Alex Bäuerle (links) und Levente Gargya sind an der Altenpflegeschule Sancta Maria in Bühl im dritten Ausbildungsjahr – und Hobbyrapper. | Foto: Katrin König

Rapper-Duo aus Bühl

Musikalisches Plädoyer für die Pflege

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Mit einem „Pflege-Rap“ ziehen zwei angehende Altenpfleger aus Bühl vielfältige Aufmerksamkeit auf sich. „Die Pflege steht auf“ singen die beiden Rapper.

Von Katrin König

Alex Bäuerle (21) und Levente Gargya (29) sind zwei coole Typen mit einem offenen Lächeln. Dass sie in ihrer Freizeit als A-Lex und G-Lew rappen? Bestens vorstellbar. Dass sie im dritten Jahr der Ausbildung zum Altenpfleger sind? Überrascht dann schon. Was wiederum zeigt, dass gerade dieses Berufsfeld noch immer mit Klischees behaftet ist. Genau da setzt der Rap „Die Pflege steht auf“ an, den die beiden schrieben; dazu drehten sie einen Videoclip am Schwarzwaldwohnstift in Bühl. Rap, sagt Gargya, sei ihre Sprache, sei die Sprache der Jugend. „Vielleicht können wir mit dem Video, das auf Youtube zu sehen ist, einige junge Menschen für unseren Beruf begeistern. Bisher war die Resonanz jedenfalls superpositiv.“

Idee stammt aus der Schule

Die Idee zu dem Rap stammt von Marième Feßler, die an der Altenpflegeschule Sancta Maria in Bühl unterrichtet. „Alex und Levente sind Schüler von mir, und ich wusste, dass sie rappen“, erzählt sie. „Da Anfang April die Ausbildungsmesse an der CNR bevorstand und ich aus Erfahrung weiß, dass Altenpflege dort eher nicht so viel Aufmerksamkeit erhält, dachte ich: Warum sollten sie nicht einen Rap zu unserem Beruf präsentieren?“ Gesagt, getan. Mit der „Deadline“ vor Augen stand der Text relativ bald. Der Auftritt schlug Wellen: Vor allem Mitschüler wünschten sich ein Video, um den Rap teilen zu können. „Glücklicherweise habe ich einen Freund, Chris Wolter, der das recht professionell macht, er hat auch das nötige Equipment“, so Bäuerle. „Ihn bat ich um Hilfe.“

Zahlreiche Einladungen

Inzwischen erhielten die Rapper Einladungen zu einer weiteren Ausbildungsmesse in Offenburg und zu einer DRK-Veranstaltung in Lichtenau. Helena Dyck, „Botschafterin für die Pflege 2019“, sah den Clip ebenfalls und bat die Musiker zu einem Event in ihre Heimatstadt Ulm; Altenpfleger und Social-Media-Star Sandro Pé teilte es auf Facebook und sagte seine Unterstützung zu. Es ist daher gut möglich, dass weitere Raps zum Thema folgen, wie Gargya auf Nachfrage bestätigt. Gerade für ihn gilt übrigens: Diese Musik ist seine Welt. „Schon in meiner Heimat Ungarn habe ich sehr viel gerappt.“ Nach Deutschland kam der junge Lehrer, weil er in Ungarn zu wenig Perspektiven sah: „Ich stieß zufällig auf eine Anzeige, dass die Villa Antika Achern Ausbildungskräfte suchte, und beschloss, diesen Weg zu gehen.“ Er spricht nun schon fließend Deutsch – und schwärmt für seine Arbeit. „Pflege bedeutet bei Weitem nicht nur ‚Alte-Menschen-waschen‘, der Job ist wirklich erfüllend; man muss ihn aber mit Herz machen.“ Der Neusatzer Bäuerle wiederum hatte zunächst eine Ausbildung zum Maler begonnen, wechselte aber bald in die Altenpflege: „Das Soziale daran gefällt mir.“

„Pflege ist Stolz“

Wie überzeugt die jungen Männer von ihrer Profession sind, spiegelt natürlich auch der Text des „Pflegerap“: „Pflege ist Stolz, Pflege ist Mut, Pflege ist hart, Pflege tut gut“, heißt es darin etwa, oder auch: „Sei du selbst, sei die Veränderung!“ In den Videosequenzen zeigen sie neben Rap-Szenen auf dem Dach des Schwarzwaldwohnstifts, Bühler Kernstadt im Hintergrund, auch Ausschnitte aus ihrem Alltag, sprich den Umgang mit den Heimbewohnern. Kurios: Den vermeintlichen Widerspruch zwischen „Männlichkeit“ auf der einen, Fürsorge und Zärtlichkeit auf der anderen Seite lösen sie komplett auf – indem sie beides verkörpern, völlig unbedarft und angstfrei. Da stehen die beiden sympathischen Jungs also und grinsen. Irgendwie mutig – und stolz.