Martin Jutz zieht zum 1. April von der Neusatzer Drei-Tore-Straße in das Klinikum Mittelbaden Hub. | Foto: Ulrich Coenen

Nach vier Jahrzehnten

Neusatz verliert seinen Hausarzt: Martin Jutz verlegt seine Praxis ins Klinikum Hub

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Die Nachricht, dass der Bühler Stadtteil Neusatz seinen Hausarzt verliert, klingt zunächst schlimmer als sie ist. Martin Jutz verlegt zum 1. April seine Praxis aus der Drei-Tore-Straße in das Klinikum Mittelbaden Hub. „Das ist nur 1.200 Meter entfernt“, sagt Jutz. Die bisherigen Praxisräume sind nicht barrierefrei und haben zu wenige Parkplätze.

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Der Internist, der aus Neusatz stammt, weiß natürlich, dass viele Menschen im Schwarzwalddorf diesen Umzug mit einer gewissen Skepsis sehen. Schließlich gibt es die Arztpraxis in Neusatz seit 1981. Sie wurde zunächst von Bernhard Wintzen geleitet und 2011 von Jutz übernommen.

Der war bereits 2008 als Partner bei Wintzen eingestiegen. Bereits seit 1985 befinden sich die Praxisräume in der Drei-Tore-Straße, vorher waren sie im Schloss Waldsteg untergebracht.

Endlich barrierefrei

Doch Martin Jutz hat gute Gründe für den Umzug. „Die neue Praxis in der Hub ist barrierefrei“, berichtet er. Davon kann in der Drei-Tore-Straße keine Rede sein. Von der Straße aus führt eine Treppenanlage bis zur Haustür, für ältere und gehbehinderte Menschen kann das ein Problem sein. „Ein weiteres Problem ist der Parkplatzmangel“, erklärt Jutz.

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Obwohl es vor der Praxis einige Parkplätze gibt, ist die Drei-Tore-Straße regelmäßig komplett zugeparkt. Die Anwohner sind davon wenig begeistert. „Die Parksituation wird sich durch den Bau der großen Wohnanlage mit 13 Wohneinheiten an der Ecke Drei-Tore-Straße Gebersbergstraße für die Praxis extrem verschärfen“, meint Jutz. „Da fallen jede Menge Stellplätze weg.“

Kloster Neusatzeck ist keine Alternative

Der Hausarzt hat sich auch nach alternativen Standorten in Neusatz umgeschaut. Wegen der schwierigen Topografie des Schwarzwalddorfes war das nicht einfach. „Im Grunde kommt nur Kloster Neusatzeck in Frage“, sagt Jutz. „Dort gibt es Parkplätze.“

Weil der Orden das Kloster aufgeben will und weil Neusatzeck am äußersten Rande des Dorfes liegt, hat sich Jutz schnell von dieser Idee verabschiedet.

„Die Hub ist für meine Patienten deutlich besser zu erreichen“, meint er. „Auch der Anschluss an den ÖPNV ist gut.“ Tatsache ist, dass schon bisher alle Patienten, die nicht im Dorfkern wohnen, ins Auto steigen mussten, um die Praxis zu erreichen. Neusatz ist eine weit verstreute Siedlung.

Durch interne Umzüge hat das Klinikum Mittelbaden Hub Platz für eine Landarztpraxis im Winbennerbau geschaffen.

Für den Umzug in die Hub spricht laut Jutz auch der steigende Raumbedarf der Praxis. „In den jetzigen Räumen werden wir aktuellen Erfordernissen nicht mehr gerecht“, berichtet er.

Das Einzugsgebiet der Landarztpraxis ist riesig und umfasst nicht nur Neusatz. Patienten kommen auch aus Kappelwindeck, Bühl, Ottersweier, Unzhurst und Lauf. Für viele von diesen geht die Anreise in Zukunft schneller.

„Ich höre es ungerne, wenn behauptet wird, der Beruf des Landarztes sei nicht attraktiv“, erklärt Martin Jutz. „Wir wollen innovativ sein und investieren.“ Das gesamte Praxisteam wechselt mit dem Chef gemeinsam in die Hub.

Freude in der Hub ist riesig

Dort freut man sich riesig auf den neuen Mieter. Lilian Heck, die kaufmännische Leiterin des Klinikums Mittelbaden Hub, findet es großartig, dass es demnächst einen Hausarzt in ihrer Einrichtung gibt, zumal Jutz bereits bisher viele Patienten in der Pflegeeinrichtung betreut.

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Durch interne Umzüge hat Heck im historischen Weinbrennerbau der Hub Platz für die neuen Praxisräume geschaffen.

Die Landarztpraxis passt voll ins Konzept der Hub, die sich nach außen öffnen will. „Menschen mit Behinderung sollen nicht abgeschottet leben“, erklärt die kaufmännische Leiterin.

Aus diesem Grund wurden in der Hub bereits ein Café, eine Bäckerei und eine Physiotherapiepraxis eingerichtet. Diese sorgen für den ausdrücklich gewünschten Publikumsverkehr. Durch die Hausarztpraxis will Lilian Heck den noch einmal deutlich steigern.