Vorreiter im Bezirk Baden-Baden: Der SV Oberachern um Torjäger Nico Huber (rechts) könnte im südbadischen Pokal als erste mittelbadische Mannschaft wieder ein reguläres Fußballspiel absolvieren.
Vorreiter im Bezirk Baden-Baden: Der SV Oberachern um Torjäger Nico Huber (rechts) könnte im südbadischen Pokal als erste mittelbadische Mannschaft wieder ein reguläres Fußballspiel absolvieren. | Foto: Collet

Deutliches Votum erwartet

Nicht alle mittelbadischen Amateurfußball-Clubs freuen sich über Abbruch-Szenario

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Noch ist die Entscheidung über den Umgang mit der Amateurfußball-Saison 2019/20 nicht gefallen, doch die Eindrücke aus den diversen Videokonferenzen zwischen den Verbänden und deren Vereinen lassen bei den außerordentlichen Verbandstagen am 20. Juni ein deutliches Votum erwarten.

In Südbaden, so Verbandspräsident Thomas Schmidt, seien rund zwei Drittel der Clubs für das von den drei baden-württembergischen Verbänden empfohlene Szenario – also einen Abbruch der seit dem 12. März wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison.

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Tabellen nach Quotientenregel

Die Tabellen sollen anhand der sogenannten Quotientenregel (Punkte geteilt durch absolvierte Spiele) ermittelt werden, die Teams auf direkten Aufstiegsplätzen dürfen aufsteigen, sportliche Absteiger gibt es nicht. Zur vermeintlichen Minderheit, die den Alternativ-Vorschlag – eine Fortsetzung der Saison frühestens ab dem 1. September – bevorzugt, zählt der FC Neuweier.

Sollte das so kommen, dann ist es aus unserer Sicht maximal ungerecht gelaufen und schwer zu akzeptieren.

Sebastian Scholl, Vorsitzender FC Neuweier

Der Club aus dem Bezirk Baden-Baden ist Dritter der Kreisliga B4, in der die ersten beiden Teams direkt aufsteigen. „Sollte das so kommen, dann ist es aus unserer Sicht maximal ungerecht gelaufen und schwer zu akzeptieren“, sagt der FCN-Vorsitzende Sebastian Scholl.

Die Qualifikations-Runde (B3) hatte Neuweier mit 28 Punkten aus zehn Spielen als souveräner Spitzenreiter abgeschlossen – doch das zählt nicht mehr. Hinzu komme, dass man in der Meisterrunde gegen die beiden Führenden noch jeweils zweimal gespielt hätte. „Aus persönlicher Sicht bevorzuge ich eine Fortsetzung der Saison im September. Das wäre sportlich die fairste Lösung“, sagt Scholl, der eine Klage im Fall eines Abbruchs jedoch ausschließt.

Die vorgeschlagene Lösung der Beendigung der Saison ist objektiv betrachtet vermutlich die beste Variante.

Stefan Voppichler, Sportvorstand VfB Bühl

Auch der VfB Bühl würde als aktueller Tabellenzweiter der Landesliga durch ein vorzeitiges Saisonende um die Aufstiegschance gebracht.

Trotzdem kann Sportvorstand Stefan Voppichler die Empfehlung des Verbands, die den Vereinen am Dienstagabend in einer Video-Konferenz erläutert wurde, verstehen: „Die vorgeschlagene Lösung der Beendigung der Saison ist objektiv betrachtet vermutlich die beste Variante. Auch wenn es uns natürlich als aktuell Zweiter der Tabelle schmerzt, dass wir keine Aufstiegschance mehr haben. Aber wir sind nicht so vermessen uns in so einer Situation zu wichtig zu nehmen und greifen dann einfach wieder an wenn der Ball wieder rollen kann.“

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SV Mörsch denkt über freiwilligen Abstieg nach

Ein Gewinner des Votums am 20. Juni könnte der SV Mörsch sein, der als abgeschlagenes Tabellenschlusslicht in der Verbandsliga bleiben dürfte. Ob die Rheinstettener diese Option wahrnehmen, ist jedoch fraglich. Der Club aus der Sandgrube plant mit dem neuen Trainer Christian Hofmeier schon länger für die Landesliga und denkt nun über einen freiwilligen Abstieg nach.

