Das Café Falk war viele Jahrzehnte lang ein Treffpunkt in der Ottersweierer Ortsmitte. | Foto: pr

Café Falk in Ottersweier

Über Jahrzehnte eine Institution

Von Adalbert Metzinger

Es war über Jahrzehnte eine Institution in Ottersweier: Das Café Falk in der Ortsmitte, in der Laufer Straße gegenüber der Kirche St. Johannes. Am heutigen Mittwoch feiert Helga Haller, deren Namen mit dem Café eng verbunden ist, ihren 80. Geburtstag. Ein Anlass, auf ihr Leben und das Café Falk zurückzublicken.
Die Anfänge gehen auf Bernhard Friedmann zurück. Als 29 Jahre alter Bäckermeister reichte er am 25. Mai 1920 ein Gesuch zum Betrieb eines Cafés ein. Friedmann, verheiratet mit Maria Falk, erhielt fünf Monate später vom Badischen Bezirksamt Bühl die Erlaubnis zum Betrieb eines „Kaffees ohne Ausschank von Branntwein und sonstigen Spirituosen“. Wegen dieser Einschränkung versuchte Friedmanns Anwalt Franz Gerber aus Achern im Jahr 1926 beim Bezirksamt Bühl doch noch eine Genehmigung zu erreichen. Er begründete seinen Antrag unter anderem damit, dass heute von den Gästen des „Kaffees fast täglich der Ausschank von Likör verlangt wird“. Trotzdem wurde das Gesuch Friedmanns aufgrund der Bestimmungen der Gewerbeordnung abgelehnt, weil die Zahl der „Wirtschaften mit Genuss von Alkohol in Ottersweier“ ausreichend sei. Damit dürften die im April 1926 bestehenden sieben Gaststätten im Hauptort und die Wirtschaften in den Zinken Hub, Haft und Walzfeld gemeint gewesen sein.

Spirituosen lange tabu

Im Jahr 1928 übernahm der Bäckermeister Lorenz Falk, ein Schwager Friedmanns, das Café und die dazugehörende Bäckerei. Ab diesem Zeitpunkt hieß der Gastronomiebetrieb Café Falk. Lorenz Falk (1891–1966) absolvierte seine Lehre zwischen 1907 und 1910 in der Bäckerei und Konditorei Eicher in Achern und arbeitete als Geselle auch in der Schweiz. Auch noch in den 1930er Jahren wurden im Café neben Kaffee und Kuchen weiterhin nur alkoholfreie Getränke wie verschiedene Sorten von Sprudel serviert. Zum Café-Betrieb gehörte damals ein Raum von 20,60 Quadratmetern Bodenfläche, der durch den Laden von der Laufer Straße aus zugänglich war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es in Ottersweier während der Nachkriegsjahre insgesamt sechs Bäckereien einschließlich der Bäckerei Falk. Der Ottersweierer Gemeinderat befürwortete 1953 das Gesuch um Ausschank von Wein, Branntwein und Likör.

Gesellenzeit in Chicago

Lorenz Falk hatte 1921 Magdalena Friedmann (1896–1944) geheiratet, mit der er einen Sohn hatte. Nach dem frühen Tod seiner Frau ging er mit Irma Haller (1918–1990) eine zweite Ehe ein. Gemeinsam betrieben sie das Café bis zum Tod von Lorenz Falk im Jahr 1966. Anschließend führte Irma Falk unter Mithilfe ihres Sohnes Klaus Haller und seiner Ehefrau Helga (geb. Kühnle) das Café weiter. Klaus Haller, Jahrgang 1936, verbrachte seine Lehrzeit als Bäcker und Konditor beim „Schuh-Bäck“ (Bäckerei und Café Schuh) in Bühl. Während seiner Zeit als Geselle arbeitete er für etwa zwei Jahre auch in Chicago und unterstützte mit seinem Verdienst seine Eltern beim Betrieb des Cafés,  beispielsweise auch bei Renovierungen.

