BEIM AUFTRITT im Sinzheimer „Ochsen“ sind die Live-Aufnahmen entstanden, die Sebastian Koehn und Reinhold Brommer für ihre CD ausgewählt haben. | Foto: pr

Badisch-pfälzisches Duo

„Sunny Wings“ veröffentlichen ihre erste CD

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Seit drei Jahren bilden Sebastian Koehn und Reinhold Brommer das Duo „Sunny Wings“. Jetzt haben die beiden Gitarristen ihre erste CD veröffentlicht, eine Sammlung von elf live aufgenommenen Songs aus der Rockgeschichte. Die Scheibe zeugt von zwei exzellent aufeinander abgestimmten Musikern.

Rockkonzerte, wollen Spötter wissen, sind erfunden worden, damit sich Gitarristen austoben können. Ja, sie sind legendär, die Teufelsritte auf sechs Saiten, die die Herren Blackmore, Page, Slash und Kollegen auf den Bühnen dieser Welt hingelegt haben. Da ist es nur selbstverständlich, dass zwei Gitarristen, die sich in ihrer gemeinsamen Vorliebe für Bands und Künstler wie Cream oder Jimi Hendrix gefunden haben, ein Ziel haben, das da heißt: Bühne.

Die „Sunny Wings“, so haben Sebastian Koehn und Reinhold Brommer ihren pfälzerisch-badischen Pas de deux der Pentatonik getauft. Sie treten rund zehn Mal im Jahr auf, wenn nicht gerade Corona-Alarm ist, in der Pfalz und in Baden. Jetzt lassen sie auch jene, denen ein Konzertbesuch noch nicht vergönnt war, an ihrer Spielfreude teilhaben: „Live“ lautet der Titel ihrer ersten CD, ein Mitschnitt eines Konzerts vom vergangenen November im Sinzheimer „Ochsen“.

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Am Anfang stand Steve Winwood

Es ist das bemerkenswerte Debüt eines nicht minder bemerkenswerten Duos. Seit drei Jahren musizieren Koehn und Brommer gemeinsam. Letzterer, auf der Akustikgitarre heimisch, hatte sich eine E-Gitarre gegönnt, eine Fender Stratocaster. Und suchte jemanden, der ihm ein paar Griffe und Kniffe zeigen könnte.

Der Tipp, sich an Sebastian Koehn zu wenden, entpuppte sich als Volltreffer. Das lag nicht nur an den überragenden Fähigkeiten des E-Gitarren-Lehrers an der städtischen Musikschule in Bühl, sondern auch an der großen musikgeschmacklichen Schnittmenge. Was übender Weise mit Steve Winwoods „Can’t find my way home“ begonnen hat, mündete jetzt in die CD-Veröffentlichung. Eine weitere Silberscheibe namens „After Sun“ soll im Sommer folgen, bestückt mit einer Ausnahme mit Studioaufnahmen.

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Coversongs mit Raum für komplexe Soli

„Als wir das erste Mal im ‚Ochsen‘ gespielt haben, war das eine so tolle Atmosphäre, dass ich zu Sebastian sagte: ‚Beim nächsten Mal nehmen wir hier auf‘“, erzählt der Kappelwindecker Brommer. Er spielt bei Auftritten die akustische Gitarre und singt auch. Bei seinem Mitstreiter musste er da keine große Überzeugungsarbeit leisten. Thomas Huber und Matthias Paha schufen die technischen Voraussetzungen im Saal, und los ging es.

Sebastian Koehn und Reinhold Brommer spielen seit drei Jahren als „Sunny Wings“ zusammen. | Foto: pr

Das Ergebnis ist eine Sammlung von elf Coversongs, die in der „Sunny Wings“-Bearbeitung schon mal neu daherkommen. Immer wieder geben sie Koehn den Raum für komplexe Soli auf der Elektrischen. Dass er neben Hendrix als seine Vorbilder Mark Knopfler und David Gilmore nennt, ist keine Überraschung mehr. Da ist nichts mit Hau drauf, da leuchtet filigrane Detailversessenheit, die jeden Song zu einem Unikat macht.

„Jedes Solo ist anders, wie im Jazz interpretiere ich das jedes Mal neu“, sagt Koehn. Das spreche auch Musikfans an, die es vielleicht nicht so sehr mit Cover-Versionen haben. Dazu braucht es einen Partner, der sich blind mit ihm versteht. Wenn schon Koehn selbst nicht weiß, wohin das Solo führen wird, wie erst Brommer? „Reinhold macht das super, er ist völlig offen für mein Spiel“, lobt Koehn seinen früheren „Schüler“: „Wir sind toll aufeinander abgestimmt.“

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Eine ordentliche Blues-Infusion

Das ist deutlich zu hören, ob in „One“ von U2 oder auch „Purple Rain“ von Prince. Manches Stück, etwa „Turn the Page“ von Bob Seger, erhielt eine ordentliche Blues-Infusion: „Der Blues kommt bei mir ganz automatisch“, sagt Koehn.

Bei anderen Stücken ist der Blues unauflöslich in der DNA verwebt, bei „Call me the Breeze“ von John Cale oder „Crossroads“ von Robert Johnson, dessen Entdeckung durch britische Musiker einst den europäischen Blues(rock) so richtig in Fahrt brachte.

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Am Ende der CD darf Koehns Gitarre leise weinen: „While my guitar gently weeps“, das von George Harrison geschriebene Beatles-Stück, macht den Rausschmeißer. Es ist sein Lieblingsstück auf der CD, verrät Koehn: ein von einem Gitarristen geschriebenes Stück, das Raum für eine wunderbare Reise auf sechs Saiten bietet – was für eine Frage an einen Gitarristen.

Die CD ist erhältlich bei beiden Musikern (www.sunnywings.de) sowie bei allen Download- und Streamingportalen. Am 19. Juni ist das Duo bei „Kaffee oder Tee“ ab 16.05 Uhr im SWR-Fernsehen zu sehen und am 21. Juni ab 19 Uhr in der Radiosendung „Der Ball ist bunt“ beim Sender „Querfunk“ zu hören.