Das Bühler Zwetschgenfest ist das größte Volksfest zwischen Karlsruhe und Freiburg. Sicherheit ist für die Veranstalter ein immer wichtigeres Thema. | Foto: Bernhard Margull

In Bühl

Terrorismus soll Volksfeste nicht gefährden

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Ein Aufschrei ging durch die bundesdeutschen Medien. Das Schützenfest im Hannoveraner Stadtteil Misburg musste angeblich wegen zu hoher Sicherheitsvorschriften der Behörden abgesagt werden.

Auch wenn die Uniformierte Schützengesellschaft Misburg als Veranstalter des traditionsreichen Volksfestes, das am 28. Mai stattfindet sollte, inzwischen auf ihrer Homepage versichert, dass organisatorische Gründe und keineswegs Terrorangst der Grund für die Absage sind, war der Skandal da.

Ein Vertreter des regionalen Schaustellerverbandes fürchtete in diesem Zusammenhang bereits bundesweit ein Sterben der kleinen Volksfeste, weil sich die Veranstalter die hohen Ausgaben für private Sicherheitsdienste und Straßensperren nicht leisten können. Nach dem Anschlag in Manchester gewinnen diese Sorgen aktuell weiter an Bedeutung.

Betonblöcke als Sperren

Beim Polizeipräsidium in Offenburg hält man diese Bedenken für übertrieben: „Dass die Vorschriften für vergleichbare Veranstaltungen auch im Offenburger Raum nach den diversen Terroranschlägen verschärft wurden, kann ich bestätigen“, erklärte Yannik Hilger von der dortigen Pressestelle. „Hierzu zählen beispielsweise der Einsatz von Betonblöcken oder Fahrzeugen als Sperren und Abgrenzungen. Des Weiteren sind Veranstalter mittlerweile auch eher dazu angewiesen, private Sicherheitsdienste zu engagieren. Dass jedoch aufgrund höherer Sicherheitsbeschränkungen Veranstalter dazu genötigt wurden, ihre Festlichkeiten abzusagen, ist mir im Bereich unserer örtlichen Zuständigkeit nicht bekannt.“

Warnung vor Panik

Auch Martin Bürkle, Fachbereichsleiter Bürgerservice, Recht und Zentrale Dienste im Bühler Rathaus, warnt vor Panik. „Wir arbeiten seit Jahren im Vorfeld aller Fest eng mit dem Polizeirevier Bühl zusammen“, berichtet er. „Unser Ordnungsamt erstellt in Absprache mit Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehr und zum Teil auch dem Technischen Hilfswerk (THW) einen Sicherheitsplan für jede Veranstaltung. Das gilt besonders für Großveranstaltung wie Zwetschgenfest oder Adventsmarkt.“ Aber auch kleinere Events wie die Afterworkpartys im Stadtgarten sind ein Thema.

Enger Kontakt zur Polizei

Der Kontakt zur Polizei ist eng. Vor vier Wochen gab es die letzte Besprechung. „Natürlich machen wir uns grundsätzlich Gedanken darüber, ob ein Terrorist mit einem Lastwagen ins Zwetschgenfest rasen kann“, sagte Bürkle. „Wir versuchen, die Veranstalter für mögliche Gefahren zu sensibilisieren.“

Der Fachbereichsleiter nennt konkrete Beispiele: Standbetreiber beim Adventsmarkt sollten ihre Buden an jedem Morgen im Hinblick auf Rucksäcken kontrollieren, die dort nichts zu suchen haben. Überhaupt ist es bei Veranstaltungen wichtig, auf fremde Gegenstände zu achten.“

Kein Druck auf Vereine

Bürkle betonte, dass die Stadtverwaltung keinen Druck ausübt, damit Vereine für ihre Veranstaltungen private Sicherheitsdienste engagieren. „Das war im Frühjahr 2014 nach dem Nachtumzug in Vimbuch ausnahmsweise anders“, erinnert sich der Fachbereichsleiter. „Das hatte aber keinen terroristischen Hintergrund.“

Bekanntlich waren damals alkoholisierte und gewaltbereite Jugendliche ein Problem. Das betraf nicht nur den Nachtumzug in Vimbuch, es gab in verschiedenen Gemeinden Mittelbadens ähnliche Probleme (unter anderem auch in Unzhurst).

Zwetschgenfest als Herausforderung

Das Zwetschgenfest ist eines der größten Volksfeste in Raum zwischen Karlsruhe und Freiburg. „Wegen der großen Menschenmassen engagiert die Stadt in jedem Jahr einen privaten Sicherheitsdienst, der mit dem des Festwirts zusammenarbeitet“, berichtete Martin Bürkle. „Bedauerlicherweise wirkt sich bei Volksfesten dieser Größenordnung ab einer gewissen Stunde der Alkohol aus.“

Diese Probleme sind aber nichts im Vergleich zum Terrorismus, der Großveranstaltungen und Feste inzwischen überall in zunehmender Weise bedroht. „Mitteleuropa ist nicht mehr wie vor zehn Jahren“, sagt Martin Bürkle. „Zu viele Menschen wollen ihre Vorstellungen mit terroristischen Mitteln durchsetzen.“