Aufmunternde Botschaft: Ein Transparent an der Bahnunterführung weist auf die wichtigsten Verhaltensmaßregeln in der Corona-Pandemie hin.
Aufmunternde Botschaft: Ein Transparent an der Bahnunterführung weist auf die wichtigsten Verhaltensmaßregeln in der Corona-Pandemie hin. | Foto: Bernhard Margull

Angebote in Corona-Krise

Ottersweierer Rathaus unterstützt Einzelhandel und Gastronomie

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Mit einer Übersicht über den Liefer- und Abholservice der Ottersweierer Einzelhändler und Gastronomen unterstützt die Ottersweierer Gemeindeverwaltung die Betriebe. Auch Vereine engagieren: Das DRK hat einen Einkaufsservice eingerichtet, und auch die Fußballer des FVO möchten helfen.

Es ist eine freundliche Aufmunterung in schwierigen Zeiten. Ein Transparent an der Bahnunterführung in Ottersweier ruft zum Zusammenhalt auf, „gemeinsam schaffen wir das“, heißt es da. Auf wen die Aktion zurückgeht, weiß Bürgermeister Jürgen Pfetzer nicht. „Aber die Idee ist klasse und kreativ. Super, welch pfiffige Köpfe es in unserer Gemeinde gibt.“

Stimmung ist sehr angespannt

Aufmunterung sei auch in Ottersweier willkommen, die Stimmung bei Einzelhandel und Gastronomie sei wie überall sehr angespannt: „Es stehen Existenzen auf dem Spiel. Deshalb war es auch wichtig, dass Bund und Land Hilfspakete schnüren.“

Für Kleinstunternehmen seien aber nur Zuschüsse wirklich hilfreich, die nicht zurückgezahlt werden müssten und kurzfristig Liquidität brächten; bei größeren Betrieben könnten Kurzarbeitergeld, Stundung von Sozialabgaben oder zinsfreie Kredite das Mittel der Wahl sein.

Insgesamt habe die Politik einen guten Kompromiss gefunden: „Jetzt müssen nur Angebot und Nachfrage unbürokratisch zusammengebracht werden. Im Gastronomiebereich haben viele Betriebe ganz geschlossen und quasi ihre Betriebsruhe vorgezogen. Das funktioniert aber nur für einen definierten Zeitraum.“

Liste wächst ständig

Im Ottersweierer Rathaus ist nun eine Liste entstanden, die eine Übersicht über die verschiedensten Angebote der lokalen Einzelhändler und Gastronomen bietet und auf der Homepage www.ottersweier.de zu finden ist.

„Zunächst durften viele Einzelhändler und die Gastronomiebetriebe unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln noch geöffnet haben, aber schon kurze Zeit später mussten die meisten Betriebe durch die Corona-Verordnung des Landes schließen“, erläutert Pfetzer den Hintergrund.

„Im Rathaus haben wir schnell reagiert und uns Gedanken gemacht, wie wir Werbung machen können für die neu entstandenen und bereits bestehenden Abhol- und Lieferserviceangebote im Ort, da ja auch die Bevölkerung durch die Kontaktsperre nicht mehr so mobil ist.“ So sei die Liste mit Kontaktadressen entstanden: „Sie wächst ständig“, freut sich der Bürgermeister.

„Also handelt jetzt!“

Das Motto laute: „Lokal einkaufen und die notleidenden Betriebe unterstützen.“ Das sei jetzt überaus wichtig: „Wenn wir das alle nicht beherzigen, müssen wir uns nicht wundern, wenn es manche Betriebe nach der Pandemie nicht mehr gibt. Das Wehklagen ist dann groß, also handelt jetzt!“

Das Miteinander wird gestärkt

Ideen wie diese, die das Miteinander in einer dörflichen Gemeinschaft stärken, seien meist mit wenig Geld und Aufwand umzusetzen: „Man muss es einfach nur tun.“ In diesem Fall habe eine Auszubildende im Rathaus einfach all jene Betriebe abtelefoniert, die der Verwaltung bekannt seien oder von denen sie vermutet habe, dass sie Essen und Trinken oder sonstige Waren im Liefer- oder Abholservice anbieten: „So entstand eine erste Liste, die nun ständig erweitert wird, wenn sich wieder ein einheimischer Betrieb bei uns meldet.“

Bürgermeister zieht den Hut vor gelebter Solidarität angesichts des Coronavirus

Und manche Betriebe unterstützten sich gegenseitig. So weiß Jürgen Pfetzer auch von Beispielen aus Ottersweier, „wo Unternehmen der Region aus der gleichen Branche untereinander Absprachen getroffen haben, dass sie sich bei etwaigen Betriebsunterbrechungen durch Corona-Fälle in der Belegschaft gegenseitig aushelfen. Das ist bei aller Konkurrenzsituation gelebte Solidarität, vor der man nur den Hut ziehen kann.“

Mit einem Einkaufsservice möchte der DRK-Ortsverein Ottersweier Menschen helfen, die sich in der Corona-Krise nicht selbst versorgen können. Innerhalb zweier Tage ist das Angebot auf die Beine gestellt worden. Seit sieben Jahren werde ein DRK-Einkaufsservice für ältere Mitbürger angeboten, berichtet Bürgermeister Jürgen Pfetzer als Vorsitzender des Ortsvereins.
Ein Team ehrenamtlicher Fahrer habe einmal wöchentlich mit dem Sozialkombi die Kunden zum Einkaufen in Ottersweierer Geschäfte gefahren. Bei einer Risikogruppe sei das nun nicht mehr möglich: „Also haben wir den Spieß umgedreht. Derzeit versorgen mehrere Fahrer in einer 1:1-Betreuung jeweils einen unserer bisherigen Kunden mit Lebensmitteln. Damit ist der Kombi frei geworden für einen generellen Abhol- und Lieferservice für Personen aus der Risikogruppe und für Mitmenschen in Hausquarantäne“, so Pfetzer.
Der Edeka-Markt Falk unterstütze dies, indem er zum Schutz der Helferteams den Einkauf ohne Kundenkontakt ermögliche und mit einer vorgefertigten Liste das Ausfüllen des Einkaufszettels erleichtere. 20 Helferinnen und Helfer seien eingebunden: Mitglieder des bisherigen Fahrerteams, „aber auch Mitmenschen, die einfach was Gutes tun wollen“. Außerdem biete die Seniorenmannschaft des FV Ottersweier ihre Mitarbeit und weitere Dienstleistungen an, etwa das Gassigehen mit dem Hund für ältere Mitbürger oder Personen in Hausquarantäne. Ab nächster Woche werden dienstags die Einkaufszettel abgeholt und am anderen Morgen die Lebensmittel geliefert. Auf verschiedenen Kanälen werde das Angebot beworben: „Eine Werbefirma hat uns kostenlos das Layout gesponsort und sogar einen Kurzfilm, der den Ablauf des Einkaufsservices anschaulich erklärt. Außerdem stehen wir in Kontakt mit dem Bühler Tafelladen. Wenn dies von den Ottersweierer Tafel-Kunden gewünscht wird, fahren wir auch denen die Einkäufe zu“, so Pfetzer.