Die Skulptur wird mit Hilfe eines Krans auf einen Lastwagen verladen. Der Bildhauer Henning Schwarz (links) will den „Rodwdy“ restaurieren. | Foto: Ulrich Coenen

Skulptur in Bühl

„Rowdy“ muss zurück in die Werkstatt

Wahrscheinlich werden die Vandalen ungestraft davon kommen. In der Nacht zum 29. August wurde die Skulptiur „Rowdy“ vor dem Bürgerhaus Neuer Markt von Unbekannten umgeworfen und schwer beschädigt (wir berichteten). Die Polizei hat noch keine konkrete Spur.

Dies berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg auf Anfrage dieser Zeitung. „Es wird aber noch weitere Zeugenvernehmungen geben“, sagte er. Große Hoffnung hat die Polizei allerdings nicht, will die Ermittlungen wegen des hohen Schadens aber nicht vorschnell einstellen. Eine Zeugin hatte nach dem Sturz der Skulptur mehrere johlende Jugendliche weglaufen sehen, konnte sie aber nicht identifizieren.

Skulptur mit Lkw abtransportiert

Von den Beobachtungen einer Nachbarin hat auch der Bildhauer Henning Schwarz gehört, der die Skulptur mit Kran und Lastwagen abtransportieren ließ. Weil der „Rowdy“ fast eineinhalb Tonnen schwer ist, war das keine einfache Aufgabe.

Der Fall ist verzwickt. Die Skulptur gehört nämlich gar nicht mehr ihrem Schöpfer, sondern dem Projekt Artothek, das sich für Skulpturen im öffentlichen Raum engagiert. Die Initative ist eine Plattform zur Kooperation von Künstlern und Betrieben im Landkreis Rastatt. In den nächsten Jahren sollen jährlich zwei Skulpturen entstehen. Im ersten Jahr haben Gabriele Müller-Nagler und Henning Schwarz jeweils eine Skulptur für Bühl geschaffen. Das Werk von Schwarz wurde nach nur vier Wochen auf dem Europaplatz zerstört. Für das Projekt war das ein denkbar schlechter Start.

Keine Fundamente

„Die Skulpturen sollen im öffentlichen Raum wandern“, berichtete Henning Schwarz. Jedes Jahr sollen sie an einem anderen Standort aufgestellt werden. Diese Mobiltät ist problematisch. Normalerweise werden Großplastiken im öffentlichen Raum in Fundamenten aus Stahlbeton verankert. Das ist beim Projekt Artothek nicht der Fall. Trotz des gewaltigen Gewichts von fast eineinhalb Tonnen und der beachtlichen Höhe von 2,20 Meter ist den jungen Vandalen fast Unmögliches gelungen. Keiner der Verantwortlichen hat mit der Möglichkeit gerechnet, dass jemand die schwere Skulptur umstößt. Wie sich bei der Bergung des „Rowdys“ gestern zeigte, gab unter dem Gewicht der umstürzenden Skulptur sogar der Pflasterbelag des Europaplatzes nach.

Großer Aufwand für Künstler

Obwohl der „Rowdy“ nicht mehr sein Eigentum ist, will Henning Schwarz ihn in seiner Werkstatt in Eisental wieder instand setzen. „Die Skulptur sieht nicht so schlimm aus, wie ich befürchtet habe“, meinte er, nachdem der Kran zunächst das Kopfstück und dann den Unterbau auf den Lastwagen gehoben hatte. „Ich will es mir nicht nehmen lassen, den Rowdy zu restaurieren, obwohl ich für den Herbst eigentlich andere Pläne hatte“, sagte der Bildhauer. „Das kostet Zeit und Material und damit Geld.“

Am Ende dieses Prozesses wird die Großplastik nicht mehr die selbe sein, weil die Beschädigungen teilweise sichtbar bleiben und nur überarbeitet werden. Nur das Kopfstück ist vermutlich nicht mehr zu retten.

Baldige Rückkehr

In einigen Wochen soll der „Rowdy“ auf den Europaplatz zurückkehren, dann allerdings mit einer Auffahrrampe. Die soll dafür sorgen, dass Vandalen die Skultptur nicht mehr umstürzen können. „Ich will mich dem Mob nicht beugen“, sagte Henning Schwarz.