Der Kirchplatz vom Rathausturm aus betrachtet: Mit der künftigen Gestaltung hat sich jetzt der Gemeinderat befasst und eine moderate Möblierung befürwortet. | Foto: Bernhard Margull

Markt- und Kirchplatz in Bühl

Moderate Möblierung

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Die Pläne zur Möblierung des Bühler Markt- und Kirchplatzes sind im Gemeinderat auf Zustimmung gestoßen. Einhellig billigten die Bürgervertreter das Konzept, auch wenn sie im Detail Bedenken anmeldeten. Dies betrifft vor allem die Frage, wie das wilde Parken rund um Kirche und Rathaus künftig verhindert werden soll (siehe auch „Zwischen ’Entsetzen’ und ’unabdingbar’“).

„Weniger ist mehr“

Barbara Thévenot, im Rathaus Abteilungsleiterin Stadtentwicklung, präsentierte dem Gremium die Grundzüge der geplanten Möblierung für die beiden Plätze. Sie skizzierte das bisherige Vorgehen und die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung im Februar (der ABB berichtete). Dabei waren mehrere Arbeitsgruppen eingerichtet worden, denen im Ergebnis verschiedene Punkte wichtig waren: Sonnenliegen an der Treppenanlage zur Bühlot, Bänke und Sitzgruppen im Bereich Narrenbrunnen, unter den Bäumen zwischen den beiden Rathäusern und vereinzelt zwischen Kirche und Bühlot, die Abgrenzung zwischen Platz und Straße sowie Fahrradbügel entlang der Eisenbahnstraße und im Bereich Kiosk. Die Verwaltung habe die Vorschläge aufgegriffen, wolle aber, wie es auch bei der Bürgerbeteiligung angeklungen war, mit der Möblierung eher sparsam umgehen, wie Thévenot sagte. Die auszuarbeitende Planung sollte unter dem Motto „Weniger ist mehr“ stehen. Die größte Herausforderung sei dabei das Ziel gewesen, Markt- und Kirchplatz nicht wieder zum Parkplatz verkommen zu lassen.

Pollerreihe vorgesehen

Die vorgestellten Pläne sehen für den Bereich Marktplatz entlang der Hauptstraße bis in die Eisenbahnstraße eine Pollerreihe vor, im gleichen Material und Farbton wie die Platzoberfläche. Die Poller könnten bei einem Durchmesser von 45 Zentimetern 60 Zentimeter hoch sein, der Abstand zwischen zwei Pollern beträgt 1,55 Meter. Im Bereich des Rathauses II solle ein demontierbarer Poller installiert werden, um einen reibungslosen Marktablauf zu gewährleisten.

Liegen auf den Bühlottreppen

Auf dem Marktplatz sollen unter den vorhandenen vier Kastanienbäumen zwei Rundbänke angebracht werden, was den Wurzelbereich auch am „normalen“ Markttag schützen könne. Entlang der Bühlot sollen die Bühnenzone mit Liegen auf den Bühlottreppen und eine Rundbank unter dem Baum die Aufenthaltsqualität bereichern. Fahrradabstellanlagen sind in diesem Teilbereich entlang der Bühlotbrücke an der Hauptstraße unter den Platanen als überdachte Anlage vorgesehen. Am Haupteingang der Rathäuser können Fahrradbügel dazukommen, ähnlich denen in der Schulze-Delitzsch-Straße. Der Kirchplatz selbst bleibt vor dem Haupteingang des Rathauses I möblierungsfrei. Um den Narrenbrunnen werden Sitzelemente gruppiert, bestehend aus den in der Herbert-Odenheimer-Straße abgebauten Steinquadern, versehen mit einer Holzsitzauflage. Nicht aufgenommen wurde die Anregung aus der Bürgerbeteiligung, auf dem Platz vier Figuren aufzustellen.

Nach dem Umbau des Markt- und Kirchplatzes kehrt der Wochenmarkt zurück zu Rathaus und Kirche. Das bekräftigte Oberbürgermeister Hubert Schnurr im Gemeinderat. Auf die Frage von Karl Ehinger (FW) nach den Erfahrungen mit dem Provisorium auf dem Europaplatz und der Möglichkeit, den Markt dort zu belassen, sagte Schnurr: „Die Erfahrungen sind unterschiedlich. Aber es war von Anfang klar, dass der Markt nach dem Umbau von Markt- und Kirchplatz an seinen angestammten Platz zurückkehrt. Die benachbarten Geschäfte vermissen ihn übrigens.“

 

Lob für ein insgesamt gelungenes Konzept, Verbesserungsvorschläge im Detail und unterschiedliche Ansichten über den Weg zum gemeinsamen Ziel, den Markt- und Kirchplatz künftig weitestgehend autofrei zu halten: Das waren die Kernpunkte der Diskussion im Gemeinderat.

