Ansiedlungspläne: Für den Bau eines Logistikzentrums hat das Bühler Traditionsunternehmen Uhu eine 8,2 Hektar große Teilfläche im Chemiepark Rheinmünster erworben. | Foto: Dow

Neubau im Chemiepark

Uhu verlegt Logistikzentrum von Bühl nach Greffern

Das Bühler Traditionsunternehmen Uhu will im Chemiepark Rheinmünster ein modernes Logistikzentrum bauen. Nach Differenzen über die geplante Erweiterung im Vimbucher Gewerbegebiet Hurst  hat der Klebstoffhersteller anderweitig die Fühler ausgestreckt und wurde in Greffern fündig. Im dortigen Chemiepark Rheinmünster hat Uhu von der Dow-Anlagengesellschaft ein 8,2 Hektar großes Grundstück erworben. Der Kaufvertrag zwischen den beiden künftig im Chemiepark benachbarten Firmen ist mittlerweile in trockenen Tüchern.

Baubeginn im Frühjahr 2017

Uhu will das Vorhaben zügig umsetzen: Die Bauarbeiten sollen Ende des ersten Quartals 2017 beginnen, die Inbetriebnahme des Logistikzentrums ist im ersten Quartal 2018 geplant. Das Logistikzentrum soll 20 000 Lagerplätze umfassen. Dem Entschluss voraus ging laut Auskunft des Unternehmens die Prüfung verschiedener Alternativen sowohl am bisherigen Standort als auch außerhalb.
Danny Witjes, Uhu-Geschäftsführer und General Manager PSO (Product Supply Organisation) von Bolton Adhesives, stellt fest: „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, mit dem Standort Greffern eine zukunftsfähige Lösung gefunden zu haben und die Arbeitsplätze in der Region zu halten.“ Der bisherige Standort des Uhu-Logistikzentrums im Gewerbegebiet Hurst in Vimbuch werde aufgelöst. Die Arbeitsplätze bleiben erhalten und werden nach Inbetriebnahme des neuen Logistikzentrums an den neuen Standort verlegt. Zur Zahl der Mitarbeiter und zum frei werdenden Areal in Vimbuch wollte das Unternehmen zum aktuellen Zeitpunkt keine Angaben machen.

Die Firma Uhu will am Standort Bühl die Produktion und Verwaltung halten.
Die Firma Uhu will am Standort Bühl die Produktion und Verwaltung halten. | Foto: Coenen

Produktion und Verwaltung bleiben in Bühl

„Die Uhu-Produktion und Verwaltung verbleiben am bisherigen Standort in der Herrmannstraße in Bühl“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Es gibt keine Pläne zur Verlegung des Unternehmensstandorts“, versichert Uhu auf Nachfrage. Im Chemiepark werde nur ein Logistikzentrum gebaut. Es gebe auch keine Pläne, dieses für die gesamte strategische Einheit von Bolton Adhesives zu nutzen.
Uhu gehört seit 1994 zur Klebstoffsparte der Bolton-Gruppe: Bolton Adhesives. Hier sind führende Markenklebstoffe wie Uhu, Bison und Griffon zusammengefasst. Bolton Adhesives beschäftigt 700 Mitarbeiter und vertreibt seine Produkte in über 125 Ländern weltweit.

Das Gelände, das Uhu für die Ansiedlung im Chemiepark Rheinmünster erworben hat, liegt zwischen der Industriestraße und dem Schifferweg und ist mit 8,2 Hektar deutlich größer als die Erweiterungsfläche des Gewerbegebiets Oberbruch, in dem die Stadt Bühl dem Unternehmen Baugrundstücke als Alternative zum Standort Hurst angeboten hatte. Diese scheiterte laut OB Hubert Schnurr an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Angesichts der bereits erfolgten und weiteren für 2017 angekündigten Investitionen in Bühl geht Schnurr aber davon aus, dass Uhu die Produktion und Verwaltung in Bühl behält. Zum Logistikzentrum, das nun von Vimbuch nach Greffern verlagert wird, betont er: „Es ist wichtig, dass es in der Region bleibt. Besser in Rheinmünster als an einem weiter entfernten Ort.

