Keine Zwischenlandung auf dem Baden Airport: Die Kreta-Urlauber flogen gegen ihren Willen bis Amsterdam. | Foto: dpa

Baden Aiport

Odyssee der Urlauber endete in Amsterdam

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Stellen Sie sich vor, Sie wollen zum Baden Airport und landen in Amsterdam. Passiert ist das einer Frau aus Bühl, die nach ihrem Urlaub auf Kreta einfach nur zurück nach Hause wollte. Mit ihr an Bord der TUI-Maschine, die in Heraklion abhob, waren 170 andere Passagiere.

Zwei Stunden Verspätung

Die Bühlerin kann es auch zwei Wochen nach dem Flug, der rund 600 Kilometer nördlich von ihrem eigentlichen Ziel endete, nicht fassen. „Gestartet sind wir mit über zwei Stunden Verspätung“, berichtet sie. „Nachdem alle Passagiere im Flieger eingesperrt waren, eröffnete uns der holländische Pilot, dass wir nach Amsterdam fliegen, angeblich weil die Crew nicht 13 Stunden am Stück arbeiten darf.“

Wütender Brief

Wütend hat die Bühlerin einen Brief an TUI geschrieben. „Beim Betreten des Flugzeugs wundern wir uns noch kurz, weshalb das Flugzeug mit niederländischer Flagge bedruckt ist und die Crew nicht deutschsprachig ist.“ Noch während des Boardings sei als Flugziel ausdrücklich Baden-Baden angezeigt worden und erst als kein Passagier der Maschine „aus freien Stücken mehr entkommen“ konnte, Amsterdam genannt worden. Eine „linke Nummer“, meint die Bühlerin in ihrem Brief. „Wer gerade noch sein Smartphone tippbereit in der Hand hält, schafft es, in der letzten Sekunde eine Nachricht nach Deutschland an die Familie abzusetzen.“

Mit dem Bus nach Düsseldorf

In der niederländischen Hauptstadt erlebten die Reisenden nach ihrer Landung um 23.48 Uhr chaotische Zustände. „Vor Ort sollten uns Busse in ein Hotel nach Köln bringen“, erinnert sich die Bühlerin gegenüber dieser Zeitung an eine schlimme Nacht. „Die Busse waren aber derart verspätet, dass wir die ganze Nacht am Flughafen verbringen mussten.“

Weiter mit der Bahn

Erst um 3.30 Uhr trafen die Busse ein. „Diese wurden mit Schwangeren und Familien mit Kindern gefüllt, der letzte um 5 Uhr“, erzählt die Bühlerin. „Es wurde angekündigt, dass die TUIfly Germany keinerlei Kosten übernimmt, falls die Heimreise auf eigene Faust direkt von Amsterdam durchgeführt werden sollte. Also quälten wir uns bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof und mussten dort auf vorerst eigene Kosten für immerhin 110 Euro pro Ticket Bahnfahrkarten kaufen. Ich wette, es hat nie eine Reservierung in dem Kölner Hotel gegeben. Laut Busfahrer ist es seit Januar fast die Regel, dass gestrandete Passagiere von ihnen transportiert werden müssen. Die Wut ist nach wie vor groß, die Entspannung der zwei Wochen Urlaub nach dieser Odyssee dahin.“

Pressesprecher räumt Fehler ein

Aage Dünhaupt, Leiter Unternehmenskommunikation TUIfly Deutschland, bedauerte die Reise mit Hindernissen seiner Kunden gegenüber dieser Zeitung ausdrücklich. „Das war keine Glanzleistung und es tut uns leid“, sagte er. „Selbstverständlich werden wir die Kosten für die Bahnreisen erstatten und auch darüber hinaus prüfen, was wir sonst noch machen können. Das wird aber einige Wochen dauern.“
Im Gegensatz zu den Pressestellen vieler anderer Konzerne, die sich in ähnlichen Fällen nur noch schriftlich gegenüber der Presse äußern, stellte sich Aage Dünhaupt einem Telefoninterview. „Uns fehlt aktuell wegen Wartungsarbeiten ein Flugzeug“, berichtete er. „Deshalb haben wir die Kollegen von der TUI in der Niederlanden gebeten, den Flug aus Kreta zu übernehmen. Weil deren Einsatzzeiten begrenzt sind, war eine Zwischenlandung auf dem Baden Airport leider nicht möglich.“

Einsatzzeiten der Crew sind begrenzt

Das Flugzeug reiste mit seinen badischen Passagieren direkt zu seinem Heimatflughafen nach Amsterdam, um die gesetzlich vorgeschriebenen Einsatz- beziehungsweise Ruhezeiten einzuhalten. „In solchen Fällen versuchen wir mit unserem Partnerunternehmen, das für die Bodenabfertigung zuständig ist, Busse für den Weitertransport aufzutreiben“, sagte der TUI-Pressesprecher. „Das ist natürlich auf die Schnelle nicht so einfach.“

Aage Dünhaupt räumt ein: „Es gibt angenehmere Lösungen als die Kombination aus Bus und Bahn.“ Auf die ICE-Verbindung zwischen Amsterdam und Basel über Karlsruhe, Baden-Baden und Offenburg angesprochen, meint er. „Wahrscheinlich ist das Wissen bei den Kollegen in den Niederlanden nicht vorhanden.“