SCHWERER UNFALL EINES FAHRRADFAHRERS: Im Bereich des Polizeireviers Bühl hat sich die Zahl der Radfahrunfälle um ein Drittel erhöht. Die Mehrzahl dieser Unfälle hatten die Radfahrer laut Polizei selbst verursacht. | Foto: Gress/dpa

Unfallstatistik für 2019

Polizeirevier Bühl sieht sich mit steigender Zahl von Fahrradunfällen konfrontiert

Anzeige

Nur auf den ersten Blick hat sich das Unfallgeschehen kaum verändert: Die Zahlen sind im Bereich des Polizeireviers Bühl konstant geblieben, aber gerade Unfälle mit Radfahrern haben stark zugenommen. Meist waren sie von den Radfahrern selbst verursacht.

Die Zahl der Radfahrunfälle ist im vergangenen Jahr um rund ein Drittel auf 63 gestiegen. Das ist das auffälligste Merkmal der Unfallstatistik, die das Polizeirevier Bühl jetzt vorgelegt hat. Insgesamt ist die Unfallzahl nahezu unverändert geblieben.

Polizei musste achtmal mehr als im Vorjahr ausrücken

1.377-mal musste die Polizei ausrücken, achtmal mehr als im Vorjahr, wie Revierleiter Rolf Fritz im ABB-Gespräch sagte. Allerdings wurden deutlich mehr Menschen verletzt als im vorangegangenen Jahr, was Fritz neben den üblichen Schwankungen vor allem auf die Zunahme der Radfahrunfälle zurückführt. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden stieg um 21 auf 155, verletzt wurden 201 Personen, was gegenüber 2018 eine Steigerung um 26,4 Prozent bedeutet. 33 Personen wurden schwer verletzt (2018:24), ein Mensch wurde getötet, 2018 waren es zwei gewesen.

Auch interessant: Polizei sieht trotz steigender Fallzahlen Bühl als sicheres Pflaster an

Weniger Unfälle nahm die Polizei bei Lastwagen (34/42) und motorisierten Zweiräder (28/37) auf. Bei 13 Unfällen, einem mehr als im Vorjahr, waren Fußgänger beteiligt.

E-Bikes machen sich bemerkbar

Sowohl im Bereich der Stadt Bühl als auch in den Umlandgemeinden seien im Vergleich zu 2018 nur sehr geringe Veränderungen zu erkennen. Überall seien mehr Fahrradunfälle gemeldet worden, sagte Fritz. Das habe seinen Grund in der hohen Zahl beteiligter E-Bikes. Viele, meist ältere Menschen, entschieden sich nach langer fahrradfreier Zeit für ein solches Gefährt: „Sie sind dann teilweise überfordert.“ So würden Strecken angegangen, „die sie mit dem normalen Fahrrad nie in Angriff nehmen würden. Wenn er mit dem Mountainbike im Schwarzwald unterwegs sei, treffe er Pedelec-Fahrer, „die in dem Gelände nicht laufen könnten“.

Mehr zum Thema: Sollten Pedelec-Fahrer einen Führerschein machen müssen?

Auffällig sei, dass von den 63 Radunfällen 40 durch die Radfahrer selbst verursacht wurden; es gab 45 Leicht- und 13 Schwerverletzte. Eindringlich appelliert Fritz an die Radfahrer, ob „klassisch“ oder E-Bike, einen Helm zu tragen, „auch auf kurzen Strecken“.

Helmverzicht birgt hohes Risiko

Gerade die älteren E-Bike-Nutzer verzichteten viel zu oft darauf. Das sei ein hohes Risiko: „Selbst ein Umfallen aus dem Stand kann ohne Helm zu schwersten Kopfverletzungen mit Langzeitfolgen führen. Auch sollten wir alle für Kinder und Jugendliche als Vorbilder dienen.“

Ungeübtes Fahren können wir nicht verwarnen

Rolf Fritz, Leiter Polizeirevier Bühl

Zwei E-Bikes gehören zum Fuhrpark des Reviers. Die Kollegen, die damit unterwegs seien, sprächen die Menschen bei Fehlverhalten an: „Schlechten Umgang und ungeübtes Fahren mit dem Pedelec können wir aber nicht verwarnen. Da kann man nur an die Vernunft der Bürger appellieren.“

Die Unfälle seien meist auf Unachtsamkeit, zu hohe Geschwindigkeit oder Fahr- und Bedienungsfehler zurückzuführen, ganz selten auch auf durch das Smartphone abgelenkte Radfahrer.

Kritischer Blick auf Schulwege

Von drei auf sechs verdoppelt hat sich die Zahl der Schulwegunfälle. Kein einziger davon, sagt Fritz, wäre durch bauliche Veränderungen oder sonstige Maßnahmen zu verhindern gewesen: „Die Schulwege, gerade im Umfeld der Schulen, sind sicher. Städte und Gemeinden haben ihre Hausaufgaben gemacht.“

Auch interessant: Rolf Fritz leitet jetzt das Bühler Polizeirevier

Gleichwohl blicke die Polizei, Stichwort Taxi Mama, kritisch auf diese Bereiche. „Das ist bei einigen Schulen, besonders in den Umlandgemeinden, ein Problem. Die Autos fahren so nah als möglich an die Schulen und schaffen dort ein Chaos, das auch zu gefährlichen Situationen führt.“ Deshalb hätten die zuständigen Polizeiposten diese Bereiche im Blick und kontrollierten regelmäßig. Schulwegüberwachungen seien auch nicht auf die Tage nach den Ferien beschränkt: „Das machen wir das ganze Jahre über.“