Das Mutterhaus des Klosters Neusatzeck (rechts) soll saniert werden, das Ökonomiegebäude (links) wird abgerissen. | Foto: Bernhard Margull

Kloster Neusatzeck

Neue Pläne wegen Fledermäusen

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Es ist kein Witz. Das Mutterhaus des Klosters Neusatzeck bei Bühl, das nach Jahren des Leerstands auf Abriss verkauft werden sollte, muss erhalten bleiben, weil dort seltene Fledermäuse nisten. Ein Investor will in Neusatzeck mehrere Millionen Euro investieren, um dort ein Zentrum für Demenzkranke zu bauen. Noch vor einem halben Jahr war eine Sanierung des riesigen Gebäudes, das in drei Bauabschnitten zwischen 1928 und 1981 entstanden ist, wegen Problemen mit dem Brandschutz und zu geringen Flurbreiten nach Auskunft der Stadtverwaltung angeblich nicht wirtschaftlich. Trotz Bedenken im Gemeinderat, ob ein Demenzzentrum an dieser Stelle und mit diesem Konzept überhaupt sinnvoll ist, wurde im März der notwendige Bebauungsplan in die Wege geleitet. Jetzt muss wegen des Grauen Langohrs komplett neu geplant werden.

Ein riesiger Klotz

Das Mutterhaus ist keine gute Architektur und stört mit seinen gewaltigen Dimensionen die herrliche Landschaft im engen Seitental des Schwarzwalds. Die Streusiedlung im oberen Neusatzer Tal wird durch höchstens zweigeschossigen Häuser geprägt. Auch das denkmalgeschützte neuromanische Klostergebäude aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das dem Mutterhaus gegenüberliegt, schmiegt sich in den Hang. Vermutlich wäre der fünfgeschossige Klotz des Mutterhauses im Außenbereich ohne die kirchliche Bauherrschaft niemals genehmigt worden.

Erhaltenswertes Ökonomiegebäude

Ein Abriss wäre die verträglichste Lösung für die Landschaft. Jetzt kommt es anders. Weil das Mutterhaus erhalten bleiben muss, soll das benachbarte landschafstypische Ökonomiegebäude fallen, um das anspruchsvolle Raumprogramm für das Demenzzentrum realisieren zu können. Im Hinblick auf die Dorfentwicklung macht das keinen Sinn. Allerdings hätte auch der Ersatzbau für das Mutterhaus mit seiner Baumasse das Tal erschlagen. Wie die neuen Pläne aussehen, bleibt abzuwarten. Sie werden den Gemeinderat spätestens im Januar beschäftigen. Eines ist klar: Der Neubau auf dem Gelände des Ökonomiegebäudes wird nicht zierlich.

Warum kein kleines Baugebiet?

So ergibt sich eine kuriose Situation. Um seltene Fledermäuse zu schützen, bleibt ein Gebäude erhalten, das nicht in die Landschaft beziehungsweise Natur passt, ein anderes, das sich in die Landschaft einfügt, muss dem Bagger weichen. Eine städtebaulich und landschaftlich optimale Lösung wäre die Ausweisung eines in Neusatz dringend benötigten kleinen Neubaugebietes mit Einfamilienhäusern im Bereich des Mutterhauses. Das ist aber nach Auskunft von Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtplanung im Rathaus, an dieser Stelle aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Neusatzeck ist ein Außenbereich. Dort darf man eigentlich nicht bauen. Gegen ein riesiges Demenzzentrum an diesem sensiblen Ort spricht aber offensichtlich nichts.