Ideal ergänzt

Nach seiner Rückkehr bestand Klaus Haller die Prüfungen zum Bäcker- und Konditormeister und heiratete 1960 Helga Kühnle. Sie hatte nach dem Besuch der Ottersweierer Volksschule in einer Karlsruher Bäckerei und Konditorei Verkäuferin gelernt. Klaus und Helga, die sich ideal bei der Führung der Bäckerei/Konditorei und des Cafés ergänzten, suchten am 17. September 1968 beim Landratsamt Bühl um die Erlaubnis zum Betrieb des Cafés Falk nach. Da der Gemeinderat keine Einwände hatte, wurde den Eheleuten Haller vom Landratsamt am 8. Juli 1969 die „Erlaubnis zum eigentumsweisen Betrieb der Personalschenkwirtschaft mit Branntweinausschank“ erteilt. Diese Erlaubnis erstreckte sich auf die folgenden Räume: Hauptlokal (39 Quadratmeter), Wirtschaftsfläche (zehn Quadratmeter), ein Herrenabort, ein Damenabort, ein Pissoir. Als Auflage wurde zudem verlangt: „Vier Pkw-Stellplätze sind auf dem Hofgrundstück herzurichten, zu signieren und durch Beschilderung darauf hinzuweisen. Die WC-Anlage ist mit einer Dauerlüftung auszustatten. Diese kann in der bestehenden Fensterkonstruktion eingebaut werden.“

Treffpunkt der Jugend

Besonders für junge Menschen wurde de das Café zu einem wichtigen Treffpunkt. Hier traf man sich mit Freunden und Bekannten, um sich zu unterhalten, über Politik zu streiten und dabei die Köstlichkeiten des Cafés wie Käsekuchen, Schwarzwälder Kirschtorte, Käsesahne oder Erdbeersahne zu genießen. Besonders beliebt war bei einigen Jugendlichen der Treff nach dem sonntäglichen Hauptgottesdienst, wo sich in einer Art „Stammtischrunde“ unterhalten und Pläne für die Freizeitgestaltung geschmieden wurden. Und manch einer „schwänzte“ den Gottesdienst und ging gleich ins Café.

Helga Haller (rechts) war unermüdlich im Einsatz. Foto: pr

„Ich bin die Helga“

Das Café Falk nahm ab dem Jahr 1965 auch etliche Schüler der neu eingerichteten Ottersweierer Realschule in den Fokus. Das Einzugsgebiet der neuen Realschule führte auch auswärtige Schüler aus Sasbach, Lauf oder Sasbachried in das Café. Für die jungen Menschen war Helga Haller, die dort alleine oder in Spitzenzeiten auch mit einer weiteren Arbeitskraft, die Bestellungen aufnahm und sie an den Tisch brachte, eine wichtige Funktion ein. Ihre einfühlsame und verständnisvolle Art sowie ihre kommunikativen Fähigkeiten, vermittelten den Jugendlichen das Gefühl, ein willkommener Gast zu sein, der ernst genommen und akzeptiert wird. „Ihr braucht nicht Frau Haller zu sagen, ich bin die Helga.“, war oft der entscheidende Satz, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Wenn man bedenkt, welchen Umfang ihre tägliche Arbeitszeit einnahm, war ihre positive Ausstrahlung und ihr unermüdliches Engagement eine erstaunliche Leistung. Fast jeden Tag musste sie um 6 Uhr aufstehen und hatte neben den privaten Tätigkeiten, wie die Erziehung von drei Kindern und die Arbeit im Haushalt, im Laden den Verkauf der Backwaren und die Arbeit im Café zu erledigen.

An Silvester 2000 endete die Geschichte

Klaus Haller, der auch Lehrlinge ausbildete, musste unter der Woche in der Regel zwischen 4 und 4.30 Uhr aufstehen, und am Wochenende wurde bereits um 1 Uhr mit dem Backen begonnen. Natürlich besuchten nicht nur Jugendliche das Café. Gäste aus allen Bevölkerungsgruppen waren dort anzutreffen. Leider war es am 31. Dezember 2000 soweit: Die Eheleute Haller gaben aus gesundheitlichen Gründen den Betrieb des Café Falk auf. Seitdem gehört das Café Falk als ein Teil der Ottersweierer Geschichte der Vergangenheit an. Nach einem Umbau befindet sich dort seit dem 1. Juni 2006 ein Augenoptik-Geschäft. Torten, Kuchen und Backwaren machten dann Brillen und Kontaktlinsen Platz.