Die Zeit drängt nicht, im Fall eines entsprechenden Beschlusses müssen die Vereine bis 30. Juni erklären, ob sie ihr Aufstiegsrecht wahrnehmen beziehungsweise ob sie freiwillig absteigen wollen. Im Falle eines freiwilligen Abstiegs gibt es – Stand jetzt – keine Nachrücker von unten.

SV Oberachern träumt vom DFB-Pokal

Als erster Vertreter des Bezirks Baden-Baden geht der SV Oberachern eventuell wieder für ein Pflichtspiel auf den Platz. Der Oberligist steht im Halbfinale des südbadischen Pokals, der wie auch die Bezirkspokale im Gegensatz zum Ligabetrieb abgeschlossen werden soll. SVO-Vorsitzender Ralf Lorenz freut sich, dass der Weg in den lukrativen DFB-Pokal offen bleibt, denn: „Diese Chance hat man selten.“

Lorenz rechnet damit, dass die Halbfinal-Partie beim SC Lahr erst Ende August gespielt wird. In diesem Fall müsste allerdings auch die Mitte August geplante erste Runde im DFB-Pokal verlegt werden.

Größere Ligen und späterer Saisonstart bringen Probleme

Probleme sieht Lorenz auch auf die Oberliga zukommen. Bei einem aufgestockten Feld von 20 Clubs kämen bei einem üblichen Modus mit Hin- und Rückspiel 38 Ligapartien auf die Vereine zu, obwohl die Runde erst deutlich später als üblich (frühestens im September) starten würde.

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„Es wird schwierig, das durchzuziehen“, sagt Lorenz, der dabei auch an die Probleme bei Spielen unter der Woche denkt. Amateure müssten dann einen halben Tag Urlaub nehmen, zudem seien Flutlichtspiele in Oberachern nicht möglich.

Den Rahmenterminplan kann ich in die Tonne klopfen

Vito Voncina, Bezirksvorsitzender Baden-Baden

Baden-Badens Bezirksvorsitzender Vito Voncina, erklärtermaßen kein Freund eines Saisonabbruchs, sieht ebenfalls Schwierigkeiten bei der weiteren Planung. „Den Rahmenterminplan kann ich in die Tonne klopfen“, sagt der Gaggenauer zur aufwendig gestalteten Liste. „Es wird Nerven kosten, einen nagelneuen Plan zu erstellen.“

Zunächst muss sich Voncina jedoch um den Umgang mit der Saison 2019/20 kümmern, in der kommenden Woche will er die Vereine des Bezirks zu einer Video-Konferenz einladen und die neue Lage erörtern.

Für den Verbandstag am 20. Juni stellt der Bezirk Baden-Baden rund 20 Delegierte. Insgesamt sind in Südbaden etwa 200 Vereinsdelegierte vorgesehen, hinzu kommen der Verbandsvorstand und Ehrenmitglieder.

Kein Bezirkstag am 11. Juli

Klar ist mittlerweile, dass der am 11. Juli in Lichtenau geplante Bezirkstag sowie der vorgeschaltete Bezirksjugendtag nicht stattfinden.

Die drei baden-württembergischen Fußball-Verbände (Nordbaden, Südbaden, Württemberg) schlagen einen Abbruch der Saison 2019/20 vor. Die Tabellen sollen nach der Quotientenregel ermittelt werden, die aufstiegsberechtigten Teams steigen auf. Absteiger gibt es nicht, ebenfalls keine Relegations- oder Aufstiegsspiele.
Für den wahrscheinlichen Fall, dass bei den außerordentlichen Verbandstagen der drei Verbände am 20. Juni diese Beschlussvorlage angenommen wird, stehen folgende Mannschaften als Aufsteiger fest:
Oberliga: VfB Stuttgart II.
Verbandsliga Südbaden: FV Lörrach-Brombach.
Landesliga 1: SC Durbachtal.
Bezirksliga Baden-Baden: SV Ulm.
Kreisliga A Nord: VFB Gaggenau.
Kreisliga A Süd: SV Sinzheim II.
Kreisliga B4: FV Würmersheim II, SV Scherzheim.
Bezirksliga Offenburg: SV Niederschopfheim.
Kreisliga A Nord Offenburg: SV Linx II.