Das Mutterhaus des Klosters Neusatzeck bei Bühl wurde zehn Jahre lang vergeblich zum Verkauf angeboten. Jetzt hat sich ein Investor gefunden, doch dessen Pläne für ein Seniorenzentrum sind im Dorf umstritten. | Foto: Bernhard Margull

Seniorenzentrum im Kloster

Satteldach soll die Neusatzer besänftigen

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Wie geht es weiter mit dem Mutterhaus des Klosters Neusatzeck? Auf der gemeinsamen Infoveranstaltung der Projektentwickler und der Stadt Bühl in der Schlossberghalle im Stadtteil Neusatz schlugen die Wogen hoch. Das Konzept für ein großes Seniorenzentrum am Rande des Schwarzwalds, für das neben dem vorhandenen Altbau ein großer Neubau an der Stelle des Ökonomiegebäudes errichtet werden soll, ist im Bühler Stadtteil umstritten.

Ortschaftsrat entscheidet

Jetzt ist der Ortschaftsrat am Zuge. Er wird sich am Dienstag, 12. Februar, mit dem Projekt beschäftigen. Nach den heißen Diskussionen bei der Infoveranstaltung werden die Projektentwickler ihre Pläne bis zu diesem Zeitpunkt durch ihren Architekten überarbeiten lassen. Sie wollen den Neusatzern so weit wie möglich entgegen kommen. Dies betonte Bernd Matthias (Baden-Baden), einer der beiden Projektentwickler, gegenüber dieser Zeitung.

Projektentwickler kalt erwischt

Matthias zeigte sich vom Verlauf der Infoveranstaltung unangenehm überrascht. „Das war nicht schön“, meinte er. „Sehr schnell richteten sich wegen nicht realisierbarer Bauvorhaben von Neusatzer Bürgern die Vorwürfe gegen die Stadt. Wir wollen das nicht ausbaden.“

Pläne überarbeitet

Nach der Kritik an dem angeblich nicht landschafstypischen Flachdach des geplanten Neubaus haben die Projektentwickler ihren Architekten angewiesen, dem Gebäude ein Satteldach aufzusetzen. Das ohnehin hohe Bauwerk wird dadurch noch ein Stück höher, ohne dass sich dadurch ein Zugewinn an nutzbarer Fläche ergibt. „Die Heimaufsicht akzeptiert keine Räume mit schrägen Wänden“, berichtet Matthias. So kann das Dachgeschoss allenfalls als Speicher genutzt werden. „Damit der Baukörper nicht zu wuchtig wirkt, planen wir eine Dachneigung von lediglich 15 bis 20 Prozent“, erklärt der Projektentwickler. Auch in einem weiteren Punkt will er den Neusatzern entgegenkommen. Der Neubau wird acht Meter näher an das Bestandsgebäude heranrücken, das Ensemble soll dadurch kompakter wirken.

Hohe Mehrkosten

Die Umplanungen gibt es nicht umsonst. Bernd Matthias geht von Mehrausgaben in der Größenordnung von mehreren Hunderttausend Euro aus. Das ist ihm die Sache aber wert. Er und sein Kollege Gerd-Arno Stubbe sind von ihrem Konzept überzeugt. „Wir müssen aber schnell handeln, damit die teilweise desolate Bausubstanz nicht weiter verfällt“, warnt Matthias.

Warnung vor Ruine

Bei der Stadt Bühl übt man sich derweil in Zurückhaltung. „Wir haben den Projektentwicklern mitgeteilt, dass wir ihre überarbeiteten Pläne dem Neusatzer Ortschaftsrat zur Entscheidung vorlegen werden“, sagt der städtische Pressesprecher Matthias Buschert. „Der Ortschaftsrat hat das Heft des Handelns in der Hand.“ Gleichzeitig richtet Buschert warnende Worte in Richtung Neusatz: „Es besteht in Neusatzeck die Gefahr einer Ruine. Davon haben wir im Schwarzwald schon genug.“

Was ist mit dem Vorvertrag?

Bernd Matthias wundert sich über das Taktieren im Rathaus. Schließlich hat der Ortschaftsrat nur beratende Funktion. „Es überrascht mich, dass der Bühler Gemeinderat im März 2018 einem Vorvertrag mit uns zugestimmt und ebenfalls einen Bebauungsplanentwurf für das zu überplanende Gelände beschlossen hat“, meint er. „Jetzt regt sich plötzlich Widerspruch und das, obwohl das geplante Bauvolumen in der Zwischenzeit kleiner geworden ist.“ Eine Niederlage im Ortschaftsrat will Matthias nicht kampflos hinnehmen und das ganze Verfahren in diesem Fall juristisch prüfen lassen.