenau ansonsten keine Besonderheiten zu vermelden waren, musste in Rheinmünster ein Anstieg der Fallzahlen registriert werden, von Körperverletzung über Betrug bis zur Sachbeschädigung. Dagegen waren der einfache Diebstahl und Fahrzeugaufbrüche rückläufig.

Deutlich weniger Raddiebstähle

Die Bühler Statistik, die einen laut Kautz „erfreulichen Rückgang der Gesamtzahl der Fälle“ ausweist, zeigt drei besondere Merkmale: So hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche mehr als halbiert (von 56 auf 23). Auch die Fahrraddiebstähle sind um die Hälfte zurückgegangen. 2016 war dieses Delikt ein enormes Problem gewesen. Die Polizei wertete Tatzeiten und Örtlichkeiten aus, wobei sich als Schwerpunkt der Bahnhofsbereich herauskristallisierte. Das Revier verstärkte dort die Kontrollen, ebenso wurde gerade in der Mittagszeit sowie zwischen 15 und 18 Uhr observiert. Diese Maßnahmen hätten ein „Stück weit gefruchtet“, sagte Kautz. Aufzuklären waren die Fahrraddiebstähle nur selten, die meisten Fahrräder waren nicht mehr aufzufinden, was auch die Spekulation gewerbsmäßig agierender Banden nährt. Der dritte Bühler Schwerpunkt schließlich: Diebstähle aus Fahrzeugen haben gerade im letzten Quartal 2017 erheblich zugenommen. Insgesamt wurden 73 Fälle registriert, fast die Hälfte ereignete sich gegen Jahresende; 2016 waren es insgesamt 44 gewesen. In den meisten Fällen seien die Fahrzeuge nicht abgeschlossen gewesen, so Kautz. Die Diebe hätten gezielt ausgespäht, ob jemand eine rasche Besorgung mache; meist sei dies zwischen 11 und 14 Uhr in der Innenstadt geschehen. Die Serie endete schlagartig nach einer Festnahme in Achern.
Rückgänge bei den Fallzahlen gab es in Bühl bei Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und der Straßenkriminalität. Höhere Zahlen waren dagegen beim einfachen Diebstahl und beim Erschleichen von Leistungen zu verzeichnen.