Unschönes Provisorium: Die Hackschnitzel auf dem Gartenparterre in der Achse von Stadtgartenbrunnen und Sparkasse bleiben noch bis nächstes Jahr liegen. Die Sparkasse wird umgebaut. | Foto: Ulrich Coenen

Stadtgarten Bühl

Entree soll großzügig und einladend werden

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Inzwischen gammeln die Hackschnitzel vor sich hin. Eigentlich sollte das Parterre in der Achse des Stadtgartenbrunnens bereits im Spätjahr 2017 neu bepflanzt werden. Doch an dem ungepflegten Anblick wird sich auch in den nächsten Monaten nichts ändern. Die Stadt plant nämlich im Zusammenhang mit dem Umbau der Sparkasse und der dringend notwendigen Sanierung des seit 2014 trocken liegenden Brunnens eine große Lösung. Dies bestätigte Oberbürgermeister Hubert Schnurr auf Anfrage dieser Zeitung.

Bagger macht Rosenbeet platt

Ein Blick zurück: Im August 2017 rückte der Bagger an und machte das Rosenbeet vor dem Stadtgartenbrunnen platt. Das Beet war nach Auskunft der Stadt komplett mit Winden, Disteln und Quecken verunkrautet, sodass eine Grundsanierung unvermeidlich erschien. Die Hackschnitzel wurden damals im Hinblick auf das nahende Zwetschgenfest und eine Open-Air-Bühne aufgefüllt. Dieses Party-Provisorium wird nun mindestens bis ins nächste Jahr erhalten bleiben.

Der denkmalgeschützte Stadtgartenbrunnen ist seit vier Jahren ein teurer Sanierungsfall und liegt trocken. Jetzt plant die Stadt einen neuen Anlauf. | Foto: Ulrich Coenen

Gesamtanlage unter Denkmalschutz

„Der Stadtgarten steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz“, sagte Schnurr. „Wir wollen die Neugestaltung des Parterres mit dem Umbau beziehungsweise der Sanierung des Sparkassengebäudes abstimmen.“ Die Sparkasse hat einen Einladungswettbewerb zur Neugestaltung ihrer Zentrale ausgelobt.
„Wir werden das Parterre deshalb nicht isoliert betrachten“, erklärt Schnurr. „Der gesamte Straßenbereich zwischen Sparkassenplatz und Stadtgarten soll neu gestaltet werden. Wenn die Arbeiten am Markt- und Kirchplatz im Sommer abgeschlossen sind, werden wir uns verwaltungsintern mit Eisenbahnstraße und Friedrichstraße beschäftigen. Zumindest die Eisenbahnstraße wird eine Neugestaltung erfahren.“

„Großzügig und einladend“

Dabei geht es laut OB nicht nur um die Parkierung vor dem Café am Stadtgarten, sondern auch um gestalterische Elemente wie eine Pflasterung der Eisenbahnstraße im Bereich zwischen Sparkasse und Stadtgarteneingang. „Wir wollen diesen Eingang großzügig und einladend machen“, sagt Schnurr.
In diesem Zusammenhang wird auch die dringend notwendige Sanierung des Stadtgartenbrunnens wieder ein Thema. Bereits 2015 hat Stefan Zachmann vom gleichnamigen Bühler Ingenieurbüro ein Sanierungskonzept für die denkmalgeschützte Brunnenanlage erarbeitet.

Teure Brunnensanierung

Die letzte Sanierung in den Jahren 2001 bis 2007, die seinerzeit mehr als 200 000 Euro gekostet hat, hatte sich als nicht nachhaltig erwiesen. Der tägliche Wasserverlust betrug im Jahr 2014 rund 6 000 Liter, die Stirnwand unterhalb des Podestes neigt sich fünf Zentimeter in Richtung des oberen Wasserbeckens, die Treppenstufen drehen sich teilweise einseitig weg. Hinzu kommen versicherungstechnische Probleme. Die drei Wasserbecken haben eine Tiefe zwischen 53 (oberes Becken) und 46 Zentimeter (unteres Becken). Das erscheint den Verantwortlichen im Rathaus im Hinblick auf den benachbarten Spielplatz zu gefährlich. Der Wasserspiegel soll auf 20 Zentimeter abgesenkt werden. Beachtliche 520 000 Euro, so hat Zachmann 2015 kalkuliert, soll die Wiederherstellung des Brunnens kosten.

