Kinder-Schwimmkurs
Ein Kind nimmt an einem Schwimmkurs teil. | Foto: Rolf Vennenbernd/Archivbild

Bad an der Kapazitätsgrenze

Nachfrage nach Schwimmkursen in Bühl reißt nicht ab

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Die Nachfrage nach Schwimmkursen ist hoch. Immer mehr Grundschüler können nicht oder nicht richtig schwimmen. Constanze Velimvassakis, Schulleiterin in Bühl, schätzt, dass etwa die Hälfte der Zweitklässler zu Schuljahresbeginn keine sicheren Schwimmer sind. Doch was sind die Gründe dafür und wie kann man dem entgegensteuern?

Christian Hensel vom TV Bühl beobachtet seit Jahren, dass die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern nachlässt. Dies wirke sich auch auf die Schwimmfähigkeit aus. „Früher konnten viele Kinder nach zehn Kurseinheiten schwimmen“, so der Schwimmtrainer. „Heute brauchen viele Kinder anschließend noch einen Aufbaukurs.“

Nichtschwimmer-Eltern, Nichtschwimmer-Kinder

Diese Negativspirale setze sich weiter fort; Eltern, die selbst nicht richtig schwimmen können, hätten später auch Schwierigkeiten, ihren eigenen Kindern das Schwimmen beizubringen. Auch Karin Frey-Wyrwoll, Geschäftsführerin der DLRG Ortsgruppe Bühl-Bühlertal, erlebt immer mehr Nichtschwimmer im Grundschulalter. „Bei Schulbeginn können die wenigsten schwimmen“, sagt sie. In den Schulen werde der Schwimmunterricht zu stiefmütterlich behandelt, wenn er überhaupt stattfinde. Es fehle an entsprechend ausgebildeten Lehrern und Lehrschwimmbecken. Enge Belegungspläne im Schwimmbad täten ihr Übriges.

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Zu wenige Lehrer an den kleinen Grundschulen

Bei der Stadtverwaltung wisse man um dieses Problem. Immerhin nutzen nicht nur Bühler Schulen das Schwarzwaldbad, sondern auch Schulen aus Ottersweier, Unzhurst oder auch Sinzheim, heißt es vonseiten der Stadtverwaltung. Klaus Dürk, Leiter des Fachbereichs Bildung – Kultur – Generationen, betont jedoch: „Bühler Schulen können ihrem Bildungsauftrag gerecht werden.“ Er räumt aber ein, dass gerade kleinere Grundschulen Schwierigkeiten hätten, entsprechend ausgebildetes Lehrpersonal zu finden.

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Neue Wege geht man an der Bachschloss-Schule. Mit dem Pilot-Projekt „SwimStars“ will man dort der sinkenden Schwimmfähigkeit der Schüler entgegenwirken. „Etwa die Hälfte der Zweitklässler können nicht richtig schwimmen. Das ist besorgniserregend, immerhin ist Schwimmen eine lebenserhaltende Maßnahme“, so Constanze Velimvassakis.

An ihrer Schule schwimmen die zweiten Klassen deshalb pro Woche zwei Stunden, das ganze Schuljahr durch – ein Einzelfall in Bühl. Für manche Schüler sei der Schwimmunterricht zudem der erste Besuch eines Schwimmbads überhaupt. In der dritten Klasse finden immerhin noch zwei Drittel des Sportunterrichts im Schwimmbad statt.

Wir müssen um jede Hallenstunde im Schwimmbad feilschen

Schulleiterin Constanze Velimvassakis

Bühl biete zwar schon sehr viel, betont die Schulleiterin, dennoch „müssen wir um jede Hallenstunde im Schwimmbad feilschen“. Können die Schulen also nicht mehr tun? Wie Velimvassakis sieht auch Christian Hensel die Eltern in der Pflicht. Die dürften die Verantwortung nicht allein an Schwimmunterricht oder Schwimmkurse abgeben. Um die Schwimmfähigkeit effektiv zu trainieren, brauche es gemeinsame Schwimmbadbesuche. Ein Seepferdchen-Abzeichen sei zwar eine „gute Grundlage“, von einem sicheren Schwimmer könne man aber erst ab dem DLRG-Abzeichen in Bronze sprechen. Dafür müssen Kinder unter anderem 200 Meter in 15 Minuten schwimmen. Das erreiche aber keines der Kinder nach einem Schwimmkurs, betont Hensel.