Hugo-Häring-Auszeichung im Jahr 2014: Das Unimog Museum in Gaggenau entstand nach Plänen des Architekten Florian Kohlbecker in seiner Heimatstadt.
Hugo-Häring-Auszeichung im Jahr 2014: Das Unimog Museum in Gaggenau entstand nach Plänen des Architekten Florian Kohlbecker in seiner Heimatstadt. | Foto: Coenen

Jury sollte in Rastatt tagen

Bedeutende Architektur-Auszeichnung: Corona-Pandemie legt Hugo-Häring-Preis lahm

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Das hat es in mehr als einem halben Jahrhundert nicht gegeben. Der wichtigste Architekturpreis in Baden-Württemberg muss wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Eigentlich sollte die Jury für den Hugo-Häring-Preis, auch „Hugo“ genannt, in der Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenaukreis des Bundes Deutscher Architekten (BDA) an diesem Wochenende in Rastatt tagen. Jetzt muss der Wettbewerb in die zweite Jahreshälfte verschoben werden.

Der BDA-Kreisvorsitzende Urban Knapp ist ein wenig genervt. Direkt zu Beginn des Jahres hatte er den „kleinen Hugo“ – der Preis wird zunächst auf Kreisebene verliehen, bevor ein Jahr später beim Landesentscheid der „große Hugo“ winkt – geplant. Das fünfköpfige Preisgericht wurde berufen, Rastatts Bau-Bürgermeister Raphael Knoth, der dem Gremium angehört, hatte sich bereit erklärt, als Gastgeber zu fungieren.

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Als der Wettbewerb, der nur alle drei Jahre stattfindet, schließlich am 1. April landesweit für alle 15 Kreisgruppen ausgelobt wurde, hatte die Pandemie ihren Höhepunkt in Deutschland erreicht.

Mir war sofort klar, dass es in diesem Jahr nicht so laufen wird wie immer

Urban Knapp, BDA-Kreisvorsitzender 

„Mir war sofort klar, dass es in diesem Jahr nicht so laufen wird wie immer und wie wir uns das wünschen“, meint Knapp im Gespräch mit dieser Redaktion. „Auf dem Weg zu den Bauwerken, die in die engere Wahl kommen, sind die Juroren und ihre Begleiter in einem Mini-Bus unterwegs. Nicht nur die öffentlichen Gebäude, sondern auch Privathäuser werden vom Preisgericht besichtigt.“

Im Hinblick auf die durchaus sinnvollen Hygienevorschriften, die eine weitere Verbreitung der Pandemie verhindern sollen, ist das nicht unproblematisch.

Ein Preisträger ist das Gästehaus der Landesakademie für Schulkunst in Gaggenau. Das 1995 fertiggestellte Werk von Karlhans Hirschmann und Otfried Weis wurde im Rahmen des Hugo-Häring-Preises ausgezeichnet. | Foto: Ulrich Coenen

Knapp und andere Kreisvorsitzende machten den Landesverband in Stuttgart auf die Schwierigkeiten aufmerksam. Eine Verschiebung des Wettbewerbs um drei, sechs oder zwölf Monate wurde diskutiert. „Die Mehrheit der Kreisgruppen hat sich für ein Jahr ausgesprochen“, berichtet Knapp.

Dazu kam es nicht. Immerhin wurde die Ausschreibung, die eigentlich bereits am 15. Mai enden sollte, bis zum 15. August verlängert. Bewerben können sich neben Architekten übrigens auch Bauherrn.

Die denkmalgeschützte Volksbank Baden-Baden wurde nach Plänen von KHP Architekten umgebaut und erhielt 2014 die Hugo-Häring-Auszeichnung. | Foto: Ulrich Coenen

Aus für den Mini-Bus in der Corona-Krise

Nach jetzigem Stand geht Knapp von einer Jurysitzung nach dem Ende der Sommerferien Mitte September aus. „Wir müssen improvisieren“, räumt der Kreisvorsitzende ein. Anstatt mit einem Klein-Bus sollen die Preisrichter und ihre Begleiter nach der Vorauswahl unter allen Bewerbern, die in Rastatt stattfindet, getrennt in mehreren Autos ihre Rundreise durch Mittelbaden antreten.

