Das ist der Schwachpunkt des Hallenbades in Rheinmünster: Schwimmeister Stefan Röder zeigt die alte Mischstation für das Duschwasser, in der Legionellen brüten.
Das ist der Schwachpunkt des Hallenbades in Rheinmünster: Schwimmeister Stefan Röder zeigt die alte Mischstation für das Duschwasser, in der Legionellen brüten. | Foto: Ulrich Coenen

Blick hinter die Kulissen

Teure Sanierung: Legionellen können Hallenbad Rheinmünster nicht stoppen

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Die drohende Schließung des Hallenbades Rheinmünster ist der kommunalpolitische Aufreger in der Gemeinde. Auf Druck der Bürger hat der Gemeinderat inzwischen eine Kehrtwende vollzogen. Gemeinsam mit Bürgermeister Helmut Pautler, Schwimmmeister Stefan Röder und Hausmeister Oliver Stadtmüller durfte der Reporter dieser Redaktion einen Blick hinter die Kulissen der fast ein halbes Jahrhundert alten Sportstätte werfen. Sie ist wegen Legionellen aktuell geschlossen.

Der würzige Tannenduft sticht unerwartet in diese Nase. Das Rheinmünsteraner Hallenbad und die unmittelbar anschließende Sporthalle liegen inmitten eines kleinen Parks mit mehreren stattlichen Mammutbäumen am Rand des Ortsteils Greffern. Seit dem 14. März sind beide Sportstätten wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Dass sie vorerst nicht wieder öffnen dürfen, ist das Ergebnis einer Routineuntersuchung am 16. März.

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Die Trinkwasserversorgung und damit die Duschen von Schwimmbad und Sporthalle sind mit Legionellen verseucht. Diese verursachen die so genannte Legionärskrankheit, die tödlich enden kann. Der Streit um die Zukunft der beiden Einrichtungen, insbesondere des Hallenbades ist seit Mitte März das wichtigste Thema der Rheinmünsteraner Kommunalpolitik.

Inmitten eines kleinen Parks liegt das Hallenbad Rheinmünster. | Foto: Ulrich Coenen

Bürgermeister Helmut Pautler ist ein bekennender Fan des Hallenbades und will es unbedingt erhalten. Dabei weiß er Schwimmmeister Stefan Röder und Hausmeister Oliver Stadtmüller auf seiner Seite.

Nicht ohne Stolz führen die drei den Reporter unserer Redaktion durch die Anlage, die auch nach knapp einem halben Jahrhundert Betrieb sehr gepflegt wirkt. „Das ist vor allem dem Engagement und dem Fleiß der Mitarbeiter zu verdanken“, sagt Pautler.

Hausmeister Oliver Stadtmüller, Bürgermeister Helmut Pautler und Schwimmmeister Stefan Röder arbeiten am Hubboden des leeren Schwimmerbeckens (von links). | Foto: Ulrich Coenen

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Dass das Hallenbad bereits 1976 eröffnet wurde, erkennt der Besucher eher an seiner architektonischen Formensprache als am Gebäudezustand. Ende der 1990er Jahre wurde der Sichtbetonbau mit blauen Blechpaneelen verkleidet. Stadtmüller kramt eine alte Luftaufnahme hervor und zeigt den ursprünglichen Zustand.

Jeder Bühler, der einmal hier war, will nicht mehr ins Schwarzwaldbad.

Stefan Röder, Schwimmmeister

Das Team, das das Hallenbad betreut, brennt für diese Sportstätte. „Jeder Bühler, der einmal hier war, will nicht mehr ins Schwarzwaldbad“, bemerkt Schwimmmeister Röder selbstbewusst. Trotz aller Pflege ist die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen.

Das ist kein Wunder, denn Schwimmbäder sind ein reizvoller, aber problematischer Bautyp. Wasser und Architektur passen eigentlich nicht zusammen, denn Wasser findet mit der Zeit immer seinen Weg durch ein Bauwerk. Nach 40 bis 50 Jahren ist ein Schwimmbad sanierungsreif.

Schwimmmeister Stefan Röder arbeitet in den Duschen. Dort bereiten Legionellen Probleme. | Foto: Ulrich Coenen

Das weiß man auch in der Gemeindeverwaltung Rheinmünster. Dennoch hat der Legionellentest die Betreiber kalt erwischt. „Eine Ursache sind die zahlreichen toten Leitungen im Gebäude, die irgendwann in den vergangenen Jahrzehnten abgeklemmt wurden und in denen sich das Wasser sammelt“, berichtet Hausmeister Stadtmüller.

