Ohne Noten sind Schüler besser dran – oder doch nicht? Bei der Frage gehen die Meinungen auseinander. Der ABB hörte sich bei Schulleitern in der Region um. | Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Umfrage an Bühler Schulen

Schulnoten sind weiterhin beliebt

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Sind Schulnoten wirklich nötig? Diese Frage wird gerade in Hessen diskutiert, wo das Kultusministerium sagt: Nein, Schüler brauchen nicht unbedingt Noten. Schriftliche Bewertungen täten es auch. In Bühler Schulen halten die Schulleiter bislang wenig davon, Noten komplett abzuschaffen.

Formulierungen falsch verstehen

„Ich weiß nicht, ob das wirklich etwas bringt“, meint Andrea Körner, Schulleiterin am Windeck-Gymnasium. Für eine Leistungsrückmeldung seien Noten sinnvoll, nicht nur eine verbale Beurteilung. „Ich habe die Angst, dass manche Formulierungen falsch verstanden werden könnten und Eltern die kritischen Stellen nicht erkennen“, sagt Körner. Die Beurteilungen könnten wie bei Arbeitszeugnissen verschlüsselt sein. Sie habe außerdem den Eindruck, dass Schüler sehr an Noten interessiert seien, sich so besser einordnen und vergleichen könnten. „Sie brauchen eine Rückmeldung, um zu sehen, wo ihre Defizite sind.“ Am Windeck-Gymnasium, so erklärt es die Leiterin, bekämen die Schüler bei Klassenarbeiten und gleichwertigen Feststellungen von Schülerleistungen (GFS) zusätzlich zu den Noten noch schriftliche Kommentare von den Lehrern: „So haben wir eine gute Kombination.“

Schüler sind ohne Noten entspannter

An den Gemeinschaftsschulen bekommen die Schüler anstelle eines Zeugnisses mit Noten einen Lernentwicklungsbericht. Wenn die Eltern es wünschen, kann er mit Noten ergänzt werden. „Es gibt Lernentwicklungsberichte, aber auch da steckt eine Note dahinter“, erklärt Claudia Jokerst, Leiterin der Aloys-Schreiber-Schule. Diese Berichte zeigten ein größeres Bild, das mehr auf Stärken und Schwächen eingehe. Ihre Erfahrungen zeigen, dass Schüler so entspannter sind, das Konkurrenzdenken entfalle. Sie findet: „Ein Vorteil ist das bessere Miteinander.“ Aber auch hier gibt es Noten auf den Abschlusszeugnissen.
„Man müsste, um Noten abzuschaffen, grundsätzlich das System ändern und andere Beurteilungen einführen“, meint sie. „Man braucht vergleichbare Leistungen und das ist mit Noten am einfachsten“, findet Jokerst.

Noten lassen sich besser vergleichen

Verbale Beurteilungen seien ein größerer Aufwand für die Lehrer, berichtet Constanze Velimvassakis, Leiterin der Bachschloss-Schule: „Solche Lernentwicklungsberichte müssen mit den anderen Lehrern abgestimmt werden.“ Außerdem seien sie oft positiv formuliert, Eltern könnten die Entwicklungsbereiche nicht immer erkennen. Noten seien für sie aussagekräftiger und auch vergleichbarer. Aber Velimvassakis findet auch: „Es ist wertvoll, über Leistungen zu reden.“ So gebe es Feedback-Gespräche mit Schülern und auch Eltern. Auf Noten verzichten würde sie gerade in den weiterführenden Schulen nicht, aber Lernentwicklungsberichte und Gespräche könnten die Noten begleiten.

Klare Aussagen

Gerade auf den Abschlusszeugnissen sind Noten wichtig, das sieht auch Günther Köninger, Rektor der Maria-Victoria-Schule in Ottersweier so: „Betriebe wollen klare Aussagen. Sie wollen wissen, wo der Bewerber steht. Verbalbeurteilungen kommen ihnen nicht entgegen.“ Auch Schüler und Eltern wollen seiner Erfahrung nach eine klare Rückmeldung. Jedoch hätten Noten den Nachteil, dass sie nichts über verschiedene Kompetenzen aussagen. Deswegen seien zusätzliche Kommentare zur Note, die die Leistungen hervorheben, denkbar. Aber abschaffen würde auch er sie nicht: „Ich sehe grundsätzlich keine Alternative zur Note“, sagt Rektor Günther Köninger.

Keine Noten in Hessen?
Nach einer kürzlich formulierten Absichtserklärung der hessischen Landesregierung sollen künftig einige Schulen entscheiden können, ob sie Noten vergeben oder nicht. Das hessische Kultusministerium teilte mit, dass das Konzept ohne Noten sich vor allem für Gesamtschulen anbiete. 150 Schulen dürfen sich in den kommenden fünf Jahren gegen Noten entscheiden, 30 jedes Jahr.
Die Forderung kam von den Grünen, die schon im Wahlprogramm zur Landtagswahl festgehalten hatten, es bis zur achten Klasse den Schulen freizustellen, Noten zu vergeben. Somit wären auch dort auf den Abschlusszeugnissen Noten.