Im Dachstuhl des Mutterhauses Neusatzeck nisten Fledermäuse. Deshalb kann das Kloster nicht abgerissen werden. | Foto: Ulrich Coenen

Kloster in Bühl

Neues Konzept für Mutterhaus Neusatzeck: Werden Fledermäuse umgesiedelt?

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Eigentlich sollte der Bühler Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am 8. Mai über die umstrittenen Pläne für das Seniorenzentrum auf dem Gelände des Mutterhauses Neusatzeck im Stadtteil Neusatz entscheiden. Jetzt teilte Matthias Buschert, Pressesprecher der Stadt Bühl mit, dass der Tagesordnungspunkt erneut verschoben wurde. Nachdem der Ortschaftsrat Neusatz das Projekt im März mit 7:1 Stimmen abgelehnt hat, brachte auch eine nichtöffentliche Sitzung von Gemeinderat und Ortschaftsrat im April keinen Durchbruch. Nach Informationen dieser Zeitung wäre eine Mehrheit für die Pläne der beiden Projektentwickler Bernd Matthias und Gerd-Arno Stubbe in der Gemeinderatssitzung am 8. Mai sehr fraglich gewesen.

Sondergenehmigung

Jetzt wollen Matthias und Stubbe die artengeschützten Fledermäuse, die im Dachstuhl des Bestandsgebäudes nisten, umsiedeln, um doch noch die gewünschte Abrissgenehmigung zu erhalten. Dann könnten die Projektentwickler ihre ursprünglichen Pläne, die den kompletten Abriss des Gebäudekomplexes und einen vollständigen Neubau vorsehen, verwirklichen. Dieses Konzept hatte im Ortschaftsrat eine breite Zustimmung gefunden. Nachdem der Gemeinderat im März 2018 den Weg für die notwendigen Bebauungsplanänderung frei gemacht hatte, wurde bei der Voruntersuchung die „Wochenstube“ des Grauen Langohrs im Dachstuhl entdeckt. Die Projektentwickler planten um. Neben den aus Artenschutzgründen zu erhaltenden Altbau war nun ein großer Neubau vorgesehen.

Heimat von Fledermäusen: Im Dachstuhl befindet sich die „Wochenstube“ des artengeschützten Grauen Langohrs. | Foto: Ulrich Coenen

Übliches Verfahren

„Die Umsiedlung von artengeschützten Fledermäusen ist ein übliches Verfahren“, berichtet Matthias. „Es wurde bereits bei Kolonien mit bis zu 60 Tieren erfolgreich durchgeführt.“ Nun will Matthias einen Antrag beim Regierungspräsidium Karlsruhe stellen. Wenn das klappt, werden die Projektentwickler ein Konzept erarbeiten, das sich an den ursprünglichen Plänen orientiert. Allerdings gibt es Abweichungen. Wie bereits berichtet, ist das Ökonomiegebäude nach Auskunft eines statischen Gutachtens nicht zu halten. Matthias will es durch einen Neubau ersetzen, der sich an der Formensprache des Schwarzwaldhofes orientiert. Auf einen der geplanten Neubauten für betreutes Wohnen, der an der Talseite entstehen sollte, muss verzichtet werden. Das Grundstück gehört nicht zum Kloster, der Kauf ließ sich nicht realisieren.

Drohende Bauruine

OB Hubert Schnurr sieht in einer Pressemitteilung in dem geplanten Antrag auf Ausnahmegenehmigung „eine neue Chance für das Seniorenzentrum“. Die Alternative, so der OB, sei eine drohende Bauruine – und dies vor dem Hintergrund dringend benötigter Pflegeplätze. Das Neubaugebiet, das als Alternative zum Seniorenzentrum diskutiert wird, hält Schnurr nach wie vor für unrealistisch. „Wir haben inzwischen gehört, das sich ein Investor für ein solches Projekt interessiert“, berichtet Pressesprecher Buschert. „Er ist aber noch nicht an die Stadt herangetreten. Aus unserer Sicht ist das nicht finanzierbar.“