Der Streetfood-Markt in Bühl war ein großer Erfolg. Dieses Foto entstand bei der Veranstaltung im Jahr 2017. | Foto: Judith Feuerer

Streit um den Marktplatz

Streetfood-Markt in Bühl steht vor dem Aus

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Wenn kein Wunder geschieht, ist der Bühler Streetfood-Markt Geschichte. Bereits zweimal hat die Imbisskultur auf dem Markt- und Kirchplatz für Furore gesorgt. Doch der steht am ersten Oktoberwochenende, wenn die Innenstadtgemeinschaft „Bühl in Aktion“ (Bina) ihr Late-Night-Shopping plant, nicht zur Verfügung. Die Wochenmarktbeschicker, die zum Jahresbeginn aus dem „Exil“ auf dem Europaplatz am Bürgerhaus Neuer Markt auf den mit großem Aufwand sanierten zentralen Platz im Herzen der Stadt zurückgekehrt sind, wollen ihn am Samstag aber nicht vor 13.30 Uhr freigeben. Die rund 25 Streetfood-Trucks aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland müssen aber rechtzeitig aufbauen, damit die Party steigen kann.

Bina-Hauptversammlung zieht Reißleine

Die Bina hat vor diesem Hintergrund in ihrer Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend die Reißleine gezogen. Die Mitglieder fassten einen einstimmigen Beschluss. Der Streetfood-Markt soll ersatzlos entfallen, wenn die Nachverhandlungen mit den Marktbeschickern keinen Erfolg haben. Die ersten Verhandlungsrunde von Bina-Vorstand Christoph Engelhardt und OB Hubert Schnurr mit drei Vertretern der Marktbeschicker ist bereits gescheitert. Nach Auskunft von Engelhardt lehnten die Marktbeschicker ab, ohne besondere Gründe zu nennen. Jetzt drängt die Zeit, weil eine Veranstaltung dieser Größenordnung aus organisatorischen Gründen eine mehrmonatige Vorlaufzeit hat.

Fast ausweglos

Die Situation ist, wenn die Marktbeschicker nicht einlenken, ausweglos. Bekanntlich sind diese zu Beginn des Jahres nicht ohne Murren vom Europaplatz auf den Kirch- und Marktplatz zurückgekehrt. Es gab zahlreiche Stimmen, die einen dauerhaften Verbleib beim Bürgerhaus gefordert haben, weil dort wegen der zahlreichen Parkplätze in der Nähe gute Umsätze erzielt wurden. OB Schnurr bestand aber auf die Rückkehr auf den mit Millionenaufwand sanierten Markt- und Kirchplatz, wo es jetzt eine optimale Infrastruktur mit Strom- und Wasseranschlüssen gibt. Dafür hat er den Marktbeschickern versprochen, dass sie ihren alten und neuen Stammplatz im Schatten von Pfarrkirche und Rathaus nur noch für das Zwetschgenfest und den Adventsmarkt räumen müssen. Bisher mussten die Marktbeschicker wesentlich häufiger wegen anderer Veranstaltungen auf die Eisenbahnstraße ausweichen, unter anderem auch für den Streetfood-Markt. Auf diese Zusage des Oberbürgermeisters berufen sich die Marktbeschicker nach Auskunft von Engelhardt jetzt.

Unverständnis ist groß

Das sorgte in der Jahreshauptversammlung der Bina für Unverständnis, zumal die Innenstadtgemeinschaft den Marktbeschickern ein attraktives Angebot für eine Zusammenarbeit am ersten Oktoberwochenende präsentiert hatte. Engelhardt hatte ihnen vorgeschlagen, das Late-Night-Shopping und den Streetfood-Markt der Bina mit einem Erntedank-Wochenmarkt zu verbinden. Die komplette Werbung wollte die Innenstadtgemeinschaft übernehmen. Dafür sollten die Marktbeschicker ausnahmsweise auf die Eisenbahnstraße ausweichen.

Alternativen verworfen

„Wir haben natürlich mögliche Alternativen für den Streetfood-Markt geprüft“, berichtete Engelhardt. Die Eisenbahnstraße sei wegen fehlender Strom- und Wasseranschlüsse nicht geeignet. „Außerdem würde niemand verstehen, dass der Markt- und Kirchplatz, wenn unsere Veranstaltung beginnt, leer liegt“, meinte er. Auch der Europaplatz ist keine Option, weil dort an diesem Wochenende eine Großveranstaltung mit Jägern geplant ist. „Wegen der Baustelle an der Sparkasse ist das Platzangebot dort aktuell außerdem begrenzt“, sagte Engelhardt.

Empörte Stimmen

Die Mitgliederversammlung reagierte empört. „Es ist völlig unverhältnismäßig, dass die Marktbeschicker ein ganzes Wochenende kippen“, meinte ein Mitglied. Der OB sei nun gefordert. „Es kann nicht sein, dass die Gruppe der Marktbeschicker für die nächsten 50 Jahre über den Markt- und Kirchplatz bestimmt“, warnte ein anderer.

