Skulptur von Walter Fischer vor dem Krankenhaus in Bühl | Foto: Ulrich Coenen

Kommentar

Sorge ums Bühler Krankenhaus

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Klar! Wahrscheinlich wird die Krankenhaus-Resolution des Bühler Gemeinderates (wir berichteten) nichts bringen. In den hohen Häusern in Berlin und Stuttgart wird sie leider verpuffen. Kritische Anmerkungen von Stadträten aus badischen Kleinstädten und deren berechtigte Sorgen haben bei den professionellen Politikern im Bundestag und Landtag meist nur den Charakter von Fußnoten. Die kleinen Kliniken auf dem Land stehen aus Sicht der Bundespolitik und vieler Lobbyisten ohnehin auf der Abschussliste. Heil findet der Mensch angeblich nur in der Großstadt, und dort soll auch das medizinische Know-how konzentriert werden. Dass dort (im Gegensatz zu den ländlichen Regionen) zum Teil längst eine Überversorgung existiert, scheint niemanden zu interessieren.

Gut und richtig

Doch auch, wenn die Resolution aus Bühl nichts ändert: Sie ist trotzdem gut und richtig. Vielleicht folgen andere Kommunen diesem Beispiel. Wenn Bundes- und Landesparlamente in einer Flut solcher Briefe ertrinken, setzt vielleicht ein Nachdenken ein.

Die im Bühler und anderen deutschen Gemeinderäten vertretenen Fraktionen beziehungsweise Parteien sollten außerdem entsprechenden Druck auf ihre gewählten Abgeordneten ausüben. Dann besteht die Chance, dass sich die Situation nicht weiter verschlechtert. Es ist weder eine Aufgabe der Kommunen, noch der Landkreise, mit ihren Mitteln die finanziellen Lücken zu stopfen, die die fahrlässige Sparpolitik des Bundes landauf landab in den kleinen Kliniken reißt.

Attraktiver

Lobenswert ist auch, dass sich die Resolution für das gebeutelte Pflegepersonal engagiert. Dem ist allerdings nicht allein mit einer ordentlichen Gehaltserhöhung gedient, notwendig ist vor allem eine nachhaltige personelle Aufstockung, damit die Patienten vernünftig betreut werden können. Das würde den Beruf zweifellos attraktiver machen, und das Wort vom so gerne gebrauchten und oft missbrauchten Fachkräftemangel hätte in dieser Branche ein Ende.

Hausgemacht

Bei den Ärzten ist dieser Mangel sogar hausgemacht. Zehnmal so viele junge Leute interessieren sich in jedem Jahr für die viel zu wenigen Medizinstudienplätze in Deutschland. Anstatt die Interessenten auszubilden, verwaltet die Bundesrepublik den Ärztemangel und wirbt in anderen Ländern die dort mit erheblichem Aufwand qualifizierten Mediziner ab. In deutschen Kliniken verstehen die dann ihre Patienten kaum oder nicht. Das Wahlkampfgetöse von schnellen Facharztterminen ließe sich ebenso schnell beenden, wenn die große Politik dies wirklich wollte.