Ein kritischer Ort in der Bühler Innenstadt ist im Hinblick auf Vogeldreck nach wie vor die Platane beim Rathaus II. Dort nisten aktuell 16 Paare. | Foto: Bernhard Margull

Ende der Plage

Saatkrähen sind in Bühl kein Problem mehr

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Manche Probleme erledigen sich, indem man nichts tut. So scheint es bei den Saatkrähen zu sein, die die Bürger der Stadt Bühl mindestens ein Jahrzehnt lang in jedem Frühling mit ihrem Dreck und ihrem Krach in Atem gehalten hatten. In diesem Jahr herrscht weitgehend Ruhe.

Nur eine Beschwerde

„Es gab bislang nur eine einzige Beschwerde“, freut sich der zuständige Fachbereichsleiter Wolfgang Eller auf Anfrage dieser Zeitung. Eine aktuelle Statistik, wie viele Saatkrähen im Stadtgebiet leben, gibt es nicht. Um die hat sich früher ein bereits seit längerer Zeit erkrankter Sachbearbeiter im Rathaus akribisch gekümmert. Die Tatsache, dass seine Stelle inzwischen nicht kommissarisch neu besetzt wurde, zeigt, dass das Problem nicht mehr dringlich ist. „Entspannt“, beschreibt Eller die Situation.

Jede Menge Ärger

Das war vor vier Jahren noch ganz anders. 261 Brutpaare wurden im Jahr 2015 gezählt. Die hielten die Stadtverwaltung und den Gemeinderat regelmäßig in Atem. Es hagelte Beschwerden von Anwohnern. Weil die Vögel artengeschützt sind, konnte die Kommune wenig tun. „Wir müssen jede Vergrämung mit dem Landratsamt Rastatt als Untere Naturschutzbehörde abstimmen“, sagt Eller.

Bäume wurden gestutzt

Die von den Vögeln bevorzugten Bäume wurden nach großen Protesten von Anwohnern, die regelrecht Sturm liefen, gestutzt, um damit den Nestbau unmöglich zu machen. Beispiele sind die Platane vor dem Pfarrhaus am Bühler Kirchplatz und gleich eine ganze Baumreihe am Kirchgassgraben in der Weststadt. Dort trauten sich die Nachbarn wegen der Saatkrähen nicht mehr auf ihre Balkone.

Wo sind die Vögel?

Weil inzwischen relative Ruhe herrscht, lässt Eller nur noch den Bestand an den wenigen kritischen Orte im Stadtgebiet zählen. Das ist vor allem die Platane neben Rathaus II. Dort gibt es in diesem Jahr 16 Nester, im vergangenen waren es noch 25. „Keine Ahnung, wohin die Vögel abgewandert sind“, meint Eller. „Es gab keine aktiven Maßnahmen vonseiten der Stadt.“

Viel Dreck unter Platane

Schön sieht es unter der Platane trotzdem nicht aus. Überall liegt Vogeldreck. Das Schutzdach über dem Fahrradabstellplatz hat sich an dieser Stelle ganz ohne Zweifel bewährt. Gar keine Saatkrähen gibt es in den Platanen westlich der Carl-Netter-Realschule (also in Richtung Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) mehr. Zählte die Stadtverwaltung dort im Vorjahr noch zehn Nester, ist jetzt kein einziges zu sehen.

Autos wurden eingehaust

Auch am Autobahnzubringer in Vimbuch, wo 2014 immerhin 80 Paare nisteten und für erheblichen Unmut der Anwohner sorgten, herrscht nach Auskunft von Eller Ruhe. „Seit der Autohändler seine Fahrzeugausstellung eingehaust hat, gibt es kaum noch Probleme“, sagt er.

Tote Küken

Eller erinnert an den Fund von gleich mehreren toten Krähenküken vor einigen Jahren in Vimbuch. Die Aufregung war groß, weil Tierschätzer ein Attentat vermuteten. „Das war aber nicht der Fall“, erklärt Eller. „Wir haben die Tiere untersuchen lassen. Sie wurden nicht vergiftet und sind wahrscheinlich aus dem Nest gefallen.“

Gasthof machte dicht

Der Landgasthof „Pflug“ in Oberweier ist ebenfalls kein Problem mehr. 2011 hatte sich der damalige Wirt beschwert, der Biergarten sei wegen der Saatkrähen nicht mehr zu nutzen. 2014 gab der Gastronom auf, das Gebäude wurde zu Wohnzwecken umgenutzt.