Wegweisende Entscheidung für Mittelbaden

Der Rheinmünsteraner Bürgermeister Helmut Pautler spricht von einer wegweisenden Entscheidung für die Region Mittelbaden. Am Montagabend informierte er den Gemeinderat in einer nicht öffentlichen Sondersitzung über den geplanten Bau des Uhu-Logistikzentums im Chemiepark Rheinmünster, der im Gremium „sehr positiv aufgenommen wurde“.
Bei den Grundstücksverhandlungen trat die Gemeindeverwaltung nach einer entsprechenden Anfrage als Vermittler auf (Pautler: „Wir sind von unserer Seite nicht auf Uhu zugegangen“) und will auch selbst eine knapp fünf Ar große Teilfläche zur Leitungstrassensicherung übernehmen. Das Ergebnis der Verhandlungen kommentiert der Rathauschef mit einem großen Lob an die Unternehmensleitungen von Dow und Uhu für die umsichtige Vorgehensweise und das einvernehmliche Miteinander. „Wir gehen gemeinsam den ersten Schritt in eine erfolgreiche Zukunft“, ist sich das Gemeindeoberhaupt sicher.
Vor allem auch aufgrund der Endlichkeit der Kiesausbeute und dem damit verbundenen Wegfall der Kiespacht hofft die Münstergemeinde auf weitere Firmenansiedlungen und damit auf ein Plus bei der Gewerbesteuer – nicht nur im Baden-Airpark, der sich mit derzeit 2 500 Beschäftigten als Jobmotor entwickelt habe, sondern auch außerhalb. Derzeit arbeiten in Rheinmünster insgesamt 3 500 Beschäftigte. Bürgermeister Pautler: „Wir sind zur Einpendlergemeinde geworden.“

Im Chemiepark Rheinmünster sind bislang vier Unternehmen ansässig. Jetzt kommt Uhu hinzu.
Im Chemiepark Rheinmünster sind bislang vier Unternehmen ansässig. Jetzt kommt Uhu hinzu. | Foto: pr

Weitere freie Flächen im Chemiepark

Die zur Verfügung stehenden Flächen im Chemiepark sind laut Pautler eine der wenigen im Landkreis, in denen es laut Regional- und Flächennutzungsplan keine planerischen Einschränkungen von Gebäudehöhe und -größe gibt. Anfang der 1960er Jahre hat die Dow in Greffern eine Vielzahl von Grundstücken erworben und 1965 ihren ersten Produktionsstandort in Deutschland gegründet. Inzwischen haben sich auf dem Werksgelände auch die Firmen Evonik Nutrition & Care KG, die Trinseo Deutschland Anlagengesellschaft mbH und die Olin/Blue Cube Germany Assets GmbH & Co. KG angesiedelt. Die Dow beschäftigt im Werk Rheinmünster 300 Mitarbeiter. Hinzu kommen 55 Beschäftigte bei Evonik, 50 bei Trinseo und 73 bei Olin.
Von der Uhu-Ansiedlung erwartet Pautler keine gravierenden Mehrbelastungen durch den Verkehr, zumal die im Chemiepark ansässigen Unternehmen bestrebt seien, ihr Zuliefermaterial vermehrt über den Rhein und den Dow-Hafen zu transportieren. Das neue Logistikzentrum auf dem Areal zwischen Industriestraße und Schifferweg wird über die bestehende Einfahrt zum Chemiepark angeschlossen.

Win-Win-Situation für die Unternehmen

Klaus Seiler, Leiter des Dow-Standorts Rheinmünster, spricht bei dem Grundstückserwerb durch Uhu von einer Win-Win-Situation: „Beide Unternehmen sind in ihrem jeweiligen Bereich Wettbewerbsteilnehmer in globalisierten Märkten. Die neue Nachbarschaft hilft allen. Dies trifft ebenso für Evonik, Trinseo und Olin zu.“ Laut Seiler sind im Chemiepark weitere, großzügig geschnittene Flächen für Unternehmen vorhanden. „Dort sind kurz- und mittelfristig bauliche Entwicklungen möglich, welche an anderen Stellen entweder aufgrund der nicht verfügbaren Flächengrößen oder aufgrund der zumeist eng gefassten planerischen Einschränkungen nicht umzusetzen sind.“