Der Klassentrakt des Windeck-Gymnasiums (rechts) wird generalsaniert, die jüngeren Trakte (links) werden nicht verändert. Der älteste Trakt aus den 1970er-Jahren wird bis auf das Stahlbetonskelett zurückgebaut. | Foto: Geobasisdaten www.lgl-bw.de

Gemeinderat Bühl entscheidet

Sanierung statt Neubau des Windeck-Gymnasiums

Die Frage lautet nur noch: Wann? Mit seinem einstimmigen Grundsatzbeschluss hat der Gemeinderat den Weg für eine Sanierung des Windeck-Gymnasiums freigemacht. Der mehr als ein halbes Jahrhundert alte östliche Trakt mit den Klassenräumen und dem Foyer befindet sich bekanntlich in einem traurigen Zustand und ist mit seiner Nachtspeicherheizung und der fehlenden Dämmung eine der schlimmsten „Energieschleudern“ in der Stadt.

Klarer Handlungsbedarf

Den Handlungsbedarf hat man im Rathaus schon vor einigen Jahren erkannt, allerdings ging man verwaltungsintern zunächst von einem Neubau des Klassentrakts aus. 2017 wurde das Architekturbüro Thomas Thiele (Freiburg) mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Deren Ergebnisse wurden dem Gemeinderat bereits in zwei nicht öffentlichen Ratssitzungen am 28. Februar und 13. Juni vorgestellt. Wesentliche Ergebnisse sind die Feststellungen, dass der alte Klassentrakt sanierungsfähig ist und die Kosten für Neubau und Sanierung mit 17,1 Millionen beziehungsweise 17,6 Millionen Euro vergleichbar sind. Als die Stadtverwaltung am 25. April vom Regierungspräsidium erfuhr, dass zwar die Generalsanierung, nicht aber ein Neubau förderungsfähig ist, fiel bereits eine Vorentscheidung zu Gunsten der Sanierung. Immerhin geht es um Subventionen in der Größenordnung von drei bis vier Millionen Euro.

Umfangreiche Voruntersuchungen

Jetzt stellte Thiele die Ergebnisse seiner Voruntersuchung erstmals in öffentlicher Ratssitzung vor. Er lobte die Struktur des mehr als 50 Jahre alten Klassentrakts im Osten des Windeck-Gymnasiums und attestierte ihm auch wegen seiner beiden Innenhöfe Funktionalität und städtebauliche Qualität. Damit bezog er sich unter anderem auf den Anschluss des Klassentrakts an die jüngeren Gebäudeteile im Westen.
Alternativ zur Sanierung sei grundsätzlich ein Neubau auf dem südlichen Schulhofgelände möglich. Während der Bauphase könne der Bestandsbau weiter genutzt und später abgerissen werden. Allerdings erlaube der Neubau keine direkte Anbindung an die jüngeren Trakte des Gymnasiums. „Das bedeutet längere Wege und Orientierungsprobleme“, konstatierte Thiele.

Neubaustandard

Der Bestandsbau ist nach Auskunft des Architekten grundsätzlich sanierungsfähig. Der Stahlbetonbau könne bis auf das Traggerüst rückgebaut werden. „Das ergibt dann später ein Neubaustandard“, sagte Thiele. Die vorhandene Nutzfläche des Altbaus ist ausreichend und weist sogar einen leichten Flächenüberhang aus. Die Klassenräume aus der ersten Hälfte der 1970er-Jahren sind größer als die, die heute vom Kultusministerium genehmigt werden.

Kostenrisiko

„Natürlich besteht bei Sanierungen immer ein gewisses Kostenrisiko“, räumte Thiele ein. „In diesem Fall ist es aber gering, weil keine Haustechnik erhalten bleibt, sondern nur das Skelett des Gebäudes.“ Eine gute halbe Million Euro für Containerbauten, in denen Schüler und Lehrer während der Sanierung untergebracht werden, hat Thiele in seiner Kostenschätzung bereits einkalkuliert. Die von ihm genannte Summe von 17,6 Millionen Euro bezieht sich allerdings auf das Jahr 2018. Ein Inflationsausgleich für die kommenden Jahre und vermutlich weiter steigende Kosten im brummenden Baugewerbe sind nicht berücksichtigt.
Thiele empfahl dem Gremium ausdrücklich die Sanierung. „Die Grundstruktur des Gebäudes und seine Vernetzung mit dem Bestand über das Foyer haben eine hohe Qualität“, sagte er. Außerdem empfahl er die Auslobung eines Architektenwettbewerbs mit 15 bis 30 Teilnehmern.