„Das hat leider auch Nachteile“, meint Knapp. „Die Diskussionen innerhalb der Jury während der langen Anfahrten, die ein erstes Stimmungsbild ergeben, fallen flach.“

In den Bühler Stadtteilen bleibt das Einfamilienhaus wichtig. Die Villa „Kunstscheune“ nach Plänen des Bühler Architekten Thomas Bechtold erhielt 2017 die Hugo-Häring-Auszeichnung des BDA. | Foto: Ulrich Coenen

Preise mit der Post?

Wann die Preise an die Sieger des Wettbewerbs verliehen werden können, ist ebenfalls noch nicht klar. Anstatt des üblichen großen Festakts wird es wohl nur eine kleine Feier geben. „Notfalls müssen wir Plaketten und Urkunden mit der Post zustellen“, erklärt Knapp. „Das hoffe ich aber nicht.“

In jedem Fall ist der Hugo-Häring-Preis eine tolle Plattform für die Stadt Rastatt

Raphael Knoth, Bau-Bürgermeister von Rastatt

Trotz aller Widrigkeiten freut sich Rastatts Bau-Bürgermeister Raphael Knoth über seine Berufung in die Jury. „Ich habe sofort zugesagt, obwohl ich kein Architekt, sondern Geograf bin“, sagt er.

Durch seine Aufgabe als Baudezernent habe er natürlich ständig mit dem Thema Bauen zu tun. „In jedem Fall ist der Hugo-Häring-Preis eine tolle Plattform für die Stadt Rastatt“, meinte Knoth. „Ich hoffe, dass ich sehr bald Gastgeber für das Preisgericht sein darf.“

Preisträger von 2017: Das Wolkenkuckuckshaus entstand nach Plänen von ÜberRaum Architects aus London in steiler Hanglage in Seebach. | Foto: Ulrich Coenen

Vor drei Jahren hat die Jury übrigens in der Illenau in Achern getagt. Gastgeber war der dortige Bau-Bürgermeister Dietmar Stiefel. Damals wurden elf Auszeichnungen vergeben. Das war Rekord für Mittelbaden.

Der Hugo-Häring-Preis, der seit 1969 vom Landesverband Baden-Württemberg des Bundes Deutscher Architekten (BDA) an Architekten und Bauherren gleichermaßen verliehen wird, ist der wichtigste Architekturpreis in diesem Bundesland.
Seinen Namen verdankt er dem Architekten und Architekturtheoretiker Hugo Häring (1882 bis 1958), dem bedeutendsten Vertreter des Neuen Bauens, der im heutigen Baden-Württemberg geboren wurde. Das Verfahren für den Hugo-Häring-Preis hat sich im Laufe der Zeit verändert. Mit der Einführung der zweistufigen Auszeichnung ab 1978 erhielt es einen dreijährigen Rhythmus.
Anlass war das immer größere Interesse. Wurden 1969 nur 80 Arbeiten eingereicht, waren es 1978 bereits 150 (im Jahr 2014 sogar 719). Dem Wettbewerb auf Ebene der 15 Kreisgruppen folgt seitdem ein Jahr später der Landesentscheid. Dabei vergaben die Kreisgruppen zunächst die Auszeichnung „Gute Bauten“. Die Preisträger auf Kreisebene nehmen ein Jahr später am Landesentscheid um den Hugo-Häring-Preis teil. In Fachkreisen werden diese Preise als „kleiner und großer Hugo“ bezeichnet.
Beim Wettbewerb 2011/12 wurden erstmals die Bezeichnung „Hugo-Häring-Auszeichnung“ (Kleiner Hugo) für die Kreisebene und „Hugo-Häring-Landespreis“ (Großer Hugo) eingeführt.
Anmeldungen für den Wettbewerb sind für Architekten und Bauherren im Internet bis 15. August möglich. www.hugo-häring-preis.de