DENKMALGESCHÜTZT: Im Garten links neben dem Kinder- und Familienzentrum soll der dreigeschossige Neubau für Mensa, Schülercafé und Klassenräume entstehen. | Foto: Ulrich Coenen

Campus Bühl

Pavillon wird zum großen Kubus

Vom zweistufigen Wettbewerb „Campus Bühl“ ist nicht viel übrig geblieben. Ulrike Beckmann-Morgenstern (Plan 7 Architekten aus Stuttgart), die die Konkurrenz im Mai 2017 gewonnen hat, stellte im Gemeinderat das modifizierte Konzept für den Neubau der Mensa im Garten des Kinder- und Familienzentrums in der Luisenstraße vor. Statt eines eleganten eingeschossigen Pavillons soll dort nun ein großer dreigeschossiger Kubus entstehen, der neben Mensa und Schülercafé in den Obergeschossen vier Klassenräume und zwei Lernateliers aufnehmen soll.

Völlig überraschend

Für die Mitglieder des Gemeinderates waren diese Pläne, die in den vergangenen Monaten in nicht öffentlichen Sitzungen vorberaten wurden, nicht neu. Die Öffentlichkeit wurde aber völlig überrascht. In der Verwaltungsvorlage heißt es, die Überarbeitung sei in Gesprächen mit den Schulleitungen der Aloys-Schreiber-Schule und der Carl-Netter-Realschule sowie dem Jugendrat abgestimmt worden. Klaus Dürk, Fachbereichsleiter Bildung, Kultur und Generationen im Rathaus, wies in der Ratssitzung darauf hin, dass die Stadt hinter dem 2015 beschlossenen Schulraumprogramm herhinke und Handlungsbedarf bestehe.
Der dreigeschossige Kubus ist an seiner dem Kinder- und Familienzentrum zugewandten Ostseite großflächig aufgebrochen. Dort befindet sich im ersten Obergeschoss eine Terrasse, die die gesamte Gebäudebreite und zwei Stockwerke einnimmt.

„Spannungsvolle Räume“

Die Architektin sprach in ihrer Präsentation von einer „Stadtloggia“. Im gesamten Gebäude gibt es fast keinen rechten Winkel. Das ist einerseits der Einordnung des Kubus in den städtebaulichen Zusammenhang und dem Verlauf der angrenzenden Straßen geschuldet. Plan 7 Architekten orientieren sich mit dem Neubau an der benachbarten Mediathek. Andererseits gibt es für die schräg laufenden Wände (vor allem im Innenraum) gestalterische Gründe. Die Architektur wirkt dynamischer. Beckmann-Morgenstern sprach von „spannungsvollen Räumen“.

Der Entwurf von Plan 7 Architekten (Stuttgart) zeigt in der Mitte den geplanten Neubau für Mensa und Klassenräume, rechts das denkmalgeschützte Kinder- und Familienzentrum und links die bereits bestehende Sozialstation St. Elisabeth. | Foto: Plan 7 Architekten

Die ursprünglich für den eingeschossigen Pavillon vorgesehenen Funktionen Mensa (für Aloys-Schreiber-Schule und Realschule) und Schülercafé finden sich im Erdgeschoss. Auf Wunsch der Stadt lassen sich beide Räume zusammenschalten und sind in Richtung Campus orientiert. Neu im Raumprogramm ist ein Büro für den Sozialarbeiter.

Drei Hochbauten im Wettbewerb

Die Klassenräume in den beiden oberen Geschossen sollten ursprünglich in den geplanten Neubau der Turnhalle auf dem Gelände der Aloys-Schreiber-Schule integriert werden. Neben dem kleinen Pavillon auf dem Gelände der Realschule war die Turnhalle mit zusätzlichen Klassenzimmern der dritte Hochbau, der im Wettbewerb „Campus Bühl“ gefordert wurde. Von Anfang an war dabei klar, dass zunächst Mensa/Schülercafé, dann der Schulpavillon und zuletzt die Turnhalle mit den neuen Klassenräumen realisiert werden sollten. Oberbürgermeister Hubert Schnurr berichtete nach der Sitzung auf Anfrage dieser Zeitung, dass die teure und dringend notwendige Sanierung des Windeck-Gymnasiums dafür verantwortlich ist, dass die Turnhalle wesentlich später als beabsichtigt gebaut werden kann. Die bereits jetzt benötigten Klassenräume werden deshalb in das Mensa-Gebäude integriert.

Absprache mit Landesdenkmalpflege

In den beiden Obergeschossen des Neubaus, den Ulrike Beckmann-Morgenstern vorstellte, sind an der Westseite jeweils zwei Klassenzimmer und dazwischen ein Lernatelier vorgesehen. Diese werden durch einen breiten Korridor erschlossen, der sich zur „Stadtloggia“ öffnet. Zunächst hatten die Architekten versucht, das geforderte Raumprogramm in einem zweigeschossigen Baukörper zu verwirklichen. Das war nicht möglich. Um ein zweites Treppenhaus (mit Fluchtweg) zu sparen, wollen die Architekten den Neubau mit einem gläsernen Steg an das Obergeschoss des denkmalgeschützten Kinder- und Familienzentrums anschließen. Dies muss aber noch mit der Landesdenkmalpflege abgestimmt werden. Der Neubau soll rund vier Millionen Euro kosten.

Diskussion im Gemeinderat

Dem preisgekrönten Pavillon, mit dem Plan 7 Architekten vor einem Jahr den Wettbewerb „Campus Bühl“ gewonnen haben, trauerte im Gemeinderat kaum jemand nach. „Die Mehrgeschossigkeit ist dem Zeitdruck geschuldet“, meinte etwa Pit Hirn (SPD). Während der dreigeschossige Kubus mit den Klassenräumen beschlossene Sache war, gab es im Hinblick auf gestalterische Elemente und Details ganz erhebliche Abstimmungsprobleme. Letztendlich wurde die Forderung der CDU nach einer Alternativplanung für ein Gebäude mit ausschließlich rechten Winkeln in einer Kampfabstimmung abgelehnt.

„Ein überzeugendes Konzept“, urteilte Karl Ehinger (FW). „Das Haus hat eine hohe Aufenthaltsqualität.“ Margret Burget-Behm (CDU) warnte vor den „schrägen Wänden“ und den damit verbundenen höheren Kosten. Der Wettbewerbserfolg habe ihr besser gefallen, meinte sie. „Der Neubau mit den Klassenräumen macht vor dem Hintergrund der Schülerzahlen Sinn“, stellte Lutz Jäckel (FDP) fest. „Die neuen Klassenzimmer sind für Aloys-Schreiber-Schule und Realschule gut nutzbar.“ Bernd Bross (CDU) sprach von einem Projekt, das an dieser Stelle sinnvoll sei.

Hubert Oberle (CDU) warnte wegen der fehlenden Rechtwinkligkeit der Räume vor Mehrkosten in der Größenordnung von zehn Prozent. Walter Seifermann (GAL) sprach von einer „sehr guten Planung“. Im Übrigen gebe es „kein Recht auf rechte Winkel“. Heidrun Zeus (SPD) verteidigte die dynamischen Formen. „Die Schüler finden das cool, das kommt an“, sagte sie. „Man muss mit dem Zeitgeist gehen. „„Man kann auch schräge Wände akzeptieren“, fand Barbara Becker (SPD). Es sei aber durchaus legitim über zusätzlich anfallende Kosten zu sprechen, konstatierte Daniel Fritz (CDU).