Geöffnet: Für besonders dringende Anliegen hält die Stadt Bühl ihren Bürgerservice aufrecht. | Foto: Bernhard Margull

Bürgerbüro weiterhin offen

Personalausweis erneuern oder Ummelden ist in Bühl in Zeiten von Corona nicht nötig

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Es sind die Einschnitte im persönlichen Leben, die der Corona-Krise ihre Dramatik geben, Einzelschicksale, Existenzsorgen, Fragen zu immer wieder neuen Verordnungen. Die Kommunal-Verwaltungen stellen sich mit Improvisationsgeist der Herausforderung, den Laden am Laufen zu halten. Es ist der Spagat der Kommunen zwischen Bürgerservice und Sicherheit für die Mitarbeiter.

Die Beschäftigten in den kommunalen Verwaltungen sind in diesen Tagen verstärkt gesuchte Ansprechpartner. „Wir haben viele Anfragen von Gewerbetreibenden“, berichtet Xaver Kleinhans von der Gemeinde Rheinmünster.

Gewerbetreibende haben Fragen zu Förderprogrammen

Teilweise gehe es um schlichte Interpretationshilfe im stetig wachsenden Dschungel der Corona-Verordnungen, oft auch um individuelle Schicksale, so der Sachgebietsleiter Ordnungsamt.

Da fragt dann der Inhaber eines Betriebs nach, was der gerade entlassene Arbeitnehmer machen muss, um die ihm zustehende staatliche Unterstützung zu erhalten. Andere Unternehmer erkundigen sich, wie sie in die für die Krise vom Bund aufgelegten Förderprogramme kommen.

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Die Sorgen der Gewerbetreibenden und darunter natürlich vieler Gastronomen sind eine Facette, mit denen die Verwaltungen täglich konfrontiert werden. Die Anliegen des Bürgers als Privatmann eine weitere.

Bürgerbüro in Bühl ist trotz Coronavirus weiterhin geöffnet

Die Stadt Bühl erhält als eine der wenigen Kommunen im weiten Umkreis noch ihren Bürgerservice als direkte Anlaufstelle bei nachvollziehbar wichtigen Anliegen aufrecht. Die Resonanz ist beachtlich. „Wir hatten in der vergangenen Woche durchschnittlich 40 Personen pro Tag“, berichtet Sandra Liebich vom städtischen Bürgerservice-Center, inzwischen lasse die Frequenz aber etwas nach.

Die Stadtverwaltung Bühl versucht auch weiter, den bestmöglichen Service zu bieten. | Foto: jös

Die Bandbreite der Dienstleistungen ist dabei groß: Ein Mediziner, der eine Praxis eröffnen will, braucht ein Führungszeugnis, in einem anderen Fall holt zum Beispiel ein Bürger einen dringend benötigten Personalausweis ab. „Im Passwesen sind das aber dann wirklich Sonderfälle, wenn jemand Bankgeschäfte erledigen muss oder Notariatsangelegenheiten“, erklärt Sandra Liebich.

Personalausweis beantragen und Ummelden ist derzeit nicht nötig

Einfach mal so einen „Perso“ beantragen, nur weil der alte abläuft, ist nicht drin. Hier habe der Gesetzgeber vorausschauend die Fristen verlängert. Selbiges gelte auch für Wohnsitzmeldungen. „Die können bis sechs Monate rückdatiert werden“, erläutert die Fachfrau.

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Doch es gibt noch jede Menge andere Dinge, die über den Bürgerservice abgewickelt werden: Wer zum Beispiel seinen Führerschein-Entzug abgebrummt hat, bekommt das begehrte Dokument natürlich zeitnah zurück. „Zudem sind wir Anlaufstelle für die Empfänger von Sozialleistungen, für Geflüchtete oder für Obdachlose“, benennt Sandra Liebich den Kundenkreis. Mittels ausgeklügelter Logistik und unter maximal möglichen Sicherheitsvorkehrungen werden diese Kunden versorgt.

