In der Serviceeinheit Proteom- und Genomsequenzierungen des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg wird an einem neuen Therapieansatz für den Kinderkrebs Neuroblastom geforscht. | Foto: Tobias Schwerdt/DKFZ

Kinderkrebs Neuroblastom

Steinbacher Förderverein finanziert Forschungsprojekt am Hopp-Kindertumorzentrum in Heidelberg

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Seit der Gründung im Oktober 1995 engagiert sich der Förderverein Kinderkrebs Neuroblastom-Forschung für die Erforschung dieser vergleichsweise selten auftretenden Krebsart. Jetzt spendete er 50.000 Euro für ein neues Projekt in Heidelberg. Insgesamt hat der Steinbacher Verein mittlerweile 841.000 Euro investiert.

Der Förderverein Kinderkrebs Neuroblastom-Forschung aus Steinbach hat dem Hei-
delberger Hopp-Kindertumorzentrum („Kitz“) 50.000 Euro gespendet. Das Geld soll als Anschubfinanzierung für einen neuen Behandlungsansatz bei kindlichen Tumoren dienen. Das „Kitz“ ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg und der Universität Heidelberg.

Etwa 120 Neuerkrankungen pro Jahr

Neuroblastome sind vergleichsweise seltene Tumore bei Kleinkindern; in Deutschland erkranken jährlich etwa 120 Kinder an dieser Krebsart. Der Tumor entsteht in der Nebenniere und im Nervensystem entlang der Wirbelsäule und wächst in die Blutgefäße und Organe hinein. Da sich bestimmte Neuroblastome schnell ausbreiten, hat die Hälfte der Kinder bei der Diagnose bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht und gilt damit als „Hochrisiko-Patienten“ mit schlechter Prognose.

Verein im Oktober 1995 gegründet

Markus Schuster, der einen Sohn an diesen Krebs verloren hat und gemeinsam mit seiner Frau Ulrike den Steinbacher Förderverein im Oktober 1995 gegründet hat, kennt die Zahlen ganz genau. Werde der Tumor zeitig entdeckt, liege die Überlebensrate heute bei 72 Prozent, vor einem Vierteljahrhundert waren es noch 44 Prozent.

„Zu dieser Verbesserung konnten wir mit unserer Arbeit ein Stück beitragen“, freut sich Schuster, der seit der Gründung der Vereinsvorsitzende ist. Sei aber das vierte Stadium der Krankheit erreicht, seien die Heilungsaussichten weiter schlecht, die Sterblichkeit liege bei 73 Prozent: „Da hat sich in den letzten 25 Jahren kaum etwas geändert.“

Konzentration auf viertes Stadium

Deshalb konzentriere sich der Förderverein bei seinen finanziellen Aktivitäten mittlerweile auf dieses Stadium. Die sind im Übrigen sehr umfangreich: Der Geldbetrag, der von Steinbach aus schon an die Charité in Berlin, an die Universitätskliniken in Köln, Freiburg, Tübingen und jetzt nach Heidelberg gegangen ist, liegt bei mittlerweile 841.000 Euro.

Neuer wissenschaftlicher Beirat

Der Kontakt zu den Heidelberger Forschern ist durch den Wechsel des wissenschaftlichen Beirats des Fördervereins zustande gekommen. Die bisherigen drei Mitglieder schieden aus Altersgründen aus, jetzt bilden ihn die Professoren Holger Lode von der Universitätsklinik Greifswald und Matthias Fischer von der Universitätsklinik Köln sowie der Heidelberger Privatdozent Frank Westermann.

Personalisierte Behandlungsansätze

In einem Gespräch habe Westermann über Forschungsvorhaben in Heidelberg geäußert und dabei recht zuversichtlich geklungen. „Ich habe ihn aufgefordert, uns die Vorhaben schriftlich zu erläutern“, berichtet Schuster. „Als wir das Schreiben vorliegen hatten, haben wir uns im Vorstand kurz beraten und beschlossen, diese Forschung zu unterstützen.“

Die Heidelberger Wissenschaftler wollen die Entwicklung personalisierter Behandlungsansätze für diese seltene Krebserkrankung mit extrem unterschiedlichem Krankheitsverlauf ermöglichen. Die Fördergesellschaft aus Steinbach unterstützt die Weiterentwicklung einer neuen Analysemethode, um Neuroblastome künftig gezielter behandeln zu können.

Hoffnung auf deutliche Verbesserung

„Für diese Anschubfinanzierung sind wir sehr dankbar“, sagt Westermann, der die Arbeitsgruppe Neuroblastome am „Kitz“ und die Abteilung Neuroblastom-Genomik am Deutschen Krebsforschungszentrum leitet.

„Wir gehen davon aus, dass wir damit die Behandlung für Neuroblastom-Patienten deutlich verbessern könnten, da wir die Therapie gezielter auf den extrem unterschiedlichen Krankheitsverlauf abstimmen können.“

Markus Schuster hält es für sehr wichtig, „neue personalisierte Diagnoseansätze und Therapien für diese seltene Krebserkrankung voranzutreiben. Deshalb unterstützen wir die Forschung des ,Kitz‘ und des DKFZ auf diesem Gebiet“.

Das Hopp-Kindertumorzentrum in Heidelberg („Kitz“) orientiert sich in Art und Aufbau am US-amerikanischen Vorbild der „Comprehensive Cancer Centers“ (CCC). Es ist gleichzeitig Therapie- und Forschungszentrum für onkologische und hämatologische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter und verfolgt das Ziel, die Biologie kindlicher Krebs- und schwerer Bluterkrankungen wissenschaftlich zu ergründen und vielversprechende Forschungsansätze eng mit der Patientenversorgung zu verknüpfen. Bei der Neuroblastom-Behandlung sei die Heilung von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und mit herkömmlichen Methoden nur schwer vorhersehbar: „Die Tumore können sich spontan zurückbilden, aber auch sehr aggressiv fortschreiten und zum Tod führen. Diese Hochrisiko-Neuroblastome sind extrem wandlungsfähig.“ Die Forschergruppe hat eine Sequenzier-Methode entwickelt, die es ermöglicht, einzelne Zelltypen im Neuroblastom molekular zu analysieren. In Gewebeproben von Rezidiven entdeckten die Forscher besonders viele der Vorläuferzellen, sogenannte mesenchymale Neuroblastom-Zellen, die vermutlich auch für die Ausbildung von Metastasen verantwortlich sind. Die Forscher wollen jetzt prüfen, ob der hohe Anteil dieser Zellen mit der Überaktivierung eines bestimmten Signalweges in Verbindung gebracht werden kann. „Das könnte eine mögliche therapeutische Stellschraube sein“, hofft Frank Westermann, der die Arbeitsgruppe Neuroblastome am „Kitz“ und die Abteilung Neuroblastom-Genomik am Deutschen Krebsforschungszentrum leitet. „Eventuell ließe sich durch Blockade dieses Signalweges dann auch die Bildung der Vorläuferzellen und somit die Bildung von Resistenzen verringern.“ Die Wissenschaftler benötigen nun die Sequenzierungsergebnisse aus 20 weiteren Tumorproben, um langfristige Fördermittel zur Etablierung des Ansatzes beantragen zu können. Die Kosten der Tumorsequenzierungen von 50.000 Euro übernimmt der Förderverein Kinderkrebs Neuroblastom-Forschung aus Steinbach.