Friedlich und scheu: Im Naturschutzgebiet „Bruchgraben“ auf Gemarkung der Stadt Baden-Baden weiden jetzt auf einer 17 Hektar großen Fläche sechs Wasserbüffel. | Foto: Collet

Naturschutzgebiet Bruchgraben

Sechs Wasserbüffel mit der „Mission“ Vogelschutz

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Ihr neues Revier haben die Tiere bereits angenommen oder zumindest erkundet. Das erkennt man an den Hinterlassenschaften, sprich Kothaufen, die sich weit verstreut finden. Seit Ende April weidet auf einem rund 17 Hektar großen Areal im Naturschutzgebiet „Bruchgraben“ nahe der Gemeinschaftskläranlage Baden-Baden/Sinzheim eine sechsköpfige Herde Wasserbüffel. Ihre „Mission“ lautet: Sie sollen den Lebensraum für gefährdete bodenbrütende Vogelarten verbessern.

Zunächst ist es ein Testlauf, aber mit großem Potenzial für mehr, erklärt beim Vor-Ort-Termin Lena Zech, Gebietsbetreuerin für Rastatt und Baden-Baden im Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe.

Das RP hat die Federführung bei dieser Gemeinschaftsaktion, die mehrere Partner zusammengeführt hat: Den Landwirt Jonas Löscher („Unser Familienbetrieb hat Interesse an dieser Rasse“), den Artenschutzgutachter des Artenschutzprogramms Vögel, Martin Boschert, und Jochen Lehmann, ehrenamtlicher Ornithologe im „Bruchgraben“; auch der Jagdpächter Tom Seifert ist mit von der Partie, die Stadt Baden-Baden und der Ortschaftsrat Sandweier unterstützen die Maßnahme ebenso.

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Büffel halten die Flächen offen

Wasserbüffel eignen sich aufgrund ihrer breiten Klauen für sumpfiges Weideland, das für andere Rinderarten ungünstig ist. Zum Schutz vor Insekten und zur Abkühlung halten sie sich oft stundenlang im Schlamm auf. Die Büffel verzehren zudem Pflanzen, die die Hausrinder verschmähen und halten dadurch die Flächen offen. So fressen sie beispielsweise hartes Schilf und Rohrkolben, aber auch Blätter und Zweige vieler Gehölze stehen auf dem Speiseplan; im „Bruchgraben“ gibt es zudem viele (unerwünschte) Grauweidengebüsche. Alternativ könnte man die gewünschten Flächen auch maschinell offenlegen, was aber deutlich teurer, weil aufwendiger wäre – die Maßnahme müsste regelmäßig wiederholt werden.

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Bodenbrüter vom Aussterben bedroht

Die frei gemachten feuchten Niederungen gelten als ideales Gebiet für bodenbrütende Vogelarten, deren Rückgang dramatisch ist. So ist der Kiebitz vom Aussterben bedroht; für diese Art wurde ein dramatischer Bestandsverlust von 80 Prozent in den letzten 25 Jahren verzeichnet. In den vergangenen Jahren konnten im „Bruchgraben“ vereinzelt Kiebitze nachgewiesen werden, die jedoch nicht zur Brut kamen.

 

Fuchssicher ist ein Weidezaun erst dann, wenn die unter Strom stehenden Drähte bis fast auf den Boden reichen, erklärt Artenschutzgutachter Martin Boschert. | Foto: Collet

Das Naturschutzgebiet ist in Baden-Württemberg auch eines der letzten Brutgebiete von Tüpfelsumpfhuhn und Bekassine am Oberrhein, erklärt Artenschutzgutachter Boschert. Nur in weiträumig offenen Feuchtgebieten finden die Bodenbrüter geeignete Brutbedingungen. Ein Elektrozaun sorgt dafür, dass ihr Fressfeind Fuchs ferngehalten wird.

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„Großes Potenzial“

Die früher landwirtschaftlich genutzten Flächen des „Bruchgraben“ wurden 1986 unter Schutz gestellt; Gehölze wurden entfernt, Tümpel angelegt. Durch einen Grabenverschluss soll dafür gesorgt werden, dass sich genügend Regenwasser zurückstaut.

Der Bruchgraben hat ein großes Potenzial für Vogelarten, aber auch für Amphibien und Insekten.

Lena Zech, RP-Gebietsbetreuerin

„Der Bruchgraben hat ein großes Potenzial für Vogelarten, aber auch für Amphibien und Insekten“, sagt RP-Gebietsbetreuerin Lena Zech. So setzen alle Beteiligten darauf, dass sich der Kreislauf der Natur dort schon bald beobachten lässt: Die Wasserbüffel machen nicht nur die Flächen frei, sondern ziehen mit ihren Fladen auch Scharen von Insekten an; die wiederum bilden die Nahrungsgrundlage der Vögel.