Leitungen mit stehendem Wasser sind Brutstätte für gefährliche Bakterien

Er ist in Greffern aufgewachsen und kennt Hallenbad und Sporthalle seit seiner Jugend. Diese toten und mit stehendem Wasser gefüllten Leitungen sind eine ideale Brutstätte für die gefährlichen Bakterien. Bei Temperaturen zwischen 20 und 45 Grad Celsius vermehren sich Legionellen, erst eine Wassertemperatur von 60 Grad Celsius tötet sie ab.

Unsere Duschköpfe bilden glücklicherweise keine Aerosole.

Stefan Röder, Schwimmmeister

Schwimmmeister Röder, der seit 2001 in Rheinmünster tätig ist, führt den Reporter in die Duschräume des Hallenbades. „Unsere Duschköpfe bilden glücklicherweise keine Aerosole, sonst wäre die Gefahr der Übertragung der Legionellen auf den Menschen viel größer“, sagt er.

Dann geht es in die „Katakomben“ des Schwimmbades. Auch hier sieht es ordentlich aus, doch Röder steuert zielsicher auf das Hauptproblem der technischen Anlage zu. Es ist die Mischstation für das Duschwasser, die noch aus der Erbauungszeit stammt.

Das 25-Meter-Becken ist bis zu 3,6 Meter tief. Im vorderen bereich befindet sich ein Hubboden, der die Wassertiefe zwischen 30 Zentimeter und 1,8 Meter variieren kann. | Foto: Ulrich Coenen

Das Duschwasser wird bereits im Keller auf eine Temperatur von 40 Grad Celsius gebracht und dann nach oben geschickt. Vor allem, wenn das Wasser über Nacht in die Leitungen steht, können sich die Legionellen ungebremst vermehren.

„Die Duschen der Sporthalle haben wir vor einigen Jahren bereits saniert“, berichtet der Hausmeister. „Dort wird das Duschwasser direkt in den Armaturen gemischt. In der Sporthalle müssen deshalb nur einige Leitungen erneuert werden, der Aufwand für die Duschen des Schwimmbades ist sehr viel größer.“

Die neue Technik soll den Legionellen endgültig der Garaus machen, nicht nur durch die höhere Wassertemperatur. „Wenn die Duschen nachts oder über Feiertage nicht benutzt werden, werden sie automatisch gespült“, erklärt Röder.

Wir haben fünf Wochen verloren.

Helmut Pautler, Bürgermeister 

Doch so weit ist es noch lange nicht. „Wir haben fünf Wochen verloren“, klagt Bürgermeister Pautler. Erst in der vergangenen Woche hat er im Gemeinderat grünes Licht für die Sanierung der Trinkwasserversorgung erhalten.

Jetzt bereitet ein Ingenieurbüro die Ausschreibung mit dem diffizilen Leistungskatalog vor. Man geht von rund 150.000 Euro Kosten aus. Wegen der Sommerferien rechnet Pautler damit, dass der Gemeinderat den Auftrag an den günstigsten Bieter erst im Spätsommer vergeben kann. „Ich bin froh, wenn wir das Hallenbad Ende des Jahres wieder öffnen können“, sagt er.

30.000 bis 40.000 Gäste kommen jährlich ins Hallenbad nach Greffern

30.000 bis 40.000 Badegäste besuchen das Rheinmünsteraner Bad in jedem Jahr. 2019 addierte sich das Defizit auf 350.000 Euro. Die notwendige Generalsanierung in den nächsten Jahren könnte nach Expertenmeinung mehr als neun Millionen Euro verschlingen.

Ein Neubau wäre aber doppelt so teuer. „Wir arbeiten verwaltungsintern an einem neuen Nutzungs- und Sanierungskonzept“, berichtet Pautler. Er kann sich vorstellen, dass sich Nachbargemeinden, die das Rheinmünsteraner Bad für Schulunterricht nutzen, an den Kosten beteiligen. Für das bautechnische Generalsanierungskonzept benötigt die Gemeinde die Unterstützung eines Fachbüros, das vor 2021 für diese Aufgabe nicht zur Verfügung steht.

Nach so langer Zeit könnten die Fugen beim Auffüllen mit kaltem Wasser reißen und undicht werden.

