Dorothea Ziegler aus Moos fährt zur WM nach Athen | Foto: jös

Dorothea Ziegler bei K-1-WM

Mit Köpfchen und Kampfkraft

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Bühl-Moos. Vielleicht hat der beschauliche Bühler Stadtteil Moos bald die nächste Weltmeisterin. Sogar von der sportlichen Grundausrichtung würde es passen, denn auf Karateka Britt Weingand, seit einigen Jahren verheiratete Großmann, könnte nun die K-1-Kämpferin Dorothea Ziegler folgen. Die 17-Jährige fliegt an diesem Donnerstag nach Athen und will dort nach den Sternen greifen, will heißen, in ihrer Klasse -55 Kilogramm den Weltmeistertitel holen. Eigentlich sind es ja zwei Goldmedaillen, die die Mooserin aus Griechenland mitbringen kann – eine im K 1 (Vollkontakt) und eine im Kick Light.

Talent mit Disziplin und Trainingsfleiß

In ihrer sportlichen Heimat, dem Kampfsportzentrum Offenburg sind die Verantwortlichen durchaus der Ansicht, dass es Dorothea schaffen kann. Gerade Trainer Henri Charlet traut der Abiturientin am Bühler Technischen Gymnasium Einiges zu. Dorothea sei ein Talent, das sich durch Disziplin und Trainingsfleiß auszeichne, sagt der Coach.

Mir hat der Ausgleich gefehlt

Die 17-Jährige gehört nicht zu denen, die ihren Sport von Kindesbeinen an machen, vor etwa dreieinhalb Jahren fing die Schülerin an. „Mit hat der Ausgleich gefehlt“, berichtet sie. Ursprünglich wollte sie Boxen, recherchierte dann im Internet nach passenden Trainingsmöglichkeiten, stieß so auf das Kickboxen und auf das Kampfsportzentrum von Henri Charlet, das neben Offenburg und Weitenung noch einige andere Standorte in Mittelbaden hat.

Recht früh zum ersten Wettkampf

Und da halbe Sachen nichts für Dorothea sind, wurde alsbald der Chefcoach auf den „Neuzugang“ aufmerksam. „Trainer Charlet hat mich nach einem halben Jahr angesprochen, ob ich nicht bei einem Wettkampf starten will“, so die junge Frau. Gesagt, getan. In Sinsheim hatte sie ihre Premiere bei einem Anfängerturnier. „Es ging vor allem darum, Erfahrung zu sammeln.“ Danach ging es buchstäblich Schlag auf Schlag, bis hin zum jüngsten Coup – dem Titel bei den deutschen Meisterschaften im K 1 in der Klasse -55 Kilogramm.

Hartes Training gehört für Dorothea Ziegler zum Alltag.

Bei K 1 handelt sich nicht um eine Kampfkunst an sich, nicht um eine Stilrichtung, vielmehr ist es eine Wettkampfart, bei der die Kämpferinnen und Kämpfer aus verschiedenen Kampfsportarten auf Basis eines gemeinsamen Regelwerks gegeneinander antreten und dabei ein breites Repertoire an Techniken – ob nun aus Karate, Muay Thai, Boxen oder Kickboxen benutzen.

Hartes Training für das Ziel „WM in Athen“

Nicht zulässig sind Ellbogeneinsatz wie im Muay Thai oder Würfe wie im Judo. Kollektives Schmusen haben geht definitiv anders. Dorothea kann damit umgehen, sie weiß, dass es sich um einen Vollkontaktsport handelt. Training, Training, Training – Technik, Technik, Technik: Es sind die Grundfaktoren, um im Ring zu bestehen. Seit den Sommerferien rackert sich die Mooserin oft zwei Mal täglich für ihr großes Ziel Athen. Ihre Kondition ist ein weiterer, wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Im Elternhaus warten zwei Huskies, die nur zu gern mal eine Runde drehen. Da fällt das Laufen umso leichter.

