Wahrzeichen von Rheinmünster: Die ehemalige Benediktiner-Abteikirche in Schwarzach ist ein Werk der Spätromanik. | Foto: Ulrich Coenen

Münster Schwarzach

Mit der Kamera auf Tschiras Spuren

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In den 1960er Jahren war Filmen ein teures und deshalb seltenes Hobby. Vor allem für einen jungen Wehrpflichtigen mit lediglich 60 Mark Sold erschien es geradezu unerschwinglich. Doch Franz Friedmann war ein echter Enthusiast, der sich trotz allem eine Super-8-Kamera leistete und viel von seinem knappen Geld für Hunderte Meter Schmalfilm ausgab. Das damals hochmoderne System war erst 1965 von Kodak eingeführt worden.

Wichtiges Dokument der Denkmalpflege

Einer der ersten Filme des heute 69-jährigen Schwarzachers war die Sanierung der ehemaligen romanischen Abteikirche seines Heimatdorfes. Die Anregung kam von Pfarrer Heinrich Herp. Die Restaurierungsarbeiten, denen Ausgrabungen und Bauforschung vorangingen, standen damals unter der Leitung von Arnold Tschira, Professor für Baugeschichte an der Technischen Universität Karlsruhe (heute KIT). Sie erregten damals viel Aufsehen und sind heute umstritten, weil der Architekturhistoriker den im Barock umgestalteten Sakralbau in seinen Ursprungszeit der Zeit um 1200 zurückversetzte. Unabhängig davon ist Schwarzach ein wichtiges Dokument der Denkmalpflege in der Nachkriegszeit.

Kapitelle im Mittelschiff | Foto: Ulrich Coenen

Im vergangenen Jahr hat das Kreisarchiv Rastatt ein Buch mit Aufsätzen von mehr als einem Dutzend Wissenschaftlern über das heutige Münster herausgegeben, in den nächsten Monaten wird das Fachgebiet Baugeschichte des KIT ein Buch über den Bauforscher Arnold Tschira publizieren. Dieser Lehrstuhl, den Tschira früher innehatte, wird heute von Johann Josef Böker geleitet. Diese Tatsachen unterstreichen die Bedeutung von Friedmanns Filmdokumenten, die jahrzehntelang in dessen Privatarchiv schlummerten. „Ich habe sie vor zehn Jahren der Rheinmünsteraner Gemeindeverwaltung angeboten, aber niemand hatte Interesse“, sagt er.

Teures Filmmaterial

Das BNN-Filmprojekt „Zurückgespult“ änderte das. Friedmann reagierte sofort. Der Film zeigt die Sanierungsarbeiten ab 1967 und die Eröffnungsfeier am 29. Juni 1969. „Leider habe ich die Ausgrabung versäumt, weil mich Pfarrer Herbst erst nach deren Abschluss hinzugezogen hat“, berichtet Friedmann. Die Ausgrabungen liefen unter Tschiras Leitung in den Jahren 1964 bis 1966. Die anschließende Sanierung hat Friedmann dokumentiert. „Es sind aber immer nur relativ kurze Einstellungen, weil das Filmmaterial teuer war. Ich habe gefilmt, wie die barocken Außenwände der Seitenschiffe abgetragen und die neuen Außenwände in romanischen Formen errichtet werden.“

Urlaub von der Bundeswehr

Für den großen Tag der Eröffnungsfeier am 29. Juni 1969 wurde Friedmann von der Bundeswehr beurlaubt. Mit dem Freistellungsbefehl reiste er in sein Heimatdorf. „Tschira war kurz zuvor gestorben“, erinnert er sich. „Aber seine Witwe war unter den Ehrengästen“. Dieses Mal scheute Friedmann keine Kosten. Zehn Minuten lang ist sein Beitrag über die Feier mit zahlreichen Ehrengäste, darunter Erzbischof Hermann Schäufele. „Weil ich am Ende noch einige Meter Film übrig hatte, habe ich den wunderschönen romanischen Innenraum gefilmt“, sagt Friedmann.

Das Mittelschiff des Schwarzacher Münsters | Foto: Ulrich Coenen

In den folgenden Jahren hat er viele öffentlichen Anlässe mit seiner Schmalfilmkamera dokumentiert. Inzwischen ist er auf Digitaltechnik umgestiegen, dreht aber nur noch im Familienkreis. Ein wenig wehmütig blickt er zurück: „Es war eine schöne Zeit.

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Badische Neueste Nachrichten
Aktion: Zurückgespult
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