Der neue und der alte Bina-Vorstand: (von links) Daniela Fromme, Christoph Engelhardt, Catrin Hammig und Michaela Kaiser. Daniela Fromme scheidet aus, Catrin Hammig ist ihre Nachfolgerin. | Foto: Ulrich Coenen

OB Schnurr steht zu seinem Wort

Oberbürgermeister Hubert Schnurr steht zu seinem Wort, das er dem Marktbeschickern im vergangenen Jahr gegeben hat. „Die Marktbeschicker haben auf dem Markt- und Kirchplatz die älteren Rechte“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. Aus diesem Grund müssen sie nur noch für Zwetschgenfest und Adventsmarkt auf einen alternativen Standort ausweichen. Im Hinblick auf den Streetfood-Markt setzt der OB nach wie vor auf einen Kompromiss. Die Stadt wird die Marktbeschicker deshalb nicht zwingen, den zentralen Platz für die Innenstadtgemeinschaft „Bühl in Aktion“ (Bina) zu räumen.

Neue Gespräche

„Wir haben der Bina unter anderem die Eisenbahstraße beziehungsweise Franz-Conrad-Straße und die Hauptstraße als mögliche Standorte für den Streetfood-Mark angeboten“, berichtet Schnurr. „Bei den höheren Kosten, die durch die Wasser- und Stromanschlüsse dort entstehen, wären wir der Innenstadtgemeinschaft entgegengekommen.“ Der OB weist darauf hin, dass die Marktbeschicker nicht den gesamten Kirchplatz beanspruchen. In Richtung Kiosk sei noch Platz. Schnurr hält auch das Bina-Angebot für einen Erntedank-Wochenmarkt an die Marktbeschicker für durchaus attraktiv. „Marktbeschicker und Bina profitieren gegenseitig voneinander“, meint er. „Da muss ein Kompromiss möglich sein.“ Den will Hubert Schnurr gemeinsam mit beiden Parteien in der nächsten Woche suchen.

Kommentar zum Thema

Das darf noch nicht wahr sein. Jetzt steht der Streetfoot-Markt, der in Bühl eine riesige Resonanz erfahren hat, vor dem Aus, nur weil die Marktbeschicker nicht für einen Vormittag das Feld räumen wollen. Natürlich sind sie im Recht. OB Hubert Schnurr hat ihnen im Vorfeld der Rückkehr auf den sanierten Markt- und Kirchplatz versprochen, dass sie nur noch für Zwetschgenfest und Adventsmarkt weichen müssen. Das war nach dem ganzen Hickhack um den optimalen Standort für den Wochenmarkt salomonisch. Aber freiwillig nachgeben dürfen die Marktbeschicker schon.
Vor allem, wenn die Innenstadtgemeinschaft „Bühl in Aktion“ (Bina) ihnen ein tolles Angebot macht. Sie sollen den Marktplatz nicht ohne Gegenleistung räumen. Die Bina will sie in das Gesamtprogramm für das erste Oktoberwochenende mit Streetfood und Late-Night-Shopping integrieren. Der Wochenmarkt soll an diesem Samstagmorgen unter dem Titel „Erntedank-Wochenmarkt“ stattfinden. Die Werbung will die Bina übernehmen. Allerdings müssen die Marktbeschicker als Gegenleistung auf die Eisenbahnstraße ausweichen, damit die Streetfood-Trucks aufgebaut werden können.
Die Idee klingt gut, so gut sogar, dass man sie eigentlich schon früher hätte haben können. Der Wochenmarkt und seine Beschicker gehören zur Stadt und sorgen hier genau wie Einzelhandel und Gastronomie für Leben. Vor diesem Hintergrund müssten die Marktbeschicker als Gruppe eigentlich der Bina beitreten, die dafür eine Sonderregelung schaffen müsste. In jedem Fall sind beide Parteien keine Konkurrenten, sondern Partner, die voneinander profitieren. Da muss es doch eine Lösung für den Streetfood-Markt an seinem bisherigen Platz zwischen Kirche und Rathaus geben, von der alle profitieren.
Viel Zeit für die Suche nach einem Kompromiss haben die Beteiligten allerdings nicht. Die Zeit für die Vorbereitung der Großveranstaltung ist schon jetzt knapp. Also müssen sich Bina, Marktbeschicker und Oberbürgermeister in der nächsten Woche zusammensetzen und noch einmal verhandeln. Die Marktbeschicker sitzen am längeren Hebel. Die Bina muss den „Erntedank-Wochenmarkt“ also möglichst attraktiv gestalten, um sie zu überzeugen. Eine Alternative zum Kompromiss gibt es nicht. Die Kunden werden nicht verstehen, wenn der beliebte Streetfood-Markt wegen eines kleinlichen Streits aus dem Veranstaltungskalender gestrichen wird, auch die Kunden der Marktbeschicker nicht.