Von der Terrasse des komplett neu gestalteten Clubhauses des Tennisclubs Bühl blickten Gemeinderäte und Vorstandsmitglieder auf die Anlage. | Foto: Ulrich Coenen

Gemeinderat zu Besuch

Tennisclub als Blaupause für Bühler Sportvereine

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Mit Björn Borg, dem ersten Popstar des Tennis, ging der Boom Mitte der 1970er Jahre los. Es folgten speziell in Deutschland die goldenen Jahre des Weißen Sports mit Boris Becker und Steffi Graf. Nach deren sportlichen Erfolgen entstanden landauf landab zahlreiche gewerbliche Tennishallen, in jedem zweiten Dorf wurde ein Tennisclub gegründet. Inzwischen ist Tennis nicht mehr in, viele Clubs kämpfen ums Überleben. Das war auch in Bühl nicht anders.

Immer weniger Mitglieder

Die beiden Vereine Blau Weiß und Grün Weiß, deren Mitgliederzahlen jeweils unter die magische Grenze von 200 gesunken waren, fassten einen klugen Entschluss und fusionierten 2015. In der ehemaligen Anlage von Grün Weiß im Hägenich haben sie eine gemeinsame Heimat gefunden. Auf der früheren Anlage von Blau Weiß errichte die Lebenshilfe ein Wohnheim.

Lob von OB Schnurr

Jetzt besuchte der Gemeinderat die Tennisanlage, um sich vor Ort ein Bild von der gelungenen Fusion und der ebenfalls gelungenen Erweiterung zu machen. „Das ist ein Musterbeispiel, wie es laufen sollte“, erklärte Oberbürgermeister Hubert Schnurr. „Das ist nicht nur für Tennisvereine beispielhaft. Ich kam mir das auch bei anderen Sportarten gut vorstellen.“

Geheime Sondierung

Der 2. Vorsitzende Peter Richter, der selbst Mitglied in beiden Vereinen war, ließ die Fusion in einer Power-Point-Präsentation Revue passieren. Bereits seit 2007 gab es Spielgemeinschaften, weil es in den beiden Vereinen nicht mehr in jeder Altersgruppe genügend Spieler für eine Mannschaft gab. Ab 2010 wurden dann, wie Richter berichtete, zunächst „relativ geheime Sondierungsgespräche“ geführt, die bis 2014 immer konkreter und öffentlicher wurden. „2015 war das entscheidende Jahr“, sagte Richter. In einer nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung stellten die Verantwortlichen beider Vereine ihre „akribische Planung“ vor. „Wir mussten aber nicht nur die Gemeinderäte, sondern auch die Mitglieder überzeugen“, erinnerte der Vize-Vorsitzende. „Da waren Emotionen im Spiel.“ Vor allem Blau Weiß fiel der Abschied schwer, musste der Verein doch seine alte Anlage aufgeben. Trotzdem gab es in der entscheidenden Mitgliederversammlung der Blauweißen nur zwei Stimmen gegen die Fusion.

Unter den Top Ten

Es hat sich gelohnt: Als Blau Weiß und Grün Weiß sich zusammenschlossen, hatten beiden Vereine gemeinsam 329 Mitglieder. Heute sind es 414, darunter 105 Jugendliche. Am Tag der Fusion waren nur 58 Mädchen und Jungen im Verein aktiv. „Wir gehören inzwischen zu den zehn größten Tennisclubs in Baden“, berichtete Sportwart Markus Hartmann stolz. „Im Bezirk sind wir nach Baden-Baden der größte Verein.“ 22 Mannschaften, darunter acht Jugendteams, sind aktiv. Am erfolgreichsten ist die Herren 65, die in der Südwestliga antritt. Beim Besuch des Gemeinderats absolvierte sie gerade ein Heimspiel. Auch der Breitensport spielt weiterhin eine wichtige Rolle. „Man kann nur wenige Sportarten bis ins hohe Alter betreiben“, sagte Hartmann. Tennis gehört offensichtlich dazu. Die ältesten Aktiven des Vereins sind über 80.

