Zum offiziellen Baubeginn für die Neugestaltung des Trottenplatzes in Eisental am Montagmorgen kamen mehr als 60 Gäste. | Foto: Ulrich Coenen

Baubeginn

Neuer Trottenplatz ist ein Meilenstein für die Entwicklung des Bühler Stadtteils Eisental

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Die Neugestaltung des Trottenplatzes im Bühler Stadtteil Eisental ist ein teures Prestigeprojekt. Trotz eines Einbruchs bei der Gewerbesteuer wurden die Bauarbeiten am Montagmorgen offiziell begonnen. Für OB Hubert Schnurr ist das alternativlos. Er will die Landeszuschüsse nicht aufs Spiel setzen und auch die Bürger, die sich zweieinhalb Jahre in die Planung eingebracht haben, nicht enttäuschen. 

Der Bagger steht schon bereit und auch der Sekt ist kalt gestellt. Am Montagmorgen gibt es auf dem Trottenplatz in Eisental einen großen Bahnhof. 65 Menschen sind gekommen, um den offiziellen ersten Spatenstich für das 1,86 Millionen Euro teure Prestigeprojekt zu sehen, an dem die Herzen der Eisentäler hängen. In Arbeitskreisen haben sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren gemeinsam mit Stadt- und Ortsverwaltung und dem beauftragten Ingenieurbüro an den Plänen gearbeitet. Der erste Spatenstich erweist sich dann als Baggerbiss und den muss OB Hubert Schnurr setzen. Der ist als gelernter Architekt und Stadtplaner mehr Theoretiker und braucht eine gründliche Einweisung durch den Baggerführer. „Hoffentlich arbeiten die Bauarbeiter schneller“, scherzt ein Stadtrat, der die Szene beobachtet.

Ohne Schlips auf den Bagger

Doch Schnurr nimmt die ungewohnte Aufgabe ernst. Anzug und Schlips hat er daheim gelassen und erscheint im lässigen blauen Sakko mit Chinohose. Bevor er auf den Bagger darf, stehen die Festreden auf dem Programm. Ortsvorsteher Jürgen Lauten freut sich, dass die „unendliche Geschichte jetzt endlich wahr wird“. Er berichtet, dass die alte Trotte, die in den 1970er Jahren aus Südtirol nach Eisental kam, vor dem damaligen Winzerkeller aufgebaut wurde. Der Platz hieß damals noch Dorfplatz und wurde erst ab diesem Zeitpunkt umgangssprachlich als Trottenplatz bezeichnet. Der Winzerkeller ist längst verschwunden und wurde 2013 durch das neue Dorv-Zentrum ersetzt. Jetzt muss auch die Trotte weichen. Sie soll beim Tretbecken einen neuen Standort finden.

Eine neue Dorfmitte

OB Schnurr spricht von einem „Meilenstein für die Entwicklung Eisentals“. „Das gibt eine ganz andere Dorfmitte“, meint er. Wie bereits auf dem Markt- und Kirchplatz in Bühl seien in Eisental ein Pflasterbelag mit Betonverbundpflaster und Granitvorsatz geplant. „In dem Vorhaben steckt sehr viel vorbildliches Engagement vor Ort“, lobt er. Deshalb sei es richtig, dass das Projekt nun trotz des Einbruchs der Gewerbesteuer in Angriff genommen werde. „Es wäre fatal, wenn wir dieses Vorhaben aufgegeben hätten.“
Wie beim Kirch- und Marktplatz kommt auch in Eisental die Baden-Badener Baufirma Weiss zum Zuge, die das preisgünstigste Angebot vorgelegt hat. „Wir haben mit diesem Unternehmen gute Erfahrungen gemacht“, betont Schnurr ausdrücklich.

Lange Bauzeit

Die Neugestaltung des Trottenplatzes ist umfassend. Sie betrifft nicht nur die kleine Grünanlage im Zentrum und die Fahrbahnen, sondern auch angrenzende private Flächen und die Treppenanlage zur Schartenberghalle, die erneuert wird. Schnurr geht von einer Bauzeit von 15 bis 18 Monaten aus und hofft, dass der neue Trottenplatz mit dem Adventsmarkt 2020 eröffnet werden kann. Das Land fördert die neue „Ortsmitte Eisental“ übrigens mit 600 000 Euro. Diese Subventionen sind auch der Grund für den offiziellen Baubeginn mitten in den Sommerferien. Damit die Fördermittel nicht verloren gehen, muss die Stadt vor dem 3. September loslegen. Das schwere Gerät wird aber auf der Baustelle erst Mitte September anrücken.
Der Oberbürgermeister bezeichnet den Trottenplatz als „sensiblen Bereich“ mit mehreren öffentlichen Einrichtungen: Dorv-Zentrum, Schule und Schartenberghalle. „Wir müssen die Anwohner bei den Bauarbeiten mitnehmen“, fordert er.

Das vertraute Bild, das der Trottenplatz seit den 1970er Jahren bietet, gehört bald der Vergangenheit an. | Foto: Ulrich Coenen

OB schreitet zur Tat

Dann schreitet der OB zur Tat und klettert auf den Bagger. Damit nichts schief geht, steigt ein erfahrener Baggerführer mit in die Kabine und schaut dem Stadtoberhaupt mit kritischem Blick über die Schulter. Schnurr findet aber offensichtlich Spaß am neuen Arbeitsplatz. Gleich mehrfach lässt er die Baggerschaufel in den extra herbeigeschafften Sand greifen. Jetzt kann nichts mehr schief gehen.

Shared Space für alle

Einladend soll der neue Trottenplatz werden. Das betont Johannes Sackmann vom mit der Planung beauftragten Ingenieurbüro Zink (Lauf). „Shared Space“ lautet das Konzept. Der Anglizismus beschreibt eine Gemeinschaftsstraße, in der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Für Kraftfahrzeuge aller Art gilt in Zukunft eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern. „Der Platz soll die Menschen zum Verweilen einladen“, sagt Sackmann.

Kanal wird erneuert

Doch auch im Untergrund wird gearbeitet. Mit der Kamera haben die Ingenieure Schäden im Kanal festgestellt. Außerdem gibt es hydraulische Engpässe. Beides soll im Rahmen der anstehenden Sanierungsarbeiten beseitigt werden. Zum Teil sollen Kanalrohre mit größeren Dimensionen eingebaut werden.

Mehr Grün

Sackmann weist auf die positiven Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der gemeinsamen Planung des neuen Dorfzentrums mit den Bürgern hin. Zwar müssen bei den Bauarbeiten einige Bäume fallen, doch es werden auch neue gepflanzt. „Flächen mit Grün heizen sich im Sommer weniger auf, als solche ohne Grün“, sagt Sackmann.