Kontrolle im Hochbehälter Rappenberg: (von links) Reiner Liebich, Hubert Schnurr und Rüdiger Höche. | Foto: Ulrich Coenen

Zweckverband Bühl

Trotz Trockenheit fließt Trinkwasser

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Die Sonne brütet, die Temperaturen sind seit Wochen tropisch. Regen ist Mangelware. Doch um die Trinkwasserversorgung müssen sich die Menschen in Bühl, Bühlertal und Ottersweier keine Sorgen machen. Die Kommunen, die sich zum Zweckverband Wasserversorgung Bühl und Umgebung zusammengeschlossen haben, sind vorbereitet. „Wir sitzen im Oberrhein auf dem größten Grundwasserspeicher Europas“, sagte Rüdiger Höche, Geschäftsführer des Zweckverbands und Technischer Geschäftsführer der Bühler Stadtwerke. „Es gibt keinen aktuellen Anlass, Wasser zu sparen.“

Versorgung ist sicher

„Die Wasserversorgung ist sichergestellt“, betonte Bühls Oberbürgermeister Hubert Schnurr, in Personalunion Vorsitzender des Zweckverbands, bei einer Pressekonferenz, zu der der Verband angesichts des trockenen Sommers zum Hochbehälter Rappenberg oberhalb des Bühler Stadtteils Kappelwindeck eingeladen hatte. „Unsere Trinkwasserversorgung steht auf zwei Pfeilern. Neben dem Quellwasser aus dem Gebirge ist das das Grundwasser in der Rheinebene.“

Weniger Quellwasser

Doch der Pfeiler im Gebirge wackelt angesichts der monatelangen Trockenheit. Aktuell spenden die elf Quellen, die vor mehr als einem Jahrhundert im Höhengebiet gefasst wurden, kaum mehr als 350 Kubikmeter Wasser pro Tag. Diese Menge deckt nur noch sieben Prozent des täglichen Trinkwasserbedarfs im Gebiet des Zweckverbands, der rund 45 000 Menschen und rund 1 200 Unternehmen mit fast 25 000 Arbeitsplätzen versorgt. Zum Vergleich: Nach der Schneeschmelze im Frühjahr kommen 41 Prozent des Trinkwassers aus den Quellen. Zurzeit werden nur noch die Neusatzer komplett mit Quellwasser versorgt. Weitere Zahlen unterstreichen die Entwicklung. In guten Monaten geben die Quellen rund 75 000 Kubikmeter, im Juli 2017 waren es lediglich 30 400 Kubikmeter. Auch im Vergleich zu weniger heißen Sommern zeigen sich die Bühler Quellen derzeit wenig spendabel. Im Juli 2017 flossen immerhin 42 000 Kubikmeter.

Im Hochbehälter Rappenberg oberhalb von Kappelwindeck werden Quellwasser und Grundwasser gemischt. Das Quellwasser sprudelt wegen der großen Trockenheit kaum noch. | Foto: Ulrich Coenen

Insgesamt ist die Quellwasserschüttung, die bis zur Mitte des Jahrhunderts die gesamte Bevölkerung versorgt hat, bereits seit Jahren leicht rückläufig. Die Quellen bereiten Höche aber keine Kopfschmerzen. Die riesigen Grundwasserreserven in der Rheinebene machen es möglich, den Verlust im Gebirge mühelos auszugleichen. Weil Quell- und Grundwasser aber eine andere Qualität haben, ist das mit technischem Aufwand verbunden.

Teure Enthärtungsanlage

In den Jahren 2010 und 2011 hat der Zweckverband in den Ausbau der Enthärtungsanlage Landmatt zwischen Bühl und Ottersweier investiert. Die macht das harte Grundwasser weich und garantiert eine einheitliche Qualität des Trinkwassers von acht Grad deutscher Härte. Weil aktuell immer mehr Grundwasser entnommen wird, um das fehlende Quellwasser auszugleichen, läuft die Enthärtungsanlage Landmatt ebenso auf Hochtouren wie die Pumpen, die Grundwasser fördern. Das ist mit einem erhöhten Energieverbrauch verbunden. Insgesamt ist der Wasserverbrauch trotz der Hitze aber nicht gestiegen und lag im Juli bei 152 600 Kubikmetern. Der Wasserpreis von 1,98 Euro pro Kubikmeter bleibt stabil.
Reiner Liebich, kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke, wies auf die hohen Investitionen in die Trinkwasserversorgung hin, die in den vergangenen 15 Jahren rund 13 Millionen Euro verschlungen hat. In den nächsten eineinhalb Jahrzehnten wird die gleiche Summe notwendig sein.

Immer mehr Wasserrohrbrüche

Nach Auskunft von Höche gibt es wegen der Trockenheit massiven Ärger mit Wasserrohrbrüchen. „Wegen des ausgetrockneten Bodens kommt es zu Setzungen und damit zu Spannungen“, berichtet er. Im Juli und August verdreifachte sich die Zahl der Rohrbrüche auf rund 15 pro Monat. Normalerweise sind es nur fünf.

Gefahr durch PFC

Der bereits vor Jahrzehnten wegen hoher Nitratbelastung stillgelegte Brunnen bei Müllenbach, der in trockenen Sommern von den Stadtwerken wiederholt für Landwirte geöffnet wurde, bleibt in diesem Jahr geschlossen. Der Zweckverband, der bisher bei der Trinkwasseraufbereitung kein Problem mit PFC hat, hat Angst vor der Chemikalie. Schließlich liegt dieser Brunnen weit im Norden seines Einzugsgebiets. „Wir wollen durch die Grundwasserentnahme an dieser Stelle kein PFC ziehen“, sagt Geschäftsführer Rüdiger Höche.