Das Wohnhaus mit Ökonomietrakt in der Bühler Seite im Bühler Stadtteil Altschweier prägt die Ortsmitte des Dorfes. Es wurde um 1800 erbaut. | Foto: Ulrich Coenen

Denkmalsanierung in Bühl

Neues Leben für Fachwerkhaus mit Flair

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In den vergangenen Jahren sind im Stadtgebiet Bühl eine ganze Reihe denkmalgeschützter Bauwerke abgerissen worden. Häufig wurden wirtschaftliche Gründe geltend gemacht. Trotz der großen steuerlichen Vorteile für Denkmaleigentümer war die Sanierung der Gebäude angeblich wirtschaftlich nicht zumutbar. Für Thomas Vollmer war der Abriss seines Winkelhakenhofes (Bühler Seite 61) im Stadtteil Altschweier, der sich seit drei Generationen in Familienbesitz befindet, hingegen nie ein Thema.

„Es hat Spaß gemacht“

„Das Fachwerkhaus hat Flair“, sagt der Bauherr im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es hat Spaß gemacht, dieses Gebäude zu sanieren.“ Lange genug hat es gedauert. Bereits im Januar 2017 haben die Arbeiten am Bauwerk aus der Zeit um 1800 begonnen, die nun kurz vor dem Abschluss stehen.

Abnahme durch das Denkmalamt

Am Donnerstagmorgen schaute Tina Frühauf vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg für die Endabnahme vorbei. Offensichtlich war sie mit dem engagierten Bauherrn und seinem Architekten Martin Braun, die sich bereits seit ihrer Jugendzeit kennen, zufrieden. Braun hat vor dem Studium eine Lehre als Zimmermann absolviert. Im Hinblick auf die Restaurierung von Fachwerk ist das ein unschlagbarer Vorteil.

Das Haus der Großeltern

„Ich habe das Haus meiner Großeltern 2003 aus einer Erbengemeinschaft abgelöst“, berichtet Vollmer. „Weil ich einige Jahre beruflich in Stuttgart engagiert war, bin ich zunächst nicht dazu gekommen, meine Sanierungspläne umzusetzen.“ Vor eineinhalb Jahren war es dann so weit.

Das Fachwerk wurde im Innenraum zum Teil frei gelegt und in die Raumgestaltung einbezogen. Hier ein zukünftiges Kinderzimmer. | Foto: Ulrich Coenen

„Das Wohnhaus war in keinem guten Zustand und überdies vielfach umgebaut und erweitert“, erinnert sich Martin Braun. Die im rechten Winkel anschließende Scheune stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und steht nicht unter Denkmalschutz.

Zwei Wohnungen

Der Bauherr wird den alten Rebbauernhof nicht selbst bewohnen. Sein Wohnhaus steht nur 200 Meter vom Haus der Großeltern entfernt. Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Baudenkmals entsteht eine Wohnung für eine Familie, ein kleines Apartment wurde auf dem Dachboden hergerichtet. Für beide Wohnungen gibt es bereits Interessenten.

Familienprojekt

Auch Vater Theo Vollmer ist in das Projekt eingespannt. Beim Aufräumen fand er auf dem Dachboden die Unterlagen eines Onkels, der im Zweiten Weltkrieg als Militärpfarrer im Russlandfeldzug eingesetzt war. Zu diesen gehörten 500 Seiten mit den Grabstätten gefallener deutscher Soldaten inklusive präziser Ortsangaben. Die übergab Vollmer dem Roten Kreuz.

Im Weinkeller wird noch gearbeitet. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten plant Bauherr Thomas Vollmer einen Tag der offenen Tür. | Foto: Ulrich Coenen

Kleinteiliger Grundriss

Es war eine anspruchsvolle Aufgabe, im kleinteiligen und durch Umbauten zum Teil verwinkelten Grundriss eine Wohnung mit Räumen einzurichten, die zeitgemäßen Ansprüchen genügt. Im rückwärtigen, nicht denkmalgeschützten Bereich entstand eine neue filigrane Treppen aus Stahl mit Trittstufen aus Eiche, die alle Stockwerke erschließt.

Es gab Enttäuschungen

Enttäuschungen blieben Architekt und Bauherr nicht erspart. Der schöne Fliesenboden in der Küche war nicht zu retten. Er wurde mit modernen Fliesen nachempfunden. Auch der Holzdielenfußboden im Erdgeschoss musste erneuert werden. Im Obergeschoss gibt es hingegen noch die originalen Holzdielen. Ein Teil der originalen Fenster blieb erhalten. Damit dort keine katastrophalen Wärmebrücken entstehen, ließ Braun jeweils Kastenfenster einbauen. Hinter den originalen Fenstern befindet sich nun ein zweites modernes Fenster mit zweifachem Isolierglas.

Sparsame Vorfahren

Überrascht waren Architekt und Bauherr über die zahlreichen Fachwerkpfosten und -riegel, die freigelegt wurden und ungenutzte Zapflöcher zeigten. Offensichtlich wurden die Hölzer aus Tanne, Fichte und zum Teil Eiche bereits bei einem Vorgängerbau verwendet. „Unsere Vorfahren waren eben sparsam“, stellt Martin Braun fest.

Offene Tür für die Nachbarn

Die Sanierung des Rebbauernhofes mitten im Dorf findet in Altschweier großes Interesse. Deshalb hat sich Thomas Vollmer zu einem Tag der offenen Tür entschlossen, an dem er alle Interessenten durch das Baudenkmal führen will. Der Termin steht noch nicht fest. Mitte September ist dafür angepeilt.

Der Rebbauernhof Bühler Seite 61 in Altschweier wurde 1988 von der Kunsthistorikerin Wiltrud Heber vom Landesdenkmalamt für die Denkmalliste der Stadt Bühl erfasst. Heber beschreibt das Kulturdenkmal als Wohnhaus mit Ökonomietrakt über einem massivem Kellergeschoss aus Bruchstein. Das Fachwerkgebäude ist eingeschossig mit Kniestock. Der Giebel ist mit Holz verschalt. Das Wohnhaus trägt ein Krüppelwalmdach mit einem Wetterdach am Giebel. Heber berichtet von einer nicht mehr lesbaren Inschrift am Eckpfosten. Die Denkmaleigenschaft begründet Heber folgendermaßen: „Das Gebäude ist eines der landschaftstypischen Fachwerkgehöfte, wie sie im badischen Rebland viele Jahrhunderte lang gebaut worden sind. An der Erhaltung besteht ein öffentliches Interesse aus heimatgeschichtlichen Gründen.“