Die Raiffeisenhalle in Bühl entstand im Jahr 1953 nach Plänen des Architekten Erich Grossmann. Das Gebäude steht seit längerer Zeit leer. | Foto: Ulrich Coenen

Raiffeisenhalle Bühl

Statt Partys ist jetzt Schwitzen angesagt

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Partys in kultiger Loft-Atmosphäre wird es nicht geben. Die Pläne für eine Event-Gastronomie in der denkmalgeschützten Raiffeisenhalle am westlichen Ende der Meister-Erwin-Straße haben sich zerschlagen. Jetzt soll ein Fitness-Center in das ehemalige Gewerbegebäude einziehen.

Drei Architekten als Eigentümer

Die drei Architekten Martin Braun (Achern), Sabine Fritz und Jeffrey Seidt (beide Rastatt) haben das sechs Jahrzehnte alte Bauwerk 2015 von der VSG Schwarzwald-Granit Werke erworben und inzwischen entrümpelt. Seine Partytauglichkeit hat das Haus noch im selben Jahr bei der ersten Bühler Business-Party der Stadt unter Beweis gestellt. „Es gibt zweifellos einen Bedarf für Event-Gastronomie in Bühl“, meinen die Eigentümer. Trotz zahlreicher Anfragen von Feierwilligen nach den großen Veranstaltungsräumen in der Raiffeisenhalle gelang es ihnen aber nicht, einen Mieter zu finden. Jetzt soll ein Fitness-Studio, das im Franchise-System betrieben wird, einziehen. Der neue Mieter betreibt bereits mehrere Studios, eines davon in Achern.

Wenige Eingriffe in Denkmalsubstanz

Die drei Architekten sind über diese Entwicklung nicht unbedingt traurig, denn für die neue Nutzung sind nur wenige Eingriffe in die Denkmalsubstanz notwendig. Einen Bauantrag wollen sie noch in diesem Monat bei der Stadt Bühl stellen, im ersten Quartal 2019 soll das Fitness-Studio eröffnet werden.

Die Raiffeisenhalle wird auf beiden Stockwerken durch Stahlstützen gegliedert. Störende Einbauten sind für das Fitness-Studio nicht nötig. | Foto: Ulrich Coenen

Die Raiffeisenhalle steht in einem alten Gewerbegebiet entlang der Bahnlinie mit diffusen Strukturen. Die Sanierung des Baudenkmals trägt ohne jeden Zweifel zur Neuordnung und Belebung des Quartiers bei. Mit einem chaotischen Parksuchverkehr rechnet Oberbürgermeister Hubert Schnurr nach der Eröffnung des Fitness-Studios nicht. Die ursprünglich geplante Event-Gastronomie hätte sicherlich mehr Besucher angezogen.

„Fitnessstudios haben wir genug“

Eventräume hätte die Stadt lieber an dieser Stelle gesehen. So trauert der OB den gescheiterten Plänen der Eigentümer nach. „Einen Bedarf gibt es sicher“, meinte er. „Fitness-Studios haben wir eigentlich genug in der Stadt.“

Das sehen die Betreiber der etablierten Fitness-Studios auch so. Sie wurden bei Schnurr vorstellig, offensichtlich um den neuen Konkurrenten zu verhindern. „Das ist aber baurechtlich nicht möglich“, sagt der Oberbürgermeister. „Wir werden als Stadt nicht in den freien Wettbewerb eingreifen. Außerdem bewegt sich das Franchise-Unternehmen in einem deutlich niedrigerem Preissegment und bedient damit ein anderes Publikum.“

Die Stadt will im Rahmen der Baugenehmigung in jedem Fall auf den Nachweis der notwendigen Stellplätze achten. „Davon werden wir nicht abweichen“, erklärt Schnurr.

Die Abfüllanlage bleibt erhalten. | Foto: Ulrich Coenen

Die seit vielen Jahren leer stehende Raiffeisenhalle ist eines der jüngsten Kulturdenkmäler in Bühl. Sie wurde am 17. November 2015 in die Denkmalliste eingetragen.

Seltenes Kulturdenkmal

„Es handelt sich um ein Kulturdenkmal aus wissenschaftlichen (baugeschichtlichen) und heimatgeschichtlichen Gründen, an seiner Erhaltung besteht ein öffentliches Interesse“, heißt es zu Begründung der Landesdenkmalpflege. „Das Objekt ist in seiner ursprünglichen Baugestalt und seiner technischen Ausstattung sehr gut überliefert und ist deshalb ein wichtiges bau-, sozial- und wirtschaftsgeschichtliches Dokument von hohem dokumentarischen Wert. In Baden-Württemberg sind nur wenige Objekte in der vorliegenden Integrität erhalten geblieben. So besitzt das Bühler Gebäude Seltenheitswert, denn die Denkmalliste enthält nur drei weitere Speicherbauten der Raiffeisen-Genossenschaft.“

1953 nach Plänen von Erich Grossmann erbaut

Die Raiffeisenhalle entstand im Jahr 1953 nach Plänen des Bühler Architekten Erich Grossmann. Der zweigeschossige Massivbau mit Satteldach über hohem Kellergeschoss ist ein schlichter Funktionsbau mit den beachtlichen Abmessungen 35 mal 15 Metern. Die Außenarchitektur wird an der Nord- und der Westseite durch ein umlaufendes Vordach und eine Rampe geprägt.

Die Güter- und Sackrutsche soll ebenfalls erhalten bleiben. | Foto: Ulrich Coenen

Der großzügige Innenraum ist reizvoll und bietet viele gestalterische Möglichkeiten. Zwei Stützenreihen teilen alle drei Ebenen in drei Schiffe. Die Stahlstützen gliedern die Grundfläche jedes Stockwerks in quadratische Module mit einer Seitenlänge von 3,8 Metern. Die Stahlkonstruktion trägt wiederum eine Holzbalkendecke. Diese unterschiedlichen Materialien bestimmen den Reiz des Innenraums. Auch die zweite Ebene des Dachgeschosses unter dem First ist begehbar und erlaubt den Einblick in eine handwerklich gelungene Zimmermannskonstruktion. Im Zentrum der Halle befindet sich der alte Lastenaufzug, daneben die noch original erhaltene Abfüllanlage für Getreidesäcke, die sich über zwei Geschosse erstreckt, und eine Güter- Sackrutsche. Zur Halle gehört ein kleines Nebengebäude an der Ostseite, das mit dieser durch einen kleinen Hof verbunden ist. Dort sollen nach dem Willen der Eigentümer Büroräume entstehen, die nicht durch das Fitness-Studio, sondern durch einen zweiten Mieter genutzt werden sollen. Das Dachgeschoss bleibt zumindest vorerst ungenutzt.