Headliner des ersten Tages: Dr. Will & The Wizards | Foto: Pascal Lienhard

Erstes Bluesfestival in Bühl

Mittsommernachtstraum in Sachen Blues

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Von Pascal Lienhard

Affen, Hüte und ein Gespenst – gleich zur Premiere des Bühler Bluesfestivals bot der Verein Kleinkunst im Schüttekeller ein pralles Paket. Ulrike Geissler-Schmidbauer und Rüdiger Schmitt hatten für den „Blues bei die Affen“ bei den Affentaler Winzern Künstler verpflichtet, die unterhaltsame Anekdoten, schräge Einfälle und vor allem: jede Menge gute Musik mitbrachten. Das Ergebnis: ein Mittsommernachtstraum in Sachen Blues.

Die Kettensäge und der Blues

Bei bestem Wetter startet der Solomusiker Biber Herrmann mit seiner Mischung aus Blues und Folk, aus Covers, gerne von Muddy Waters, und eigenen Werken, die auch schon mal von einer Kettensäge inspiriert sind. „Der Biber bei den Affen“, grinst Herrmann. Passt doch eigentlich ganz gut. Und nicht nur das. Der Künstler ist seines Zeichens gelernter Winzer. Kann das Festival passender starten? Wohl kaum. Zwischen den Songs erzählt Herrmann Hintergründe zu den Songs, gibt Anekdoten über seinen 2013 verstorbenen Freund Fritz Rau zum Besten oder zeigt, wie er alleine eine Sechs-Mann-Combo mimen kann. Herrmann wechselt zwischen mehreren Gitarren. Ein ganz besonderes Stück: Eine Gitarre, deren Grundgerüst von 1925 stammt. Später wurde sie noch um einen Resonator erweitert.  Sein Gesang erinnert gerade in den ruhigeren Momenten  an die Solo-Werke von Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards, so etwa beim finalen „Leaving Town Blues“.

Biber Herrmann bei „Blues bei die Affen. Foto: Pascal Lienhard

Von John Lee Hooker zum Reggae

Die Stadt zu verlassen braucht aber erstmal keiner, schließlich geht es direkt weiter. Nick Woodland und seine dreiköpfige Band sind musikalisch breit aufgestellt. Mal zelebrieren sie einen an John Lee Hooker erinnernden Blues, dann gibt’s wieder Rock´n´Roll oder einen entspannten amerikanischen Sound im Stile von Tom Petty. Sogar Reggae-Anleihen werden an den Mann und die Frau – oder an die Affen? – gebracht. In Affental hat der britische Wahl-Münchner einen ganz besonderen Grund sich zu freuen. Dass England gerade gegen Schweden gewonnen hat, kann er nicht oft genug betonen. Mit seinem ganz eigenen Auftreten, den trockenen Sprüchen und dem tiefsitzenden Zylinder, unter dem die langen Haare herausschauen, wirkt Woodland wie aus einer anderen Zeit. Aber aus einer Zeit mit einer vortrefflichen Musik.

 

Nick Woodland zelebriert die Vielfalt des Blues. Foto: Pascal Lienhard

Der Doktor rockt

Wenn Nick Woodland aus einer anderen Zeit kommt, dann sind „Dr. Will & The Wizards“ aus einer anderen Welt angereist. Die Gruppe betritt eine Bühne, die mit einem Totenkopf, einer Skeletthand und einem Gespenst verziert ist. Die vier Musiker tragen ein auffälliges  Outfit. Vor allem Bandleader Dr. Will präsentiert mit seiner gewöhnungsbedürftigen Kopfbedeckung seine ganz eigene Mode. Die Münchner Version von Sgt. Peppers Band?  Die Gruppe heizt jedenfalls mit rockigem Blues ein. Eine Gitarre hat die Formation am Tag des Konzerts eben selbst gebaut. Eine Zigarrenkisten-Gitarre sollte es werden. Aus Ermangelung eines Zigarrenladens hat man sich kurzerhand mit einer Müsli-Dose begnügt. Oder wie der Herr Doktor das fertige Produkt nennt: Eine „Frühstücks-Cerealien-Dosen-Gitarre“. Geht nicht grade einfach von der Zunge, dafür aber in jederlei Hinsicht gut ins Ohr. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Blues-Arzt.

„It´s time to Boogie“, kündigt Dr. Will gegen Ende an. Und das mit einem Banjo! Warum auch nicht, auch das haben die Zauberer dabei und nutzen es immer wieder. Passt auch ganz gut. Nach der Zugabe hat es sich dann aber ausgezaubert. Ein musikalisch vielseitiger und gelungener Start in das Festival.