Erfolgreiche Jugendarbeit

Jugendwartin Bettina Daniel berichtete über die erfolgreiche Jugendarbeit, die die Basis für die steigenden Mitgliederzahlen darstellt. Mit der Weststadtschule läuft ein gemeinsames Projekt. In jeder Grundschule der Stadt bietet der TC Bühl außerdem einmal im Jahr für jede Klasse eine Tennisschnupperstunde an. Das jährliche Tennisferiencamp mit der Rekordzahl von 72 Teilnehmern im vergangenen Jahr ist inzwischen außerordentlich erfolgreich.

Hinter den Tennisplätzen, auf denen gerade die Südwestliga-Mannschaft des TC Bühl ein Spiel absolvierte, erheben sich die Schwarzwaldberge. | Foto: Ulrich Coenen

Ausbau der Anlage

Die Erfolgsgeschichte des Tennisclubs Bühl ist untrennbar mit der Qualität der Anlage im Hägenich verbunden. Nach der Fusion wurde das bisherige Domizil von Grün Weiß gemeinsam erweitert. Inzwischen stehen zehn Plätze zur Verfügung, ursprünglich waren es nur acht.

Viel Eigenleistung

Reiner Schumacher leitet im Vorstand nicht nur das Ressort Breitensport, er steht auch an der Spitze des Bauausschusses. Dafür ist der gelernte Bauingenieur prädestiniert. Bereits im Februar 2016 wurde mit dem Bau der beiden neuen Tennisplätze begonnen. „Die waren im Hinblick auf die steigenden Mitgliederzahlen dringend notwendig“, sagte Schumacher. Die Stadt, von der der Verein das Gelände in Erbpacht erhalten hat, spielte mit und stellte auch die Fläche für die Erweiterung zur Verfügung. Auch ein kleiner Geräteschuppen wurde gebaut.

Gut für Zusammenhalt

Im zweiten Bauabschnitt und mit viel Eigenleistung ging es ab September 2016 mit dem Anbau des neuen Sanitärtraktes ans bestehende Clubhaus weiter. „Nach einer Rund-Mail kamen an einem einzigen Wochenende für die Dachdeckung 18 Leute“, berichtete Schumacher. „Die gemeinsame Arbeit hat dem Zusammenhalt gut getan.“ Im dritten Bauabschnitt wurde das bestehende Clubhaus modernisiert.
Fast 4 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden haben die Mitglieder geleistet. Spezielle Aufträge wie Putzarbeiten wurden allerdings an Unternehmen vergeben.

Tennishalle als nächstes Ziel

„Ist der Verein jetzt wunschlos glücklich“, wollte Stadtrat Walter Seifermann (GAL) wissen. Der TC Bühl hat, wie Vorstandsmitglieder gegenüber den BNN bereits im Vorfeld des Gemeinderatsbesuch dargestellt haben, für die Zukunft weitere ehrgeizige Pläne. Das verdeutlichte der Zweite Vorsitzende Peter Richter gegenüber dem Kommunalparlament ausdrücklich. „Eine Halle ist immer ein Thema“, meinte er. Aktuell muss die Südwestliga-Mannschaft bei Regen für ihre Turnierspiele nach Achern ausweichen. Hallenplätze sind nach Auskunft des Vorstands in der Region inzwischen Mangelware: „Es gibt Kapazitätsprobleme.“

Neue Projektgruppe

Im Winter ruht der Sportbetrieb im Hägenich. „Für die Trainer, die freiberuflich tätig sind, ist das nicht lukrativ“, meinte Richter. „Die möchten natürlich das ganze Jahr über arbeiten.“ Aus diesem Grund gibt es im Verein eine Projektgruppe Halle, und der Bauausschuss wurde bislang nicht aufgelöst.

Stadt will helfen

OB Hubert Schnurr zeigte Verständnis für den Wunsch des Vereins. „Die Stadt hat in der Nachbarschaft eigenes Gelände und verhandelt mit dem Eigentümer eines Privatgrundstücks, das wir kaufen möchten“, berichtete er. Diese Fläche will Schnurr dem TC Bühl in bewährter Erbpacht zur Verfügung stellen, damit eine Halle entstehen kann. Der Verein geht von einem Bedarf von zwei bis drei Hallenspielfeldern aus. Der Vorstand ist optimistisch. „Wenn wir das Grundstück haben können wir die Halle irgendwie stemmen.“