Die Schmerzen spürst Du erst nach dem Kampf

Mentale Fitness stellt eine weitere Grundvoraussetzung dar. Solchermaßen gerüstet lässt sich ein Kampf schon halbwegs bestreiten. Bleiben die Nehmerqualitäten, wenn der Gegner einen Schlag oder Tritt durchbringt. „Im Kampf spürst Du das nicht so sehr, da stehst Du unter Adrenalin“, so die 17-Jährige, „das merkst Du dann hinterher, wenn Du die blauen Flecken siehst.“ Aber dazu trainiert ein Kampfsportler dann auch seine Muskeln, um mit Körperspannung der Wucht eines Schlages oder Trittes standzuhalten.

Christine Theiss zählt zu den Vorbildern

Schlank ist sie, die junge Frau, die bald ihr Abitur am TG macht, filigran. Man kann sich gut mit ihr unterhalten, über Musik zum Beispiel. Da hört sie am liebsten Rock und Metal. Oder über ihre blauen Haare, die hat sie sich vor rund einem Jahr so gefärbt, es hat ihr gefallen und sie ist dabei geblieben. Blau ist ihre Lieblingsfarbe. Oder über ihre Vorbilder wie Kickbox-Ikone Christine Theiss, die mit Köpfchen und Kampfkraft ihren Weg machte, über die französische Boxerin Marina Sakharov, die sie wegen ihrer sauberen Technik und ihres Punches bewundert.

Ausbildung zur Elektrikerin geplant

Eine Ausbildung zu Elektrikerin will sie gern beginnen, wenn sie die Matura in der Tasche hat. Sie ist ein Familienmensch, hat einen älteren Bruder, dem – das erzählt sie schmunzelnd – die „kleine Schwester“ nicht peinlich ist, und das liegt wohl nicht allein daran, dass Dorothea im Zweifelsfall „schlagkräftige Argumente“ hätte.

Ich bin ein Familienmensch

Überhaupt zählt für sie die Familie, die Eltern waren anfänglich etwas skeptisch angesichts der angestrebten sportlichen Karriere von Dorothea, unterstützen sie aber längst nach Kräften. Nun also Athen. Die Nominierung für eine WM erfolgt über eine Rangliste, für die es bei Wettkämpfen Punkte zu sammeln gilt. „Die ersten Drei der Liste sind dabei“, so Dorothea Ziegler. Zwar lässt sich das Ranking im Internet abrufen, doch als dann der offizielle Brief zur Nominierung kam, schlug Dorotheas Herz schon einen Ticken schneller. „Ich habe mich schon gefreut, und es ist was, das Dich im Training enorm motiviert.“ Zum Beispiel, wenn der Coach seinen Schützling zum x-ten Mal die Treppe im Kampfsportzentrum hinauf sprinten lässt.

Trainer ist enorm wichtig

Der Trainer! Er ist enorm wichtig, in der Vorbereitung wie im Kampf. Der Coach an der Ringecke bei letzterem einen deutlich besseren Überblick, sieht, wo der Gegner zum Beispiel aufmacht, gibt die entsprechenden taktischen Anweisungen. „Wenn Du einen guten Trainer hast und das umsetzt, was er in den Ring ruft, hilft Dir das unheimlich weiter“, so die 17-Jährige.

Kämpfe in K 1 und Kick Light

Am Anfang haben die Gegnerinnen Dorothea Ziegler unterschätzt, ein großer Fehler. Inzwischen tut das niemand mehr. Am Donnerstag geht es los, mit dem Flieger bis Athen. Samstag bis Montag stehen die Wettkämpfe in K 1 und Kick Light (hier gibt es nur Technikpunkte) auf dem Plan.

Mal schauen, wie es nach der WM weiter geht!

Mit Dorothea Ziegler vertritt auch Maxie Schilling die heimische Kampfsportzunft. Maxie kämpft am Dienstag, am Donnerstag geht es zurück nach Baden. Und dann? „Mal schauen“, sagt Dorothea. Trainer Henri Charlet hat da, wie sollte es anders sein, schon eine Idee. Er organisiert gerade eine Profigala in Baden-Baden, mit Dorothea im Hauptkampf.