Erneute Überprüfung

„Wir werden diese sehr hohe Summe noch einmal evaluieren“, berichtet der OB. Dabei geht es auch um die Frage, ob in Zukunft noch alle drei Becken des Brunnens mit Wasser gefüllt werden sollen. Das große untere Becken soll zwar nach Auskunft von Schnurr in jedem Fall erhalten werden, bleibt aber unter Umständen trocken.

Die Eisenbahnstraße ist Bühls Prachtstraße. Der westliche Abschnitt mit den zahlreichen erhaltenen Villen wird durch eine Erhaltungssatzung der Stadt geschützt. | Foto: Ulrich Coenen

Tor zur Welt

Die Eisenbahnstraße ist Bühls „Tor zur Welt“. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden die fortschrittshungrigen Bürger es schick, in der Nähe des Bahnhofs zu wohnen. In der Eisenbahnstraße, deren westlicher Abschnitt seit 2015 durch eine Erhaltungssatzung geschützt wird, entstanden repräsentative Villen. Der mittlere Abschnitt der Eisenbahnstraße zwischen Friedrichstraße und Herbert-Odenheimer-Straße wird heute durch das moderne Sparkassen-Gebäude und den Zugang zum Stadtgarten geprägt. Nach dem Abriss der Villen hat dieser Abschnitt viel von seinem ursprünglichen Charme verloren. Er soll nun aufgewertet werden.

Kleiner Landschaftspark

Der Stadtgarten, der den Flößern ursprünglich als Holzlagerplatz diente, wurde in Form eines kleinen Landschaftsparks 1905 nach Plänen des Baden-Badener Landschaftsgärtners Kanders angelegt. Die finanzielle Grundlage bildete eine Stiftung der aus Bühl stammenden jüdischen Industriellen Karl Leopold und Adolf Netter.

Brunnen mit Büste des Großherzogs

Zentrales Gestaltungselement ist die Brunnenanlage mit der Büste Großherzog Friedrichs von Baden, die am 22. Mai 1909 in Anwesenheit der großherzoglichen Familie enthüllt wurde. Der aus mehreren großen und kaskadenartig angelegten Wasserbecken bestehende Brunnen, der einen einfachen Springbrunnen ersetzte, ist ein Werk von Karl Hoffacker, dem Direktor des Kunstgewerbemuseums in Karlsruhe. Die überlebensgroße Bronzebüste des Großherzogs modellierte der Karlsruher Bildhauer Otto Feist, der in Eisental geboren wurde. Die Anlage stellt eine gelungene Synthese von Wasserspielen, Treppen und Denkmal dar.

Die spätklassizistische Villa Massenbach (1845) wurde 1973 für den Bau der Sparkasse abgerissen. | Foto: Stadtgeschichtliches Institut

Abriss der Villa Massenbach

1973 wurde die spätklassizistische Villa Massenbach für den Neubau der Sparkasse nach Plänen des Büros Heinemann (Freiburg) abgerissen. Das 1973 bis 1976 errichtete Kreditinstitut wurde 1998/99 vom Bühler Büro Seebacher und Krauth völlig umgestaltet. Die Achse zum Stadtgarten mit eindrucksvollem Blick auf den Großherzog-Friedrich-Brunnen entstand bereits Mitte der 1920er-Jahre durch den Abriss von eingeschossigen Wohnhäusern. Der Blick zur Villa Massenbach war natürlich deutlich repräsentativer.