Architektenwettbewerb

Ein ausschließliches Verfahren auf der Basis der Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (VgV), das nach den gesetzlichen Bestimmungen ausreichen würde, führe nicht zu optimalen Ergebnissen. Beim VgV-Verfahren verhandelt die Kommune mit lediglich drei oder vier in dieser Bauaufgabe erfahrenen Büros und kann als zusätzliche Leistung eine Projektskizze verlangen. „Bei einer solch komplexen Aufgabenstellung bedeutet ein Realisierungswettbewerb eine höhere Planungssicherheit, um ein wirklich gutes Konzept umzusetzen“, meinte Thomas Thiele.

Klassentrakt des Windeck-Gymnasiums mit Haupteingang | Foto: Bernhard Margull

Eindeutiges Meinungsbild

Das Meinungsbild war eindeutig. Alle Fraktionen sprachen sich für die Generalsanierung des Klassentrakts des Windeck-Gymnasiums und einen Architektenwettbewerb aus.
Margret Burget-Behm (CDU) lobte die städtebauliche Qualität des Bestandsbaus mit seinen beiden Innenhöfen. Durch die Sanierung ließen sich 80 Prozent der Energiekosten sparen, sagte Burget-Behm und mahnte, das Projekt nicht ausschließlich durch Schulden, sondern im Sinne der finanziellen Nachhaltigkeit zum Teil auch aus dem laufende Haushalt zu finanzieren.

„Allerhöchste Zeit“

„Es wird allerhöchste Zeit“, meinte Walter Seifermann (GAL). „Nachtspeicherheizung und Isolierung sind katastrophal.“ Seifermann regte eine Arbeitsgruppe zur Detailplanung an, an der auch die Nutzer (Schüler und Lehrer) beteiligt werden sollen. Dem stimmte der Gemeinderat zu.
Pit Hirn (SPD) bezeichnete Bühl als „Schulstadt“. Vor diesem Hintergrund sei es nie eine Frage gewesen, ob, sondern nur wie das Windeck saniert werde. Das Gymnasium müsse in Zukunft schlagkräftig bleiben, auch im Vergleich zu den Schulen in den Nachbarstädten.

Funktionale Räume

Karl Ehinger (FW) bezeichnete den Standort des Gymnasiums als ideal und lobte die großen und funktionalen Räume. Deshalb sei die Sanierung richtig, ebenso der Architektenwettbewerb. „So erhalten wir die meisten Informationen“, erklärte er.
„Ich hoffe, dass es am Ende bei den genannten Sanierungskosten bleibt und mögliche Mehrkosten nicht alle Zuschüsse auffressen“, meinte Lutz Jäckel (FDP). Leider sei der FDP-Vorschlag, das Gymnasium in die Nähe des Schulzentrums an der B3 zu verlegen nicht diskutiert, sondern als „Treppenwitz“ bezeichnet worden.

Förderung in der Kritik

„Dass neue Schulbauten nicht staatlich gefördert werden, ist für mich unverständlich“, sagte Lutz Jäckel. „Im Schwarzwald gibt man hingegen 50 Millionen Euro für bestimmte Projekte aus.“ Jäckel empfahl eine zeitnahe Entscheidung über die Finanzierung der Schule. Man wisse nämlich nicht, wie sich die Zinsen in Zukunft entwickelten.
Barbara Becker (SPD) argumentierte, dass gute Bildung bestimmte Voraussetzungen brauche. „Dazu gehören Räume, in denen sich Bildung entfalten kann“, meinte sie. „In einem möglichen Neubau des Windeck-Klassentrakts wäre für die Schüler weniger Raum vorhanden als im Bestand. Es kann nicht sein, dass wir nach hinten gehen.“ Außerdem müsse sich im Bauen Nachhaltigkeit zeigen. „Mit der Sanierung kann ein Vorzeigeprojekt entstehen“, erklärte sie.

Nachhaltiges Bauen

Hubert Oberle (CDU) betonte, dass sich der Windeck-Altbau problemlos auf die „Grundsubstanz“ zurückbauen lasse. Der Erhalt dieses Bestandsbaus sei nachhaltig, weil dadurch Energie gespart werde.