Der neu gestaltete Markt- und Kirchplatz in Bühl und die beiden sanierten denkmalgeschützten Rathäuser wurden vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium ausgezeichnet. | Foto: Black Forest Copter

Sanierungsgebiete

Neue Ziele für den Bühler Städtebau im Süden

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Es ist eine Premiere. Die Stadt Bühl hat die erste Plakette erhalten, mit der das Land ein erfolgreiches Sanierungsgebiet würdigt. Ralph König vom Stuttgarter Wirtschaftsministerium hat die Auszeichnung persönlich nach Bühl gebracht. Oberbürgermeister Hubert Schnurr hat die Gelegenheit genutzt, mit dem Ministerialbeamten über ein weiteres Sanierungsgebiet zu sprechen, das die Kommune aktuell plant. Sein Arbeitstitel heißt konsequenterweise „südlicher Stadteingang“ und umfasst eine Fläche von 8,8 Hektar.

Achtes Sanierungsgebiet

Der „südliche Stadteingang“ wird das insgesamt achte Bühler Sanierungsgebiet seit 1981 sein. Damals begann dieses Programm mit dem „alten Stadtkern“. Insgesamt sechs Sanierungsgebiete lagen seitdem in der Kernstadt, ein (noch) aktuelles befindet sich in Neusatz. Für die Stadtteile sind Sanierungsgebiete grundsätzlich weniger interessant, weil sie Fördermittel aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) erhalten können. Im nächsten Jahr soll das Sanierungsgebiet „nördlicher Stadteingang“, für das die Stadt jetzt die Plakette erhalten hat, offiziell abgeschlossen werden.

In der denkmalgeschützten Villa Merk befindet sich heute das Rathaus III. Der Sanierugnsbedarf ist groß. | Foto: Ulrich Coenen

Villa Merk ist ein Schwerpunkt

Der südliche Stadteingang erstreckt sich von der Bühlotbrücke bis zur Bühlertalstraße, umfasst auch das Haus Alban Stolz und den Stadtgarten sowie die Eisenbahnstraße bis zur Herbert-Odenheimer-Straße. Einen Schwerpunkt bildet die spätklassizistische Villa Merk von 1841, in dem sich heute das Rathaus III befindet. Das denkmalgeschützte Haus des Färbermeisters Karl Merk befindet sich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Schnurr nennt die mangelnde Funktionalität des Grundrisses und die schlechte energetische Bilanz. Eine Generalsanierung ist aber vor 2023 nicht möglich.

Plakette vom Wirtschaftministerium: (von links) Barbara Thévenot, Johanna Balaskas und Oberbürgermeister Hubert Schnurr freuen sich über die Auszeichnung. | Foto: Ulrich Coenen

Auch der ebenfalls denkmalgeschützte Stadtgarten steht im Fokus. „Grün in der Stadt hat inzwischen eine andere Wertigkeit, früher ging es bei Sanierungsgebieten nur um Bauwerke und Straßen“, konstatiert Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtplanung, Hochbau und Klimaschutz bei der Stadt. Auch der Großherzog-Friedrich-Brunnen, der seit 2015 trocken liegt, wird ein Thema werden. Wegen Sanierungskosten in Höhe von 520 000 Euro wurde das Projekt damals auf die lange Bank geschoben. „Zuschüsse sind grundsätzlich möglich“, meint Kämmerin Johanna Balaskas. Allerdings werden die ursprünglichen Sanierungspläne vermutlich abgespeckt. Das große Wasserbecken soll trocken bleiben. Schnurr denkt stattdessen an Wasserspiele mit Bodendüsen. Allerdings wird sich auch beim Brunnen vor 2021 nichts tun. Nach Abschluss der Sparkassensanierung soll im Zusammenhang mit dem Vorplatz auch der Eingang zum Stadtgarten neu gestaltet werden.

Im denkmalgeschützte Stadtgarten besteht erheblicher Handlungsbedarf. Der Brunnen ist undicht, das Rosenbeet wurde inzwischen durch eine provisorische „Partymeile“ mit Hackschnitzeln ersetzt. | Foto: Ulrich Coenen

Auch für die Hauptstraße zwischen Bühlotbrücke und Bühlertalstraße ergeben sich Perspektiven. Schnurr sieht vor allem mit Blick auf den Zustand mancher Hinterhöfe Chancen für Geschäfts- und Privatleute in diesem Bereich. Der OB kann sich analog zur Franz-Conrad-Straße auch im südlichen Bereich der Hauptstraße eine neue Parallelstraße als zweite westliche Erschließung vorstellen.

Was wird mit Brachflächen?

Auch auf der Ostseite der Hauptstraße gibt es Handlungsbedarf. Hubert Schnurr weist auf Gewerbebrachen in der Bühlertalstraße hin. Auch das auf dem Parkplatz Hüfflischer Hof angedachte Parkdeck könnte wieder ein Thema werden. „Allerdings gehört das Gelände vielen Eigentümern“, sagt der Oberbürgermeister. „Das erschwert die Planung.“

Vorbereitungen laufen

Mit einer Bewilligung des neuen Sanierungsgebietes durch das Land rechnet man im Rathaus nicht vor dem Frühjahr 2020. Aktuell laufen die Vorbereitungen. „Wir prüfen funktionale und verkehrliche Mangel und machen uns Gedanken zur Wohnumfeldverbesserung“, meint Schnurr.

Mit der neuen Plakette, die das Wirtschaftsministerium der Stadt verliehen hat, will die baden-württembergische Regierung an wichtigen Gebäuden und Plätzen, die durch die Sanierung aufgewertet oder neu geschaffen wurden, auf das Instrument der Städtebauförderung durch das Land hinweisen.
„Besonders ins Auge gefallen ist den Vertretern des Ministeriums in Bühl die sehr harmonische Ensemblewirkung der beiden Rathäuser und des Kirch- und Marktplatzes“, erklärte Oberbürgermeister Hubert Schnurr. Die bisher sieben Bühler Sanierungsgebiete haben einen Förderrahmen von 7,7 Millionen Euro. Mit 4,6 Millionen Euro unterstützten Land und Bund diese Projekte.