Omerskopfstraße in Neusatz: Die Anwohner klagen über Verkehrsteilnehmer, die zu schnell und zu laut unterwegs sind. | Foto: Ulrich Coenen

Maßnahmenpaket

Ortschaftsrat von Bühl-Neusatz will rasende Motorräder und Autos stoppen

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Rasende Autofahrer und laute Motorräder nerven die Bewohner des Bühler Stadtteils Neusatz. Jetzt hat sich der Ortschaftsrat des Schwarzwalddorfs mit dem leidigen Thema beschäftigt und einstimmig ein ganzes Maßnahmenpaket beschlossen. Die Neusatzer Einwohner machten ihrem Ärger in der Bürgerfragestunde Luft. 

Viel zu schnell sind viele Autos unterwegs. Davon konnte sich unser Reporter bei einem kurzen Besuch an der Omerskopfstraße persönlich überzeugen. Erst als er die große Spiegelreflexkamera aus seiner Tasche holte, um Fotos zu machen, gingen die Verkehrsteilnehmer spürbar vom Gas. Vielleicht hielten sie ihn für einen Polizeibeamten in Zivil mit einer Radarpistole.

Ortschaft und Stadt können das nicht einfach anordnen.

Hans-Wilhelm Juchem, Ortsvorsteher Neusatz

In der Bürgerfragestunde des Ortschaftsrates machten Anwohner ihrem Ärger Luft. Bereits im vergangenen Jahr habe er als Sofortmaßnahme die Versetzung des 70-Stundenkilometerschildes gefordert, empörte sich ein Anwohner.

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Ortsvorsteher Hans-Wilhelm Juchem zeigte sich dabei großzügig und ließ ausdrücklich Fragen zum späteren Tagesordnungspunkt zu, was eigentlich nicht üblich ist. „Die Omerskopfstraße ist eine Kreisstraße“, erklärte er. „Ortschaft und Stadt können das nicht einfach anordnen.“

Ortschaftsrat verabschiedet Maßnahmenpaket zur Verkehrsberuhigung

Der Ortsvorsteher sieht aber wie das gesamte Gremium durchaus Handlungsbedarf. Der Rat verabschiedete nach einer längeren Diskussion einstimmig ein ganzes Maßnahmenpaket zur Verkehrsberuhigung der Omerskopfstraße. Juchem erläuterte das Problem ausführlich. Bereits im November habe eine Arbeitsgruppe aus Bürgern und Ortschaftsräten eine Arbeitsgruppe gegründet, um Verkehrsprobleme in Neusatz zu lösen.

Der Lärm durch Laster und Motorräder ist aber besonders in den Sommermonaten eine große Belastung für die Anwohner in der Omerskopfstraße.

Hans-Wilhelm Juchem, Ortsvorsteher Neusatz

Diese Arbeitsgruppe hat sich in drei Untergruppen aufgeteilt: AG 1 Geschwindigkeit, AG 2 Parken und AG 3 Fußwege, ÖPNV und E-Ladesäule. „Wegen der Corona-Krise konnte der Zeitplan nicht eingehalten werden“, sagte Juchem. Erst nach der Sommerpause wird sich der Ortschaftsrat deshalb mit den Ideen der drei Arbeitsgruppen beschäftigen können.

„Der Lärm durch Laster und Motorräder ist aber besonders in den Sommermonaten eine große Belastung für die Anwohner in der Omerskopfstraße“, stellte Juchem fest. Mitte April wurde deshalb nach Auskunft des Ortsvorstehers dort eine mobile Geschwindigkeits-Messstation aufgebaut, deren Ergebnisse aber noch nicht vorliegen.

Für ein festes Lärm-Mess-Gerät fehlt das Geld

Die drei Arbeitsgruppen fordern ein Maßnahmenpaket für die Omerskopfstraße. Das sieht eine durchgängige Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern vom Ortsende-Schild bis zum Ende der Linkskurve nach dem Abzweig „Im Schönbrunn“ in beiden Richtungen vor. Weiterhin regen die AGs die dauerhafte Installation von zwei Geschwindigkeitsanzeigegeräten (Smileys) an. Im Hinblick auf die leere Stadtkasse sprach sich die Ortschaftsrat allerdings nur für eines dieser Geräte aus.