Es ist eine komplexe Herausforderung, die die kommunalen Verwaltungen in ihren Rathäusern derzeit leisten, um in vollem Umfang handlungsfähig zu bleiben. Dabei sollen zuvorderst die eigenen Leute gesund bleiben. Improvisationsgeist gehört da definitiv dazu.

Baupläne per Mail versenden

Ein Beispiel liefert die Gemeinde Bühlertal. Das Rathaus ist für den Publikumsverkehr geschlossen. Und eigentlich könnte es nun passieren, dass angesichts der äußeren Umstände bei einem Baugesuch die Beteiligung der Nachbarn bis zum St.-Nimmerleins-Tag aufgeschoben werden müsste.

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Das will man in der Talgemeinde natürlich nicht. „Damit die Nachbarn die Pläne einsehen könnten, digitalisieren wir sie, wenn nötig, und schicken sie dann per E-Mail“, berichtet Frank Bühler. Und das klappt nach Aussage des Chefs des Haupt- und Baurechtsamts auch „ganz gut.“

Bei Todesfällen steht das Rathaus zur Verfügung

Der so genannte Publikumsverkehr lässt sich aber nie ganz vermeiden. Beispiel: Todesfälle. Wenn die Bestatter mit den Dokumenten anrücken, muss da zwingend eine behördliche Unterschrift drauf.

Das geschieht nach telefonischer Absprache – die Bestatter liefern die Papiere an, deponieren sie, der Verwaltungsmitarbeiter holt die Unterlagen, bearbeitet sie und bringt sie zurück. Der wartende Bestatter sammelt sie am Übergabe-Ort wieder ein.

Homeoffice geht auch bei Mitarbeiter des Bürgerbüros in Ottersweier

Auch die Bühlertäler Verwaltung will freilich die maximale Funktionsfähigkeit aufrecht erhalten. „Ein guter Teil der Kernmannschaft arbeitet im Rathaus“, so Frank Bühler, die anderen leisten ihren Dienst zuhause, sprich sie sind im Homeoffice. „Damit haben wir immer eine Personalreserve, falls jemand krank werden sollte.“

Diese überlegte Aufteilung pflegt auch die Gemeinde Ottersweier. „Wir haben unsere Belegschaft im Rathaus schon früh auf die halbe Zahl zurückgesetzt“, so Bürgermeister Jürgen Pfetzer. Ein Teil der Mitarbeiter befinde sich im Homeoffice, andere bauen Überstunden oder Alturlaub ab. Damit gibt es auch in der Lindengemeinde immer eine Personalreserve, damit die Verwaltung handlungsfähig bleibt.

Keine Hochzeiten in Ottersweier wegen Covid-19

Die Gemeinde Ottersweier hat in diesen Zeiten ihr Informationsangebot im Internet stark ausgebaut. „Wir aktualisieren unsere Homepage täglich“, so Jürgen Pfetzer. Dazu gehöre der Hinweis auf den Lieferservice der Einzelhändler und Gastronomiebetriebe. Der Ottersweierer Bürgermeister hofft, dass sich die Bürger gerade in Krisenzeiten auf die einheimischen Gaststätten und Geschäfte besinnen.

Hochzeiten wird es in Ottersweier in den nächsten Wochen nicht mehr geben. Die jüngste standesamtliche Trauung fand – in der aktuell erlaubten Maximal-Besetzung mit Brautpaar und zuständiger Amtsperson – vorige Woche statt. „Erst einmal nehmen wir keine neuen Termine mehr an“, so Pfetzer.

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Mit der Disziplin seiner Ottersweierer ist der Schultes in diesen Zeiten sehr zufrieden. Der Gemeinde-Vollzugsdienst kontrolliert täglich, ob das „Kontaktverbot“ eingehalten werde. „Es funktioniert hervorragend“, so Pfetzer. Und eine Erfahrung freut wohl auch die vielen Helden in allen anderen Behörden: „Die Leute wissen zu schätzen, was eine funktionierende Kommunalverwaltung wert ist.“