Das Mutterhaus des Klosters Neusatzeck wird saniert und umgebaut. Dort soll die Infrastruktur des Seniorenzentrums untergebracht werden. Dazu gehören eine Gastronomie, ein Hofladen und verschiedene Praxen. | Foto: Bernhard Margull

Infrastruktur fürs Dorf

Neusatz soll vom Seniorenzentrum profitieren

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Durch artengeschützte Fledermäuse lassen sich die Projektentwickler nicht stoppen. Bernd Matthias und Gerd-Arno Stubbe haben ihr Konzept für ein großes Seniorenzentrum im Mutterhaus des Klosters Neusatzeck (Stadt Bühl, Ortsteil Neusatz) inzwischen komplett überarbeitet. Am Donnerstag, 24. Januar, um 18.30 Uhr werden sie den Neusatzern ihre Pläne bei einer offiziellen Informationsveranstaltung der Stadt in der Schlossberghalle vorstellen. Im Interview zeigten sich die beiden von ihrem Projekt überzeugt. Nachdem trotz der hohen Grundstückspreise bereits seit Jahren in der Innenstadt immer mehr Seniorenzentren (unter anderem auch für betreutes Wohnen) entstehen, wollen Matthias und Stubbe mit ihrer Einrichtung in landschaftlich reizvoller Lage einen neuen Weg beschreiten. Gleichzeitig verkaufen immer mehr Menschen im Rentenalter ihre schön gelegenen Häuser in den Schwarzwalddörfern, um im Alter wegen der besseren Infrastruktur nach Bühl zu ziehen.

Eigener Bus in die Stadt

Auf diese Entwicklung antworten Matthias und Stubbe mit ihrem neuen Konzept. In Neusatzeck soll ein Seniorenzentrum entstehen, das neben Wohnungen selbst eine sehr gute Infrastruktur bietet, von der auch die Neusatzer profitieren. Gleichzeitig wird es für die Heimbewohner (neben dem ÖPNV) einen zusätzlich regelmäßigen Bustransfer zur Innenstadt geben, der die Teilhabe am dortigen öffentlichen Leben ermöglicht.

Seit 2010 auf Immobilienmarkt

Das Mutterhaus Neusatzeck wurde seit 2010 vergeblich vom schrumpfenden Orden der Dominikanerinnen zum Kauf angeboten, bevor die Projektentwickler im vergangenen Jahr zuschlugen. Ihre ursprünglichen Pläne sahen den Abriss des in drei Bauabschnitten zwischen 1928 und 1981 entstandenen Mutterhauses und den Neubau eines Seniorenheims auf dessen Gelände vor. Lediglich das benachbarte Ökonomiegebäude sollte erhalten bleiben. Weil im Dachstuhl des Mutterhauses die Wochenstube des Grauen Langohrs entdeckt wurde, darf das Gebäude aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht abgerissen werden, obwohl der Gemeinderat bereits im März 2018 einen Bebauungsplanentwurf für das Vorhaben angestoßen hatte.

Ökonomiegebäude ist abrissreif

Die Projektentwickler reagierten. „Nach einer Untersuchung durch einen Statiker hat sich leider herausgestellt, dass das Ökonomiegebäude ohnehin nicht zu halten ist“, berichtet Matthias. Wo dieses heute steht, soll nun ein Seniorenzentrum mit 95 bis 100 Einzelzimmern entstehen. Das bestehende Mutterhaus ist nach den Buchstaben des Heimgesetzes nicht als Seniorenheim geeignet. Deshalb soll dort die Infrastruktur für das Seniorenzentrum entstehen, die auch von den Neusatzern genutzt werden kann. Die Projektentwickler planen dort einen Hofladen (mit Produkten aus dem Schwarzwald), ein Bistro, eine stundenweise geöffneten Arztpraxis, eine Physiotherapie, ein Friseurgeschäft und eine Fußpflege.

Offen für die Neusatzer

Diese Einrichtungen sollen auch für die Neusatzer offen stehen. Weiterhin sind im Altbau 20 Servicewohnungen geplant (darunter verstehen die Projektentwickler betreutes Wohnen) und 20 Mitarbeiterwohnungen. Insgesamt sind in Neusatzeck 100 bis 120 neue Arbeitsplätze geplant. Nur ein Teil der Pflegekräfte wird direkt im Haus wohnen. Dieses Angebot ist nach Auskunft der Projektentwickler vor allem für im Ausland angeworbenes Fachpersonal attraktiv. An der Talseite des Mutterhauses soll außerdem ein Parkhaus entstehen.

Gutes Einvernehmen

Bernd Matthias und Gerd-Arno Stubbe legen großen Wert auf ein gutes Einvernehmen mit den Neusatzern. „Wir wollen unser Projekt mit dem Dorf verzahnen und einen Wertzuwachs für Neusatz erreichen“, sagt Stubbe. Der große Bedarf für neue Seniorenplätze ist nach Ansicht von Matthias unstrittig. Gemeinsam mit seinen Partnern habe er schon erfolgreich eine ganze Reihe ähnlicher Einrichtungen realisiert, betonte er gegenüber dieser Zeitung. Er hat keine Zweifel, dass das Seniorenzentrum in Neusatzeck trotz der abgeschiedenen Lage funktionieren wird. Matthias schwärmt von der schönen Landschaft und dem herrlichen Blick in die Vogesen. „Gleichzeitig erlaubt das 22 000 Quadratmeter große Grundstück eine sehr gute Infrastruktur, die unverzichtbar ist und sich nur auf einem Gelände dieser Größenordnung verwirklichen lässt“, konstatierte er. Die Kapelle des Mutterhauses bleibt erhalten und soll auch für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Das großzügige Gelände erlaubt die Anlage eines Demenzgartens und eines Streichelzoos.

Wohnungen werden verkauft

Ein Investor soll das Gebäude bauen und den Altbau sanieren. Die Wohnungen werden anschließend an private Interessenten verkauft. Ein Betreiber wird das Seniorenzentrum in eigener Verantwortung führen. „Es gibt gleich mehrere erfahrene Betreibergesellschaften, die sich für diese Aufgabe beworben haben“, berichtete Matthias. „Die Nachfrage nach den Wohnungen ist übrigens bereits jetzt rege, obwohl wir noch überhaupt keine Werbung gemacht haben.“

In den Startlöchern

Die beiden Projektentwickler stehen in den Startlöchern und warten darauf, dass der Bebauungsplan Gültigkeit erlangt. „Wir können sofort loslegen“, sagte Matthias. „Mit der Heimaufsicht und dem Landschaftsschutz ist alles abgestimmt.“ Mit dem Seniorenzentrum in Neusatzeck wollen die Projektentwickler gleichzeitig den angestrengten Wohnungsmarkt in der Innenstadt entlasten.