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Geplant sind ebenfalls mehrtägige Messungen mit einem „Blitzanhänger“ und Radarmessungen durch die Polizei, die vor allem rasenden Motorradfahrern gelten. Der Ortschaftsrat verabschiedete dieses Paket einstimmig.

Für die feste Installation eines Lärm-Mess-Gerätes wie in Sasbachwalden sah Hans-Wilhelm Juchem angesichts der nach Automobilkrise und Corona-Krise leeren Bühler Stadtkasse keine Chance. Die Kosten liegen bei rund 17.000 Euro, zuzüglich 3.000 Euro für den Aufbau. Dem stehen Landeszuschüsse von 4.000 Euro entgegen. „Aus unseren Globalmitteln in Höhe von 16.000 Euro können wir das nicht finanzieren“, meinte der Ortsvorsteher. „Angesichts der hohen Kosten müssen wir uns auch die Frage stellen, was ein solches Messgerät bringt.“

Neuer Tagungsort: Der Ortschaftsrat Neusatz ist wegen der Corona-Krise in den großen Saal der Schlossberghalle umgezogen. | Foto: Ulrich Coenen

Wegen Corona ist alles anders

So viel Platz hatte der Neusatzer Ortschaftsrat noch nie. Um die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus zu minimieren, war das Gremium in den großen Saal der Schlossberghalle umgezogen. Rund zehn Zuhörer, die sich für die Verkehrsproblematik im Dorf interessierten, durften dabei auf der Bühne Platz nehmen. Sie verfolgten eine lebhafte Diskussion zum Thema Omerskopfstraße.

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Franz Fallert (FW) lobte die guten Ideen der drei Arbeitsgruppen Verkehr. „Ich habe Verständnis für die Probleme der Menschen, die an den Brennpunkten wohnen“, meinte er. Am Wochenende habe er im Bereich der Omerskopfstraße einen Spaziergang unternommen. „Der Lärm dringt bis weit ins Neusatzer Tal“, stellte Fallert fest. Er forderte eine durchgängige Tempo-50-Regelung am Ortsausgang und entsprechende Kontrollen.

Die Kontrollen durch die Polizei müssen forciert werden.

Helmut Krampfert (SPD)

Helmut Krampfert (SPD) äußerte ebenfalls Verständnis für die Situation der Anwohner. „Eine Temporeduzierung macht allerdings nur Sinn, wenn sie regelmäßig kontrolliert wird“, erklärte er. „Nur dann bekommen wir die Sache in den Griff. Die Kontrollen durch die Polizei müssen forciert werden.“ Krampfert wünschte sich ein bis zwei Polizeikontrollen pro Vierteljahr.

Polizeikontrollen brachten unerwartete Ergebnisse

Ortsvorsteher Hans-Wilhelm Juchem wies darauf hin, dass die Sache mit den Polizeikontrollen nicht so einfach ist, wie es scheint. Am vergangenen Donnerstag haben die Ordnungshüter zwischen 15.15 und 16.30 Uhr Tempoüberschreitungen in der Omerskopfstraße gemessen. 50 Fahrzeuge wurden kontrolliert, keines war zu schnell. „An einem Sonntagmorgen hätten wir andere Ergebnisse“, konstatierte Juchem.

Hubert Oberle (CDU) bedauerte, dass der Ortschaftsrat wegen der Corona-Pandemie in den vergangenen Wochen nicht gemeinsam mit den drei Arbeitsgruppen Verkehr tagen konnte. „Uns läuft die Zeit davon“, betonte er.

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Die Verkehrsprobleme auf der Omerskopfstraße haben nach seiner Ansicht im Laufe des vergangenen Jahres zugenommen. Eine wesentliche Ursache sei die Sperrung der L 83 (Sandstraße zwischen Bühlertal und Sand) wegen Sanierungsarbeiten.

Wir müssen bald handeln

Hubert Oberle (CDU)

„Die Autos und Motorräder in Richtung Schwarzwaldhochstraße nutzen stattdessen die Omerskopfstraße“, erklärte Hubert Oberle. Wegen des hohen Kontrolldrucks in Sasbachwalden würden die Verkehrsteilnehmer ebenfalls in Richtung Neusatz ausweichen. „Wir müssen bald handeln“, forderte Oberle abschließend.
Dominik Merz (FW) wies darauf hin, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung alleine nichts bringe. „Wir können ein Tempo 30 Schild an die Omerskopfstraße stellen, ohne Kontrollen hat das keinen Zweck“, warnte er.