Stefan Röder, Schwimmmeister

Der Bürgermeister betont, dass ihm Fachingenieure immer wieder den guten baulichen Zustand des Hallenbades bestätigen. Wer neben dem aktuell leeren Schwimmbecken steht, teilt diese Meinung. „Wir haben das Wasser bereits nach Ostern abgelassen“, berichtet Schwimmmeister Röder.

Normalerweise geschieht das erst in der Sommerpause Mitte Juni bis Mitte September, die Röder für kleine Reparaturen wie das Auswechseln von Fliesen und die Erneuerung der Fugen nutzt. „Dass das Becken jetzt viele Monate leer stehen soll, macht mir Sorgen“, räumt der Schwimmmeister ein. „Nach so langer Zeit könnten die Fugen beim Auffüllen mit kaltem Wasser reißen und undicht werden.“

Das große Mosaik in der Schwimmhalle stand aus der Entstehungszeit. Es erinnert an die große Zeit der Rheinschiffer im Ortsteil Greffern. | Foto: Ulrich Coenen

Hallenbad Rheinmünster ist für ältere Besucher optimiert worden

Um das zu vermeiden, lässt sich Röder normalerweise eineinhalb Wochen Zeit, um das Becken zu füllen, damit sich das Wasser nach und nach erwärmen kann. Das wird dieses Mal nicht reichen.

Der Schwimmmeister denkt über eine Zwischenlösung nach und will das Becken während der Sanierung im Herbst provisorisch mit Wasser füllen. Das nicht mit Schwimmbadtechnik aufbereitete Wasser ist nur ein Platzhalter und muss natürlich für den späteren Betrieb wieder abgelassen werden.

Das 25-Meter-Becken mit seiner beachtlichen Tiefe von 3,60 Meter ist der Stolz der Gemeinde. In der einen Hälfte befindet sich ein Hubboden, der den Wasserstand stufenlos zwischen 1,80 und 0,30 Zentimeter anpassen kann.

„Optimal für Kinderschwimmen“, sagt Pautler. „Unsere Treppe, die sich dem Neigungswinkel des Hubbodens anpasst, hat auch nicht jedes Hallenbad. Wir haben sie 2012 installiert. Sie ist gerade für ältere Besucher viel besser als eine Leiter.“ Wer will da noch daran zweifeln, dass die Rheinmünsteraner für ihr Hallenbad eine zukunftsfähige Lösung finden.

Das Hallenbad Rheinmünster ist ein Symbol des früheren Wohlstands. 1965 ließ sich der US-Chemiekonzern Dow in der damals noch selbstständigen Gemeinde Greffern nieder und wurde zum wichtigsten Gewerbesteuerzahler. Dieses Geld ermöglichte den Bau eines Hallenbades mit der benachbarten Sporthalle. Das Bad wurde 1976 eröffnet. Nach der Kommunalreform im Jahr 1974 profitierte davon die gesamte neue Gemeinde Rheinmünster. Leider ist die Sportstätte inzwischen saniersbedürftig.
Ende 2018 sprachen sich die Rheinmünsteraner Gemeinderäte in einem Grundsatzbeschluss für eine Generalsanierung des Hallenbades aus. Allerdings rechnete das Gremium damals noch fest mit staatlichen Fördermitteln. Die fließen bekanntlich nicht.
Anfang 2020 wurde bei einer routinemäßigen Trinkwasseruntersuchung festgestellt, dass die Grenzwerte für die gefährlichen Legionellen sowohl in der Turnhalle als auch im Hallenbad überschritten werden. Die Sanierung der Trinkwasseranlage für die Sanitärräume im Hallenbad würde inklusive Nebenkosten rund 150.000 Euro kosten. Für diese Teilsanierung fand sich im Gemeinderat am 18. Mai keine Mehrheit. Am 22. Juni hat der Gemeinderat in einem zweiten Anlauf die Sanierung der Trinkwasseranlage für Hallenbad und Turnhalle genehmigt.
Das ist vor allem dem Engagement der Bürger zu verdanken. Sie haben eine Online-Petition auf der Plattform „openPetition“ mit dem Titel „Rettet das Schwimmbad Greffern“ gestartet. 1.941 Unterstützer haben sich dort für den Erhalt der Sportstätte ausgesprochen. Auf Facebook wurde die Gruppe „Rettet das Hallenbad Greffern“ gegründet, die inzwischen knapp 600 Mitglieder hat.