Viel Lob im Gemeinderat

Was Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtentwicklung, zur Möblierung vorgestellt hatte, fand Anklang: „Das gefällt mir sehr gut“, sagte Karl Ehinger (FW). „Die Stadtmitte gewinnt enorm, die Leute werden sich dort gern aufhalten.“ Er sprach von einem „sehr überzeugenden Konzept“. Thomas Wäldele (GAL) zeigte sich überzeugt: „Das wird ein Schmuckstück.“ Auch Pit Hirn (SPD) und Lutz Jäckel (FDP) lobten das „gelungene Konzept“, von einer Planung, die ihm sehr gut gefalle, sprach Bernd Broß (CDU).
Das Lob bedeutete indes nicht den Verzicht auf Kritik und Anregungen im Detail. So regte Lutz Jäckel an, bei den Sitzbänken heimische Hölzer zu verwenden, und überdacht werden müsse, ob wie geplant Abfallkörbe des bisherigen Typs aufgestellt werden sollen. „Die sind nach kurzer Zeit verdallert“, befand Jäckel. „Das sieht dann nicht schön aus.“ Barbara Becker (SPD) und Bernd Broß schlossen sich dieser Meinung an: „Die bisherigen Papierkörbe haben sich nicht bewährt. Wir sollten über andere nachdenken“, sagte Broß. Eine Ladestation für E-Bikes regte Johannes van Daalen (CDU) an.

Auf dem Marktplatz fehlt nur noch die Möblierung. | Foto: Margull

Uneinigkeit bei Pollern

Weniger Übereinstimmung herrschte in der Frage, wie der Platz von wild geparkten Autos frei gehalten werden soll. Mehrere Stadträte sprachen sich gegen Poller aus. Bernd Broß fürchtete einen „Festungscharakter“, Verstöße ließen sich seiner Meinung nach verhindern, indem konsequent Strafzettel verteilt würden und im Extremfall auch mal abgeschleppt werde. „Entsetzt“ über mögliche Poller zeigte sich Peter Teichmann (GAL): „Das hört sich schrecklich an.“
Dagegen hielten Pit Hirn und Thomas Wäldele die Poller für unabdingbar. Außer im Notfall und für die Marktbeschickung wolle er auf dem Platz künftig keine parkenden Autos mehr sehen, sagte Hirn. Kompromisse dürfe es in dieser Frage nicht geben. Wäldele erinnerte daran, dass „zu guten Zeiten 40 Autos auf dem Platz standen“. Um so etwas zu verhindern, müsse gegebenenfalls die Pollerreihe in den Ulrika-Nisch-Weg verlängert werden und der städtische Vollzugsdienst sonntags eine Überstunde machen. „Ohne Poller sind da gleich 20 Autos drauf“, prophezeite Jörg Woytal (FW).
Margret Burget-Behm (CDU) verwies auf gehbehinderte Kirchgänger („Wo sollen die parken?“) und hielt lediglich einen absenkbaren Poller für nicht ausreichend. Die Frage von Behindertenparkplätzen überzeugte ihre Kollegen nicht. Es sei verwunderlich, wie viele gehbehinderte Kirchgänger es sonntags gebe, meinten Wäldele und Woytal.

Entscheidende Marktfrage

Die Marktfrage ist dagegen für etliche Räte entscheidend. „Das Be- und Entschicken des Markts muss in geordneten Bahnen verlaufen“, forderte Ludwig Löschner (GAL). Mit nur einem versenkbaren Poller führe der Weg ins Chaos. Auch Bernd Broß fürchtet hier Engpässe. Mit den Marktbeschickern werde noch gesprochen, die „finalen Gespräche“ stünden noch aus, sagte Barbara Thévenot.
Manche Alternativvorschläge wurden unterbreitet, nicht immer ernsthaft unterfüttert, von der „Nagelleiste“ (Lutz Jäckel) über „Bächle wie am Johannesplatz“ (Peter Teichmann) bis zu Sitzbänken entlang der Straße, wie es Ulrich Nagel (SPD): „Mit der Ordnungsmacht ist dem wilden Parken nicht beizukommen.“ Patric Kohler (CDU) schließlich empfahl auch mit Blick auf Sicherheitsfragen bei größeren Veranstaltungen: „Wir sollten uns an solche Poller gewöhnen, auch wenn es nicht schön aussieht.“