Qualitätskontrolle beim neuen Jahrgang: Die Kellermeister Christoph Zeidler und Stefan Steinel (von links) beim Umfüllen von Chardonnay in Eichenfässer. | Foto: Bernhard Margull

Herbstbilanz in Neuweier

Riesling mit kompletter Ausstattung

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Besser geht’s (fast) nicht: Wenn Christoph Zeidler, der Kellermeister der Baden-Badener Winzergenossenschaft, über die zurückliegende Weinlese spricht, gerät er speziell bei einer Sorte ins Schwärmen: „Der Riesling wird ein Riesenspaß. Er hat Geschmack, Struktur, Frucht und Säure.“
Diese Komplettausstattung war nicht zwingend zu erwarten, es schwebten doch einige Fragezeichen über den Weinbergen. Doch hat der Sommer sie ausradiert, wie die Sonne in diesen Tagen morgendlichen Nebel wegwischt. „Die Prognosen waren schwierig“, meint Zeidler. „Menge, Qualität, das war alles offen, weil die Frage der Wasserversorgung nicht gesichert schien. Aber am Ende hatten wir sogar in reduzierten Anlagen mehr drin als erwartet.“ So durfte nach einigen Jahren wieder einmal ein Vollertrag verbucht werden: „Wir haben die 100 Hektoliter pro Hektar ziemlich genau erreicht“, sagt Zeidler; die Fläche der Winzergenossenschaft umfasst etwa 112 Hektar. Für Geschäftsführer Thomas Goth ist das ein sehr willkommenes Ergebnis: „Wir werden mit diesem Herbst wieder über alle Rebsorten hinweg voll lieferbar sein. Zuletzt war das bei verschiedenen kleineren Sorten irgendwann nicht mehr der Fall. Nun haben wir die Mengen, die wir in den Randsorten brauchen, um durchgängig attraktiv zu sein.“

Der wohl letzte eigenständige Herbst

Der wohl letzte eigenständige Herbst der Baden-Badener Winzergenossenschaft (die Fusion mit der Affentaler Winzer eG ist beschlossen, aber im Registergericht noch nicht eingetragen) war in mancherlei Hinsicht außergewöhnlich, wie Christoph Zeidler sagt. Es brauchte Flexibilität – und auch etwas Glück. Hohe Temperaturen hätten zu einem recht warmen und deshalb zu kühlenden Lesegut führen können; aber einerseits habe sich hier der Vollherbster bewährt, der auf etwa 15 Prozent der Fläche zum Einsatz kam und auch frühmorgens unterwegs sein kann, wenn es noch kühler ist. Andererseits „hatten wir das große Glück, dass es pünktlich zum Beginn der Riesling-Lese kühler wurde.“ Die Bedingungen seien perfekt gewesen: „Die Riesling-Lese war traumhaft.“ Kritisch seien die niedrigen Säurewerte gewesen, aber das habe sich im Laufe der Gärung relativiert: „Ich bin überrascht, wie frisch die Weine sind.“

Oechsle allein reichen nicht aus

Die Oechsle-Werte liegen beim Riesling (der etwas mehr als die Hälfte der Rebfläche ausmacht) um die 90 Grad, „mit Ausschlägen nach oben und unten“. Dabei warnt Zeidler davor, zu starr auf die Mostgewichte zu schauen: „Den Winzern sage ich immer, dass wir nur aus Oechsle keinen Wein machen können.“ Die übrigen „inneren Werte“ , etwa die Aromen, seien aber in diesem Jahr ebenfalls so gut, dass vom Qualitätswein über Kabinett bis zur Spätlese schöne Weine zu erwarten seien.
Bei den Burgundersorten schnellten die Mostgewichte auch über die 100-Grad-Marke; der Spätburgunder (er macht rund ein Drittel der Neuweierer Rebfläche aus) kommt dadurch schon auf ein ordentliches Alkoholvolumen von 14 bis 15 Prozent; beim Riesling sind es zwölf bis 13 und damit ein halber Prozentpunkt mehr als im Vorjahr.