Das Krankenhaus Bühl sorgt wieder für Schlagzeilen. Es geht um die Notfallaufnahme. | Foto: Ulrich Coenen

Krankenhaus Bühl

„OB Muttach will das Sommerloch befeuern“

Jürgen Jung ist stinksauer. Der Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden ärgert sich über permanente Störfeuer aus dem Ortenaukreis. Er reagiert damit auf einen Medienbericht. Darin wird der Acherner Oberbürgermeister Klaus Muttach zitiert, es gebe abends und nachts in Bühl keine Notfallversorgung mehr. Deshalb sei das Klinikum in Achern für den Ortenaukreis als Flächenlandkreis und den südlichen Landkreis Rastatt unverzichtbar. „Ich weiß nicht, was den Mann zu dieser Meldung treibt“, erklärte Jürgen Jung auf Anfrage dieser Zeitung.

Muttach konkretisiert

Muttach reagierte auf BNN-Anfrage per Mail und konkretisierte die Aussage. „Ich habe in dem Pressegespräch vorgetragen, dass es zukünftig an den Klinikstandorten in Bühl, Oberkirch und Kehl bald keine umfassende Notfallversorgung – das heißt 24 Stunden an sieben Wochentagen in allen (!) Bereichen – geben wird. Deshalb sehe ich für das Klinikum am Standort in Achern für die Region um Achern (nördlicher Ortenaukreis und südlicher Landkreis Rastatt) unter anderem eine wichtige Funktion für die Zukunft darin, diese umfassende Notfallversorgung im vorgenannten Sinn zu gewährleisten.“

Unnötiger Krampf

„Das ist ein unnötiger Krampf“, meinte Geschäftsführer Jung. „Im Ortenaukreis gibt es aktuell große Diskussion ums Klinikum, die wir bereits hinter uns haben. Dort kämpfen jetzt alle gegeneinander um ihre Krankenhausstandorte. Der Versuch, das Krankenhaus in Achern als für den südlichen Landkreis Rastatt zuständig dazustellen, ist völlig daneben. Herr Muttach soll Bühl aus dem Spiel lassen. Das ist stillos und ärgert uns zusehends. Es ist ja nicht das erste Mal. Offensichtlich will der Acherner Oberbürgermeister das Sommerloch befeuern.“

Notfallaufnahme wurde verbessert

Die Tatsachen sehen laut Jung völlig anders aus. „Wir haben die nächtliche Notfallaufnahme im Krankenhaus Bühl sogar verbessert“, berichtete er. „Die Intensivmedizin und die Notaufnahme wurden vor einem Monat zusammengelegt. Zurzeit gibt es deshalb noch notwendige bauliche Ergänzungen. Diese Komprimierung hat den Vorteil, dass mehr Personal zur Verfügung steht und die Wartezeiten sich in Zukunft verringern.“ In den neu geschaffenen Abteilung sind zwei Ärzte (ein Internist und ein Chirurg) sowie zwei Krankenschwestern tätig. Im Hintergrunddienst steht für beide medizinische Disziplinen jeweils ein Facharzt zur Verfügung, der bei schweren Fällen alarmiert werden kann.

Zusammenarbeit mit Klinik Baden-Baden

Jung wies ausdrücklich darauf hin, dass die Kliniken in Baden-Baden und Bühl inzwischen eine orgnisatorische Einheit bilden. „Wenn die Notfallaufnahme in Bühl überlaufen sollte, können Patienten kurzfristig nach Baden-Baden verlegt werden“, sagte er. „Seit die vor einem Monat begonnene Testphase in Bühl läuft, war das aber noch nicht nötig. Trotzdem bietet die Nähe der beiden Kliniken Chancen. Wir werden in Zukunft Teams austauschen. Die Mitarbeiter sollen beide Standorte kennen.“ Jung betonte, dass das Klinikum Mittelbaden die Neustrukturierung nicht aus eigenem Antrieb vorantreibt, sondern auf Vorgaben des Gesetzgebers reagiert. „Wir müssen aus den Möglichkeiten, die man uns gibt, etwas Vernünftiges machen“, meinte er. „Wir müssen uns den veränderten Rahmenbedingungen stellen. Dabei geht es immer auch um die Frage, den Standort in Bühl aufrecht zu erhalten.“